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Brustkrebs auch beim Mann

Brustkrebs: auch beim Mann 0,5 Prozent aller bösartigen Tumore beim Mann betreffen seine Brust. Er kommt äußerst selten vor, wird meist sogar verschleppt und zu spät behandelt, weil niemand daran denkt, dass auch Männer ihn haben können: Brustkrebs. Dabei könnte der Tumor viel früher erkannt werden, da eine Veränderung oder Verhärtung des Gewebes viel auffälliger ist als bei der Frau.

Prostatakrebs, Lungenkrebs, Dickdarmkrebs. Alles hat der 64-jährige Pensionist aus Niederösterreich für möglich gehalten, nur mit einer Diagnose hat er nicht gerechnet: Brustkrebs – die Frauen-Krebs-Erkrankung Nummer 1. Jede zehnte Frau in Österreich muss damit rechnen, an einem Mammakarzinom zu erkranken. Aber ein Mann? Ja, auch Männer bleiben nicht verschont, wenn auch vergleichsweise seltener: 1997 sind 48 Männer neu erkrankt. Im Vergleich dazu wurde bei 4605 Frauen eine Neuerkrankung diagnostiziert. Ein Verhältnis also von ungefähr 1:100. Und doch: Die Zahlen schwanken seit 1983 in Österreich zwischen 24 und fast 50 Neuerkrankungen pro Jahr. Eine Tendenz nach oben wollen Mediziner nicht ausmachen, dazu seien die Zahlen zu klein.

Den 64-jährigen Pensionisten trifft diese Diagnose wie ein Schlag ins Gesicht. Er selbst hat den Tumor ertastet. Zufällig hat er ihn entdeckt, als er aus der Dusche gestiegen und sich im Spiegel betrachtet hat. Seine linke Brustwarze war in die Brust gezogen, er spürte eine Verhärtung, einen Knoten, der leicht zu verschieben war. „Die Diagnose erfolgt wie bei den Frauen mittels Mammographie und/oder Sonographie. Der nächste Schritt ist dann eine Stanzbiopsie, das heißt in die Brust, die vorher lokal betäubt wird, wird eine Nadel direkt in den Tumor geschossen“, sagt Prof. Dr. Christoph Zielinski, Krebsspezialist am AKh Wien. Diese nahezu schmerzfreie Prozedur hat auch der Pensionist aus Niederösterreich über sich ergehen lassen, das Ergebnis bestätigte die Vermutung der Ärzte. Für den 64-jährigen bedeutete das: Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie. Mit der Operation wird versucht, die Tumormasse zu verkleinern. Die anschließende Bestrahlung soll verhindern, dass sich Krebszellen, die operativ nicht erreicht wurden, nicht weiter teilen und ausbreiten. Chemotherapie soll Metastasen über den Blutweg vernichten. Zielinski: „In der Diagnose und Behandlung gibt es eigentlich keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Selbstverständlich ist es individuell abzuklären, welche Therapie für welchen Patienten nötig ist.“

Der Patient hatte Glück. Bei den Nachsorgeuntersuchungen wurden keine Metastasen festgestellt und es gab auch durch so genannte Östrogen- und Progesteron-Rezeptorentests keinen Hinweis, dass der Krebs wieder auftritt.



BrustkrebsMann: Graphik






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Ursachen weitgehend unbekannt

Über die Ursachen von Brustkrebs – egal ob bei Frauen oder Männern – wissen Krebsspezialisten bis heute wenig. Vermutet werden aber Einflüsse aus Umwelt und Ernährung. So konnten weltweite Studien den Zusammenhang zwischen genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren belegen. Auch stehen Östrogene im Verdacht, Ursache für Brustkrebs zu sein, vor allem bei jüngeren Patienten. Die bedeutendsten Risikofaktoren stellen aber sicherlich das Alter und eine positive Familienanamnese dar. Krebsspezialist Zielinski: „Vorsorge gibt es de facto keine, außer dem Rat, sich gesund zu ernähren, wenig Alkohol zu trinken und nicht zu rauchen. Männer wie Frauen sollten ihre Brust außerdem regelmäßig selbst untersuchen und abtasten und beim leisesten Verdacht eines Knotens einen Arzt aufsuchen.“

Mag. Lisa Ahammer

November 2012

Foto: © Ralph-Thomas Kühnle / pixelio.de, illumed, privat

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Kommentar

Kommentarbild: Brustkrebs auch beim Mann „Brustkrebs beim Mann wird wie bei Frauen meist als tastbare Verhärtung im Bereich der Brustdrüse erkannt. Diagnose und Therapie erfolgen wie bei Frauen. Da es keine Vorsorge gibt, sollen sich auch Männer regelmäßig selbst abtasten.“
Univ.-Prof. Dr. Christoph Zielinski
Klinische Abteilung für Onkologie, AKh Wien

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015