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Rachenmandeln bei Kindern

Rachenmandeln bei Kindern Ihr Kind ist immer wieder erkältet, leidet unter ständigem Schnupfen, nächtlichen Atemaussetzern oder einer immer wiederkehrenden Mittelohrentzündung? Nicht selten ist eine Vergrößerung der Rachenmandeln für die Beschwerden verantwortlich. Dr. Anton Buchacher, Facharzt für Hals-, Nasen und Ohrenkrankheiten vom Landes-Krankenhaus Bad Ischl erklärt, wann eine operative Entfernung der „Polypen“ notwendig ist und wie der Eingriff bei Kindern erfolgt.

Die Rachenmandeln – in der Medizin als Adenoide bezeichnet – befinden sich am Übergang von der Nasenhöhle zum Rachen. Gemeinsam mit den Gaumenmandeln bilden sie den lymphatischen Rachenring. Die Rachenmandeln werden umgangssprachlich auch als Polypen bezeichnet und sind Teil des Immunsystems. Sie helfen, das körpereigene Abwehrsystem im Kindesalter aufzubauen.

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Bei Kindern häufig

Gerade bei Kindern treten Schwellungen des lymphatischen Rachenringes besonders häufig auf. Warum die Rachenmandeln vergrößert sein können, erklärt Buchacher: „Zur Vergrößerung, sprich Hyperplasie, kommt es entweder durch eine gesteigerte Immunantwort nach gehäuften Infekten der oberen Luftwege oder aus ‚Veranlagung’, also aufgrund einer erblichen Komponente.“ Im Erwachsenenalter bilden sich die Rachenmandeln in der Regel wieder zurück.

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Vom kindlichen Schnarchen bis zur Schwerhörigkei

Sind die Rachenmandeln vergrößert oder geschwollen, äußert sich dies durch verschiedene Symptome: Häufig atmen die Kinder nicht durch die Nase, sondern den Mund und neigen zu ständigem Schnupfen oder schnarchen häufig. „Ist die Nasenatmung behindert, kann es auch zu nächtlichen Atmungsaussetzern kommen. Das Kind schläft deswegen schlecht, wird immer wieder wach, ist tagsüber müde und häufig auch anfälliger für Infekte der oberen Luftwege“, so Buchacher.

Darüber hinaus kann eine Schwellung der Rachenmandeln eine Mittelohrentzündung begünstigen: Die kleinen Patienten hören schlecht, haben Ohrenschmerzen oder Fieber. Der Rachenraum und das Mittelohr sind durch die Eustachische Röhre – auch Ohrtrompete genannt – verbunden. Sie dient zur Belüftung des Mittelohrs über den Rachenraum. Gleichzeitig können Schleim und Flüssigkeit durch die Röhre abfließen. Wenn sie geschwollen sind, ist der Eingang verlegt und hinter dem Trommelfell kann sich Flüssigkeit ansammeln. Die Folge sind Hörstörungen oder immer wiederkehrende Entzündungen des Mittelohrs. Nicht selten benötigen betroffene Kinder bis zu dreimal jährlich oder öfter Antibiotika.

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Wann ist eine Operation notwendig?

Ob eine Operation der Rachenmandeln (Adenotomie) notwendig ist, hängt vom Ausmaß der Beschwerden ab. Grundsätzlich ist eine Entfernung bei folgenden Symptomen angebracht:

  • Behinderte Nasenatmung und ständige Mundatmung sowie Dauerschnupfen
  • Hörminderung durch chronische Mittelohrentzündung und dadurch mögliche Sprachentwicklungsstörung
  • Vermehrte Infekte und Entzündungen (zum Beispiel Kieferhöhlen- oder akute Mittelohrentzündung)

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Operatives Ausschälen der Rachenmandeln

Der Eingriff erfolgt in der Regel in Vollnarkose. Ab dem Abend vor der Entfernung der Rachenmandel sollte der kleine Patient nichts mehr essen und trinken. „Bei der Operation liegt das Kind mit überstrecktem Kopf. Es erfolgt vom Mund aus ein Ausschälen der Rachenmandel aus dem Nasenrachen mit einem so genannten Ringmesser“, so der Mediziner. Dabei handelt es sich um ein spezielles Instrument, das über den Mund eingeführt wird. Dieser wird dabei mit einer Spatel offen gehalten. Eine Naht ist nicht notwendig; blutende Gefäße kann der Arzt mit einer elektrischen Pinzette veröden.
In einigen Fällen ist zusätzlich ein kleiner Schnitt in das Trommelfell (Parazentese) notwendig, um die angesammelte Flüssigkeit abzusaugen. Lässt sich nicht die gesamte Flüssigkeit entfernen, muss der Arzt gelegentlich ein kleines Röhrchen (Paukenröhrchen; Paukendrainage) in das Trommelfell einsetzen. Dieses sichert die ausreichende Belüftung des Mittelohrs. Nach einigen Monaten löst sich das Paukenröhrchen meist von selbst. Die operative Entfernung der Rachenmandeln dauert in der Regel nur zehn bis 20 Minuten. Treten keine Komplikationen auf, dürfen die Kinder am nächsten Morgen nach Hause. „Eine Woche nach dem Eingriff erfolgt die abschließende Nachkontrolle beim HNO-Facharzt, in der Regel beim Operateur“, fügt Buchacher hinzu.

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Operationsrisiken und Nachversorgung

Die Operationsrisiken sind gering: „Die Wunde heilt in aller Regel ohne Schmerzen problemlos ab. Nur ganz selten kommt es zu Nachblutungen“, erklärt der Facharzt. In einigen Fällen können sich durch den Mundsperrer, der bei der Operation verwendet wird, die Milchzähne lockern. Einige Kinder klagen nach dem Eingriff über Schluckbeschwerden und leichte Missempfindungen.

Nach der Operation sollten Kinder nur flüssige oder breiige und kühle Nahrung konsumieren und keine Nahrung mit scharfen Kanten wie Chips oder krustiges Brot essen. Zudem ist es ratsam, dass sie sich einige Tage lang schonen und körperliche Belastungen vermeiden. Verzichten sollten Kinder zusätzlich auf heiße Bäder und lediglich lauwarm duschen. Hat das Kind Nachblutungen aus der Nase oder dem Mund, Fieber oder starke Schmerzen, ist unbedingt ein Arzt aufzusuchen.

MMag. Birgit Koxeder
Mai 2010


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015