DRUCKEN
Frau mit rot lackierten Fingernägel hält eine Tasse in der Hand

Wenn die Hände zittern – was dahinterstecken kann

Viele Menschen stehen Ängste aus, weil ihre Hände zittern. Vor allem die Angst, an Parkinson erkrankt zu sein, ist weit verbreitet. In vielen Fällen stellen sich die Parkinson-Ängste jedoch als falsch heraus, weil das Zittern viele verschiedene Ursachen haben kann. 

Wenn die Hände oder die Finger zittern, kann das unterschiedliche Ursachen haben. Viele davon sind harmlos, manche sind krankhafter Natur. Ein gewisses Zittern ist sogar natürlich. 

Händezittern, das nicht krankhaft ist 

Jeder Mensch zittert ein klein wenig unter Muskelanspannung, man nennt diesen Zustand einen physiologischen Tremor (Zittern). Er hat keinerlei Krankheitswert, er ist völlig normal. Man bemerkt ihn kaum, außer man konzentriert sich darauf, ihn zu entdecken. Man kann das tun, indem man ein Blatt Papier auf eine gespreizte Hand legt. Das Blatt Papier wird zumindest leicht zittern, selbst wenn man ruhig und entspannt ist. 

Verstärktes nicht krankhaftes Zittern 

Dieses normale, nicht krankhafte Zittern kann sehr gering sein, es kann jedoch auch deutlich sichtbar ausfallen, dann nämlich, wenn es durch bestimmte Ursachen verstärkt wird. Man nennt dieses vermehrte Zittern verstärkter physiologischer Tremor. Mögliche Verstärker des natürlichen Zitterns sind:

  • Koffein, Zigaretten
  • Emotionen wie Angst, Nervosität, Aufregung, Stress
  • Medikamente: Trizyklische Antidepressiva, Neuroleptika, Lithium, Valproinsäure, Antiarrhythmika, manche Asthmamedikamente, einige Zytostatika (Krebsmittel) und Immunsuppressiva
  • Muskelverspannungen im oberen Körperbereich
  • Vergiftungen
  • Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch oder deren Entzug
  • Mangel an Vitamin B12 oder Kalzium
  • Unterzuckerung

Ursachen abklären lassen 

Um die Ursache des Zitterns zu finden, sind die eigene Beobachtung und dann die ärztliche Abklärung nötig. „Erste Anlaufstation ist oft der Hausarzt. Kann dieser den Verdacht einer neurologischen Erkrankung nicht ausschließen, wird er den Patienten an einen Facharzt überweisen, um den neurologischen Status zu ermitteln. Es kommen sowohl Neurologen in Spitälern, als auch niedergelassene Fachärzte in Betracht“, sagt Dr. Selina Haas, Fachärztin für Neurologie am Neuromed Campus der Kepler Universitätsklinik Linz. 

Diagnose 

Im Gespräch erfragt der Neurologe die Umstände, in welchen Situationen das Zittern auftritt:

  • Wie schnell und wie stark ist es
  • Wie lange besteht der Tremor schon
  • Welche Körperpartien sind betroffen
  • Sind in der Familie bestimmte Erkrankungen, die Ursache für das Zittern sein könnten, bekannt
  • Werden Medikamente genommen und wenn ja welche
  • Welche Vorerkrankungen liegen vor

Der Neurologe wird auch eine körperliche Untersuchung vornehmen, sich also den Patienten und seinen Tremor ansehen und überprüfen, wie sich der Patient bewegt.

Ist die Ursache nicht offenkundig und rasch zu ermitteln, werden im Zuge einer weiterführenden Diagnostik vor allem die Funktionen von Muskeln, Nerven und Gehirn getestet. Um die Ursache des Tremors zu finden, werden mit einer Differentialdiagnostik (Ausschlussverfahren) alle möglichen, aber letztendlich unzutreffenden Ursachen ausgeschlossen.

Folgende Maßnahmen sind möglich und oft auch nötig:

  • Labor: Je nach Verdacht werden in Labor-Untersuchungen bestimmte Paramater gezielt gesucht.
  • Bildgebung: Magnetresonanztherapie oder Computertomographie können Aufschluss über eine vorliegende Erkrankung geben. So lässt sich zum Beispiel eine Störung des Kleinhirns oder im Bereich der Stammganglien erkennen oder ausschließen.
  • Frequenzbestimmung: In einem Bewegungsstörungslabor kann eine Frequenzbestimmung gemacht werden. Die Frequenz, also die Zittergeschwindigkeit, gibt dem Arzt Hinweise auf mögliche Ursachen.  

