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Bub im Schnee

Haut im Winter: Frostschutz

Die Haut ist das Schutzorgan des menschlichen Körpers. So sorgt sie dafür, dass wir nicht austrocknen und keine Schädlinge eindringen können. Doch auch die Haut selbst braucht Schutz – etwa im Winter, wenn ihr nicht nur Kälte, sondern auch Sonne und vor allem trockene Luft zu schaffen machen.

 

Die Haut – das flächenmäßig größte menschliche Organ – spielt eine große Rolle bei der Regulation des Wärmehaushalts. Steigt die Kerntemperatur des Körpers – etwa durch eine hohe Außentemperatur, körperliche Anstrengung oder Fieber – arbeiten die Schweißdrüsen auf Hochtouren, damit der Körper nicht überhitzt wird. Sobald der Schweiß auf der warmen Haut verdampft, entsteht Verdunstungskälte. Dieser Prozess führt im Winter dazu, dass Kälte noch frostiger wird. Aber dazu später mehr. Ist es kalt, wird das Unterhautfettgewebe weniger durchblutet, wirkt so als Isolator und schützt den Körper davor, dass er auskühlt. Auch wenn sich die Härchen bei Kälte zu einer „Gänsehaut“ aufstellen – einen Luftpolster wie bei Tieren bilden sie nicht.

 

Wie können sich aber nun Minusgrade auf die Haut auswirken? „Angst vor Erfrierungen braucht man im Alltag in unseren Breitengraden nicht zu haben. Erfrierungen entstehen, wenn man sich längere Zeit sehr tiefen Temperaturen aussetzt. Das ist, außer bei Extremsportlern, vor allem Bergsteigern, bei uns nicht realistisch“, erklärt Primar Dr. Georg Klein, Leiter der Abteilung für Dermatologie am Krankenhaus der Elisabethinen in Linz.

 

„Beachten sollte man, dass auch schon Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt bei hoher Luftfeuchtigkeit problematisch sind für die Haut“, so der Experte. Denn: „Bei minus 20 Grad spürt jeder, dass es kalt ist, und schützt sich entsprechend. Bei leichten Plusgraden hingegen dauert es länger, bis man merkt, dass es eigentlich doch auch kalt ist.“

 

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Schmerzhafte Knochen

Frau cremt sich das Bein ein Eine Folge können Frostbeulen und die sogenannte Kälte-Pannikulitis sein. Dabei handelt es sich um Schwellungen des Unterhautgewebes, die meist auf Wangen oder Fußsohlen auftreten. „Häufig sind Kinder betroffen, die sich längere Zeit im Freien bei Temperaturen um den Gefrierpunkt aufhalten“, sagt Dr. Klein. „Die Kids schwitzen, die Feuchtigkeit auf der Haut verdampft, die Verdunstungskälte macht es zum Beispiel in Schuhen noch kälter. Und daraus kann sich dann nach einigen Tagen auch eine Pannikulitis mit schmerzhaften Knoten entwickeln. Sie verschwindet allerdings meistens wieder von selbst.“

 

Auch chronische Kälteschäden können eine Folge sein, wenn sich Kinder längere Zeit ohne entsprechenden Schutz im Freien aufhalten. Dr. Klein: „Die Kombination aus Kälte und UV-Strahlung erweitert die Blutgefäße. Dann entwickeln sich langsam rote Wangerln, die auch in späteren Jahren bei jedem Temperaturwechsel rot und blau werden.“ Behandeln lässt sich diese „Verfärbung“ mit Laser. „Allerdings dauert es lange, bis eine Besserung eintritt“, sagt der Primar. Was dem Tier das Fell, ist dem Menschen die Kleidung. „Gegen Kälte wirkt der mechanische Schutz am besten“, betont Dr. Klein. „Warm anziehen, sich vor Wind schützen, Tücher umbinden, Handschuhe überstreifen und eine Haube aufsetzen.“ Zudem sollte die Haut mit einer fettreichen Salbe eingecremt werden. Die Haut von alten Menschen und von Kindern ist dünner und muss deshalb besonders sorgsam behandelt werden. Fett schützt zwar vor Kälte, doch der Spezialist warnt: „Die Mama schmiert ihren Kindern eine dicke Schicht Creme auf die Wangen, in der Meinung, dass sie so geschützt sind, und lässt die Kleinen zu lange im kalten Freien. Dadurch kann es aber zu einem chronischen Kälteschaden kommen.“


Frau beim Sonnenbaden am Berg im Winter Natürlich ist es wichtig, die Haut inklusive der Lippen im Winter vor Kälte zu schützen, um Erfrierungen zu vermeiden. Doch das Risiko eines Sonnenbrandes ist viel größer. Als Faustregel gilt: Die UV-Strahlung steigt pro 100 Höhenmeter um zehn Prozent. Das heißt: „Je höher man sich über dem Meeresspiegel befindet, desto höher sollte, abhängig vom Hauttyp, der Lichtschutzfaktor sein“, sagt der Dermatologe. Als Pflege empfiehlt er ein fettreiches Sonnenschutzmittel und einen entsprechenden Lippenstift, von der Verwendung von Gels rät er ab. Zudem sollte man eine höhentaugliche Sonnenbrille tragen, die auch vor seitlicher Sonneneinstrahlung schützt.

 

Neben Kälte und Sonne setzt aber auch trockene, warme Luft der Haut zu. In geheizten Räumen oder klimatisierten Autos ist die Luftfeuchtigkeit gering. Die Haut kann austrocknen, beginnt zu jucken und neigt zu Ekzemen. Deshalb ist es wichtig, vor allem die Streckseiten der Arme und Beine regelmäßig mit einer fetthaltigen Salbe einzuschmieren. „Ekzeme sind häufiger als Kälteschäden“, warnt Dr. Klein. „Wenn münzgroße, leicht gerötete, juckende Flecken auf der Haut entstehen, die durch Pflegecremes nicht gebessert werden, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Durch eine kurzfristige Anwendung von Cortison kann der Heilungsprozess abgekürzt werden.“

 

Generell können bereits vorhandene Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte aufgrund der trockenen Luft mehr Probleme bereiten. „Die Behandlung sollte daher im Winter intensiviert werden“, betont der Primar.

 

Cornelia Schobesberger
Februar 2015

 

Foto: mauritius, privat

 

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Kommentar

Kommentarbild von Univ.-Doz. Dr. Georg Klein zum IFG-Printartikel "Haut im Winter: Frostschutz", Ausgabe 5/2014 „In unseren Breitengraden ist die Gefahr eines Sonnenbrandes größer als die von Erfrierungen der Haut. Deshalb sollte etwa beim Skifahren auf keinen Fall auf das Einschmieren mit einer fetthaltigen Sonnenschutzcreme vergessen werden.“
Univ.-Doz. Dr. Georg Klein
Leiter der Abteilung für Dermatologie, Krankenhaus der Elisabethinen, Linz

Zuletzt aktualisiert am 25. März 2015