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Hypospadie: Fehlbildung frühzeitig operieren

Hypospadie: Fehlbildung frühzeitig operieren Die Hypospadie zählt zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen des männlichen Geschlechts, bei der die Harnröhrenöffnung nicht an der Spitze der Eichel, sondern an der Unterseite des Penis liegt. Die Folgen sind Probleme in funktioneller und ästhetischer Hinsicht, wie Dr. Marcus Riccabona vom Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz erklärt.

Bei der als Hypospadie bezeichneten Erkrankung handelt es sich um eine angeborene Fehlmündung der Harnröhre. Die Öffnung der Harnröhre liegt an der Unterseite des Penis, normalerweise befindet sie sich an der Spitze der Eichel. Bei ausgeprägten Formen kann gleichzeitig der Penis nach unten gekrümmt sein. „Die Hypospadie ist relativ häufig und tritt bei circa einem von 125 bis 300 männlichen Neugeborenen auf. In den letzten ein bis zwei Dekaden hat sich die Zahl der Betroffenen verdoppelt“, weiß Universitätsdozent Dr. Marcus Riccabona, ärztlicher Leiter der kinderurologischen Abteilung am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz. Die Hypospadie zählt damit zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen des männlichen Genitales.

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Risikofaktoren: von genetischen Ursachen bis zu Umwelteinflüssen

Warum in den vergangenen Jahren immer mehr neugeborene Jungen eine Hypospadie aufweisen, ist auf verschiedene Risikofaktoren zurückzuführen. „Zum einen ist das das zunehmend höhere Alter der Mütter bei Erstgeburten. Frauen über 35 Jahren haben ein erhöhtes Schwangerschaftsrisiko. Zum anderen spielen auch Umweltgifte wie etwa Pestizide in Nahrungsmitteln oder Östrogene im Fleisch eine Rolle“, so der Mediziner. Aber auch genetische Faktoren kommen als Ursache in Frage, denn die Erkrankung tritt familiär gehäuft auf.

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Folgen der Fehlbildungen

Neben der ästhetischen Beeinträchtigung kann die Hypospadie – abhängig vom Schweregrad – folgende Probleme verursachen: Weil die Harnröhre an der Unterseite endet, wird der Harnstrahl in eine andere Richtung, z. B. nach unten oder hinten, abgelenkt. Eine Hypospadie mit starker Peniskrümmung kann einen Geschlechtsverkehr erschweren bzw. unmöglich machen. Darüber hinaus kann die Fehlbildung zu psychischen Problemen führen.

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Therapie: operative Wiederherstellung

Die Hypospadie wird operativ behandelt. „Ziel der Therapie ist, einen funktionell und ästhetisch normal aussehenden Penis zu erreichen“, so der Leiter der kinderurologischen Abteilung. Der Eingriff soll nicht nur ein problemloses Harnlassen, sondern auch eine uneingeschränkte sexuelle Funktion mit geradem Glied und ungehindertem Samenerguss ermöglichen. Die Operation findet in Vollnarkose statt und dauert zwischen einer und vier Stunden.

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Bester Operationszeitpunkt: um das erste Lebensjahr

„Der beste Zeitpunkt für die Operation ist um das erste Lebensjahr herum. Ideal wäre zwischen dem neunten und 15. Lebensmonat. Dieses junge Operationsalter hat zwei Vorteile: Erstens ist das Management in diesem Alter leichter als bei zwei- bis vierjährigen Patienten, die viel lebhafter sind. Und zweitens ist die Wahrscheinlichkeit bei einem frühen Eingriff gering, dass sich das Kind später an die Operation erinnert“, erklärt der Facharzt für Urologie.

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Risiken der Operation

Zu den Operationsrisiken zählen Schwellungen, Blutungen oder Entzündungen. Die häufigste Komplikation stellen jedoch Fisteln dar. Dr. Marcus Riccabona: „Dabei heilt die Harnröhre nicht wasserdicht ab und es bildet sich eine neue Verbindung zwischen der Harnröhre und der Außenseite des Penis, aus der sich beim Harnlassen Harn entleert. Das Risiko einer Fistelbildung liegt bei fünf bis zehn Prozent.“ Beim Auftreten von Fisteln ist häufig eine weitere Operation notwendig.

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Unterschied zur Epispadie

Während bei der Hypospadie die Harnröhre an der Unterseite des Penis mündet, tritt bei der Epispadie der umgekehrte Fall ein. Hier endet die Harnröhre an der Oberseite des Penis. Die Erkrankung tritt oft zusammen mit einer Penisverkrümmung auf. Eine Epispadie kann auch bei Mädchen vorkommen, wobei die Klitoris gespalten ist. Die Epispadie tritt nur bei einem von 300.000 Neugeborenen auf und ist damit sehr selten.

MMag. Birgit Koxeder
Juni 2011


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015