Formen des Zitterns 

Ärzte unterscheiden verschiedene Arten des Zitterns, je nachdem, in welcher Situation der Tremor auftritt. Die Zuordnung hilft bei der Abklärung medizinischer Ursachen. Die häufigsten Tremorarten sind:

  • Ruhetremor: hiervon spricht man, wenn die Hand dann zittert, wenn sie ruhig liegt, sie also nicht bewegt wird.
  • Aktionstremor: Tritt das Zittern auf, wenn die Hand bewegt wird, spricht man vom Bewegungs- oder Aktionstremor. Dieser wird weiter unterteilt in:
    • Intentionstremor: Hier beginnt das Zittern, sobald man die Bewegung absichtlich auf ein bestimmtes Ziel lenkt (wenn man etwa mit der Fingerspitze die Nasenspitze berühren will). Je näher man dem Ziel kommt, desto stärker wird hier das Zittern.
    • Haltetremor: Tritt das Zittern auf, wenn man einen Gegenstand wie z.B. ein Glas Wasser halten will, nennt man das einen Haltetremor.
    • Isometrischer Tremor: Tritt bei Muskelkontraktionen ohne Bewegung auf, zum Beispiel beim Ballen einer Faust.  

Krankheiten als Ursachen 

Auch wenn es viele natürliche Gründe für Zittern gibt, so können auch verschiedene Erkrankungen ursächlich dafür sein. Die zwei häufigsten krankhaften Ursachen sind der essentielle Tremor und die Parkinson-Krankheit. In seltenen Fällen können auch folgende Ursachen vorliegen:

  • Schilddrüsenüberfunktion: Ein Indiz ist feines und schnelles Zittern, das auf die ausgestreckten Finger und Hände beschränkt ist
  • Multiple Sklerose
  • Diabetes Mellitus
  • Epilepsie
  • Schlaganfall
  • Vergiftungen
  • Erkrankungen der Leber oder der Niere (vor allem Nierenschwäche)
  • Sehr seltene Stoffwechselerkrankungen wie die Wilsonsche Krankheit: übermäßige Kupferablagerungen im Gehirn und in der Leber. Typisch ist ein grobes (ausladendes) Zittern und weitere Krankheitsfälle in der Verwandtschaft (Krankheit wird vererbt).
  • Psychogenes Zittern: Zittern kann auch krankheitswertige psychische Ursachen haben, wie zum Beispiel Angststörungen. Haas: „Eine psychologische oder psychotherapeutische Behandlung kann Abhilfe schaffen.“  

Essentieller Tremor 

Tritt ein Intentionstremor isoliert auf, ist er also kein Symptom einer Krankheit, sprechen Ärzte von einem essentiellen Tremor. Dieser ist weit verbreitet, tritt vor allem bei älteren Menschen auf und dürfte genetisch verursacht sein. Man erkennt ihn etwa, wenn beim Suppe essen der Löffel zittert oder wackelt oder man eine Kaffeetasse nicht ruhig zum Mund führen kann. Die Ausprägung kann von leicht bis massiv sein.

Leichtes Zittern stört oft gar nicht oder nur mäßig. Bei leichter oder mäßiger Ausprägung sind Medikamente in der Regel gut wirksam. „Liegt ein sehr starker essentieller Tremor vor, kann dieser mittels Tiefenhirnstimulation behandelt werden, die Behandlungserfolge sind sehr gut“, sagt Haas. 

Parkinson 

Im Rahmen der Parkinson-Krankheit kann in frühen Stadien ein Ruhezittern einer Hand auftreten. Das bedeutet, dass eine Hand in Ruhestellung zittert, während die andere Hand nicht zittert. Aber Achtung: Das heißt noch lange nicht automatisch, dass man an Parkinson erkrankt ist. „Zittern alleine sagt noch gar nichts aus“, so Haas. Typische Symptome von Parkinson sind eine Verlangsamung der Bewegungen, Muskelsteifigkeit, eingeschränkte Mimik, monotone Sprechweise, abnehmende Geschicklichkeit.

 

Dr. Thomas Hartl

Mai 2017


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 26. Mai 2017