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Frau mit Mundschutz sitzt im Auto

Fragen und Fakten zum Coronavirus

Fiebermessen auf offener Straße: Vorsichtsmaßnahme in der chinesischen Großstadt Wuhan. 

Welche Symptome verursacht die Krankheit? Wer ist gefährdet und wie verhindert man die Ansteckung? OÖN-Arzt Johannes Neuhofer hat die wichtigsten Antworten parat.  

Ausgehend von China breitet sich das Coronavirus weltweit aus – und macht vielen Menschen Angst. Die OÖN haben Johannes Neuhofer, Vizepräsident der Ärztekammer, über die Krankheit befragt. Eins gleich vorweg: "Bei uns in Österreich mit unseren hohen hygienischen Standards sehe ich keine große Gefahr. Noch dazu wenn jetzt alle ohnehin so genau aufpassen und sofort reagieren, wenn ein Verdachtsfall aufkommt."

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OÖNachrichten: Welche Symptome verursacht das Coronavirus?

Johannes Neuhofer: Die Beschwerden sind mit einer Grippe vergleichbar. Dazu gehören etwa Husten, Schnupfen und Fieber. Das kann unterschiedlich intensiv verlaufen.

Woran sterben die Menschen dann?

In schweren Fällen kann eine Infektion eine Lungenentzündung verursachen. Generell greift das Virus die Atemwege an. Das trifft vor allem natürlich ältere, aber auch geschwächte Menschen mit Asthma oder auch Herz-Kreislauf-Problemen. Denn wenn das Immunsystem zu schwach ist, schafft der Körper es nicht, mit dem Virus fertigzuwerden.

Wie kann ich mich dagegen wappnen?

Indem Sie ganz allgemein darauf schauen, dass Ihr Immunsystem gut funktioniert, denn je fitter Sie sind, desto besser kann sich der Körper gegen Krankheiten schützen. Das funktioniert am besten mit den altbekannten Klassikern: gesund essen, regelmäßig Bewegung machen und viel frische Luft.

Wie ansteckend ist dieses neuartige Coronavirus?

Nach bisher vorliegenden Informationen besteht die Möglichkeit einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung. Das Tückische ist, dass die Inkubationszeit hier relativ lang ist. Von der Ansteckung bis zu den ersten Symptomen können schon einmal ein bis zwei Wochen vergehen. Das macht es schwierig.

Wie hoch ist die Gefahr, mit dem Coronavirus infiziert zu werden, hier in Österreich?

Extrem gering. Natürlich ist die Gefahr einer raschen weltweiten Ausbreitung durch das Reisen und Fliegen groß, aber ich glaube, dass wir das hier sehr gut unter Kontrolle haben. Meiner Einschätzung nach wird das genauso einschlafen, wie das bei SARS 2002 der Fall war.

Trotzdem: Wie könnte man einer Ansteckung vorbeugen?

Indem man – wie auch bei der "normalen" Grippe – große Menschenansammlungen meidet, wo viel geniest und gehustet wird. Außerdem empfohlen wird, sich mehrmals täglich die Hände gründlich mit Seife zu waschen und beim Husten oder Niesen Mund und Nase mit einem Taschentuch zu bedecken.

Gibt es Medikamente gegen das Coronavirus?

Nein, aber es wird bereits an einem Impfstoff gearbeitet, der in einem Jahr auf den Markt kommen soll. Alles, was man also tun kann, ist, die Beschwerden zu lindern. Antibiotika sind gegen Viren machtlos.

Wann sollte man zum Arzt?

Wenn Sie Husten haben zum Beispiel. Aber am besten immer gleich wenn Sie merken, dass Sie sich nicht wohlfühlen.

"Natürlich ist die Gefahr einer raschen weltweiten Ausbreitung durch das Reisen groß, aber ich glaube, dass wir das hier sehr gut unter Kontrolle haben", sagt Johannes Neuhofer, Vizepräsident der Ärztekammer OÖ. 

Was Sie noch zum Coronavirus wissen sollten:

  • Mit der Ausbreitung des neuen Coronavirus (2019-nCoV) ist die Zahl der Toten in China auf 81 gestiegen. Bis Dienstag wurden nach Angaben der chinesischen Gesundheitsbehörden 4.515 Infizierte und 106 Todesfälle registriert. Zudem wurden Coronavirus-Infektionen in zehn Ländern bestätigt, immer in Zusammenhang mit Personen, die aus Wuhan eingereist waren.
  • Informationen der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) zufolge handelt es sich bei Coronaviren (CoV) um eine große Familie. Zu den Coronaviren gehören unter anderem das MERS-Coronavirus, das 2012 erstmals beim Menschen aufgetreten ist und das SARS-Coronavirus.
  • Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde am 7. Jänner 2020 in China (Region Wuhan) das neuartige Coronavirus identifiziert, das zuvor noch nie beim Menschen nachgewiesen wurde. Nach aktuellem Wissenstand trat das Virus erstmals auf einem Fischmarkt in Wuhan auf. Dieser wurde bereits geschlossen.
  • Wie gefährlich der Erreger ist, ist noch nicht genau abzusehen. Momentan scheint die Gefährlichkeit des neuen Coronavirus deutlich niedriger als bei MERS und SARS zu sein. Selbst bei der weltweiten SARS-Epidemie 2002 gab es in Österreich keinen einzigen dokumentierten Infektionsfall. Der MERS-Erreger wurde in Österreich bislang nur 2014 und 2016 bei jeweils einem Patienten aus Saudi-Arabien nachgewiesen.
  • Im Kampf gegen die neue Lungenkrankheit riegelt die chinesische Regierung besonders stark betroffene Großstädte ab. In der Elf-Millionen-Metropole Wuhan wurden in der Vorwoche Flüge, Züge, Fähren, Fernbusse und der öffentliche Nahverkehr gestoppt. Zwischen Österreich und der primär betroffenen Region in China gibt es keine Direktflüge.
  • Das Risiko einer großflächigen Verbreitung der Krankheit außerhalb Chinas wird derzeit als gering eingestuft. Die Spitäler seien gut gerüstet, Pläne – die im Fall der Grippe ohnehin laufen – seien aktiv, erklärte Gesundheitsminister Rudolf Anschober.

 


OÖN Logo Valerie Hader

Gesundheitsmagazin der OÖNachrichten

29. Januar 2020

 

Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 10. Februar 2020