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Schluckauf: Nervig aber harmlos

Erschrockener Mann Lang andauernder Schluckauf ist sehr selten. Egal, ob man Schnackerl, Schluckauf oder Hickser sagt: Die Ursachen für Singultus sind genauso vielfältig wie die Hausmittel dagegen. Dauert er über einen längeren Zeitraum an, kann Schluckauf auf ernste Erkrankungen hinweisen.

 

Mediziner sprechen von Singultus, wenn sie Schluckauf meinen. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt so viel wie „Schluchzen“ oder „Röcheln“. Was im Körper vor sich geht, wenn man von  Schnackerlstoßen“ geplagt wird, erklärt Primar Dr. Klaus Wilthoner, Leiter der Abteilung für Innere Medizin am Salzkammergut-Klinikum Vöcklabruck: „Zwei Organe spielen dabei eine Rolle: das Zwerchfell, das die Trennwand zwischen Brust- und Bauchraum ist, und der Kehldeckel, der beim Essen die Luftröhre verschließt. Wird das Zwerchfell gereizt, zieht es sich unwillkürlich zusammen. Das wiederum führt dazu, dass man abrupt Luft holen muss. Doch während des Einatmens klappt automatisch der Kehldeckel zu. Dieses Geräusch ist der für Schluckauf charakteristische Hickser.“

 

Dass jemand an einen denkt und damit Schnackerl auslöst, ist zwar eine schöne Vorstellung, aber leider ein Mythos. Zu den Ursachen für Singultus zählen die Überdehnung des Magens durch üppiges und hastiges Essen, kohlensäurehaltige Getränke, exzessiver Alkoholkonsum, extrem scharfe Speisen, der rasche Wechsel der Umgebungstemperatur von warm auf kalt und umgekehrt sowie das Verschlucken von Luft. „Letzteres passiert oft beim Kauen von Kaugummi sowie beim Rauchen“, sagt der Primar. Das alles können Auslöser für einen kurz dauernden Schluckauf sein. „In über 90 Prozent der Fälle ist der Schluckauf nach ein paar Minuten wieder weg. Grundsätzlich gilt: Bis zu einer Dauer von 48 Stunden ist er ungefährlich und unproblematisch.“

 

Ernste Erkrankungen können allerdings der Grund für länger andauernden Singultus sein. „Die Hauptursachen dafür sind unter anderem Gastritis, eine Bauchspeicheldrüsenentzündung sowie Erkrankungen des Zentralnervensystems oder eine Lungenentzündung. Auch kann Schluckauf ein Anzeichen für einen Hirntumor oder ein Begleitsymptom von Herzerkrankungen sein“, erklärt der Spezialist. „Das Zwerchfell wird über Nerven gesteuert, die aus dem Gehirn kommen. Der Nervus vagus zum Beispiel geht direkt aus der Schädelbasis in das Zwerchfell. Auf dem Weg dorthin kommt er auch beim Herz vorbei. Ist dieses krank und reizt den Nervus vagus, kann es zu Kontraktionen im Zwerchfell kommen.“ Das heißt: Dauert der Schluckauf länger als zwei Tage an, kann das nicht nur extrem lästig und schmerzhaft, sondern auch gefährlich sein. „Betroffene sollten daher unbedingt einen Arzt aufsuchen“, rät Dr. Wilthoner. „Im Rahmen der Untersuchung wird unter anderem auch geschaut, ob sich ein Fremdkörper im Rachen befindet. Zudem wird eine neurologische Untersuchung durchgeführt.“

  

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Zeichen für Krankheit

Lang andauerndes Schnackerl ist sehr selten. Der längste Singultus dauerte angeblich fast 70 Jahre – ohne Unterbrechung versteht sich. Was aber hilft nun gegen den viel häufiger vorkommenden Kurzzeit-Schluckauf? Die Palette der Hausmittel reicht von 30-Sekunden-Luftanhalten über absichtliches Erschrecken bis zu gleichzeitigem Ateman- und Nasezuhalten. Dr. Wilthoner: „Das kann alles durchaus helfen. Wichtig ist, das Zwerchfell zu entspannen. Dazu kann man zum Beispiel auch den Bauch so gegen einen Stuhl drücken, dass das Zwerchfell nach oben rutscht. Und wenn alle Hausmittel nichts helfen und man es nicht mehr aushält, gibt es auch Magen-Darm-Medikamente oder Säureblocker.“

 

Übrigens: Sogar Babys im Mutterleib können schon Schnackerl haben. „Warum das so ist, ist nicht wirklich erforscht. Eine Theorie ist, dass das Ungeborene die Atembewegung übt und dabei Fruchtwasser verschluckt, was zum Schluckauf führt. Eine andere Meinung besagt, dass sich der Kehldeckel verschließt, damit keine Flüssigkeit in die Luftröhre kommen kann“, erklärt der Internist. „Klar ist auf jeden Fall, dass Schluckauf auch für Ungeborene harmlos ist.“

  

Cornelia Schobesberger

Jänner 2015

 

Foto: shutterstock, privat

  

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Kommentar

Kommentarbild von Dr. Klaus Wilthoner zum Printartikel „Schnackerl ist in den meisten Fällen völlig ungefährlich. Es kommt und verschwindet meist von selbst. Eine medikamentöse Therapie ist sehr selten notwendig. Dauert der Schluckauf länger an, sollte ein Arzt aufgesucht werden.“
Dr. Klaus Wilthoner
Leiter der Abteilung für Innere Medizin am Salzkammergut-Klinikum Vöcklabruck

Zuletzt aktualisiert am 12. März 2015