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Badeunfälle: Erste Hilfe

Badeunfälle: Erste Hilfe Wenn die Sonne heiß vom Himmel lacht, suchen viele Menschen Erfrischung im kühlen Nass. Aus dem vermeintlichen Freizeitspaß kann aber rasch ein Notfall werden. Doch wie vermeidet man Badeunfälle und was ist zu tun, wenn doch etwas passiert?

Stürze, Zusammenstöße bei Spielgeräten wie zum Beispiel Wasserrutschen, aber auch Wasserspielzeuge und Schwimmreifen oder Luftmatratzen können im Sommer schnell zur Gefahr werden. „Jedes Jahr verletzen sich rund 5.100 Personen bei Aktivitäten rund ums Wasser so schwer, dass sie im Spital behandelt werden müssen. Die Hälfte der betroffenen Personen ist jünger als 15 Jahre“, erklärt Dipl.-Ing. Alexandra Kühnelt-Leddihn vom KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit). Vor allem das Ausrutschen hat es in sich: „Rund ein Viertel der betroffenen Personen ist ausgerutscht und hat sich dabei verletzt“, ergänzt die Expertin.

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Schockstarre bei Kindern

Wer glaubt, dass man nur in tiefen Gewässern ertrinken kann, der irrt. Bereits Wassertiefen von zehn bis 20 Zentimetern können für Kleinkinder bedrohlich werden. Besonders gefährlich dabei ist die sogenannte Schockstarre: Die Kleinen gehen dabei ganz still unter, ohne auf sich aufmerksam zu machen. „Der Schock beim Eintauchen blockiert die Atemwege und führt zum Ersticken. Zudem haben Kinder einen schweren Kopf und eine ungeübte Muskulatur. Ertrinken passiert schnell und leise. Schon drei Minuten genügen, um das Badevergnügen tödlich enden zu lassen“, so Dr. Walter Aichinger, Präsident des oberösterreichischen Roten Kreuzes.

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Kinder immer im Auge behalten

„Es liegt in der Natur der Kinder, dass sie viel herumlaufen. Eltern müssen aber ihrer Aufsichtspflicht nachkommen und die Kleinen immer im Auge behalten“, rät Alexandra Kühnelt-Leddihn daher. Darüber hinaus sollte man im Privatbereich alle frei zugänglichen Wasserflächen wie Swimmingpools, Planschbecken oder Teiche zum Beispiel mit einem Zaun so absichern, dass die Kleinen nicht darüber klettern können. Bei einer Regentonne gilt: Nicht ohne Deckel im Garten aufstellen. Entscheidend ist zudem, den Kindern so früh wie möglich das Schwimmen beizubringen, sich aber nicht darauf zu verlassen, dass sie es im Notfall auch können. Auch ist das Tragen von Schwimmhilfen, wie beispielsweise Oberarm-Schwimmflügel, unbedingt zu empfehlen. Diese „Auftriebshilfen für das Schwimmenlernen“ sollten jedenfalls der EU-Norm (ÖNORM EN 13138) entsprechen und zum Beispiel zwei getrennt voneinander aufblasbare Luftkammern sowie Sicherheitsventile besitzen.

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Überschätzung und Überhitzung

Bei Erwachsenen hingegen ist es oft Selbstüberschätzung, die zu Unfällen führt. Auch kann eine Überanstrengung – vor allem bei älteren Menschen – gefährlich enden, wenn sie Kreislaufprobleme verursacht. Nach langer Überhitzung sollte man daher keinesfalls ins kalte Nass springen. Die Folgen können ein Kälteschock oder Bewusstlosigkeit sein. Generell gilt: „Man sollte nur ins Wasser, wenn man sich gesund fühlt“, sagt Kühnelt-Leddihn. Vor dem Gang ins kühle Nass ist eine langsame Abkühlung empfehlenswert. Wer friert, sollte das Wasser unbedingt verlassen. Die Kälte kann Krämpfe begünstigen. Kopfsprünge in ungewohntes Gewässer sind natürlich ebenfalls zu vermeiden.

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Verhalten im Notfall

Was aber tun, wenn es doch zum Badeunfall kommt? Im Notfall zählt jede Minute. Hier ein paar Tipps zum richtigen Verhalten:

  • Bewahren Sie Ruhe.
  • Kontrollieren Sie die Lebensfunktionen (Bewusstsein, Atmung, Kreislauf) und führen Sie die entsprechenden Erste-Hilfe-Maßnahmen durch.
  • Verständigen Sie den Notarzt unter 144 oder 112.
  • Versuchen Sie nicht, Wasser aus den Lungen oder dem Magen eines Kindes zu entfernen.
  • Wasser übt eine große Anziehungskraft auf Kinder aus. Lassen Sie die Kleinen nie aus den Augen, auch nicht für wenige Sekunden. Schwimmflügel und Badereifen ersetzen nicht die Aufsichtspflicht!
  • Frischen Sie Ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse regelmäßig auf.


MMag. Birgit Koxeder-Hessenberger
Juli 2013


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015