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Meningeom: Tumor mit guten Heilungschancen

Meningeom: Tumor mit guten Heilungschancen Meningeome sind gutartige Tumore im Kopf. Weil sie oft keine Symptome verursachen, werden 40 Prozent der Meningeome erst im Rahmen eines zufälligen Befundes entdeckt.

Von Autopsie-Studien weiß man, dass etwa drei Prozent aller Menschen über 60 Jahre ein Meningeom entwickelt haben. Meistens findet man es im Kopf, es kann aber auch im Bereich des Wirbelkanals auftreten. Da es im Unterschied zu anderen Hirntumoren nicht vom Gehirn, sondern von der weichen Hirnhaut ausgeht, lässt es sich von anderen Hirntumoren gut unterscheiden.

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Gutartig und langsam wachsend

Das Gehirn wird in drei große Bereiche eingeteilt: das Großhirn, das Kleinhirn und den Hirnstamm. Umgeben ist es von den Schädelknochen, zwischen Schädelknochen und Gehirn liegen die Hirnhäute. Die weiche Hirnhaut überzieht das Gehirn, der Schädelknochen ist hingegen von der harten Hirnhaut (Dura mater) umgeben.

Beim Meningeom handelt es sich um den häufigsten Tumor, der innerhalb des Schädels auftreten kann. Symptome entstehen dann, wenn er das Hirn bedrängt, in dem er auf einen Nerv oder auf ein relevantes Hirnareal drückt, das für wichtige Körperfunktionen, wie etwa das Sehen oder die Bewegung, zuständig ist. Kann das Geschwulst ganz entfernt werden, kommt es vielen Fällen auch wieder zur Herstellung der neurologischen Funktionen.

Das Meningeom wächst verdrängend und dringt – anders wie bei manchen bösartigen Hirntumoren – nicht in anderes Gewebe ein. Gutartig heißt auch, das er meistens sehr langsam wächst. „In vielen Fällen lässt sich der Tumor durch eine Operation total entfernen, was für bis zu 90 Prozent dieser Patienten auch die vollkommene Heilung bedeutet“, erklärt Dr. Wolfgang Thomae von der Abteilung für Neurochirurgie an der Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg. Abhängig ist dies vor allem vom histologischen Grad und der Lage des Tumors.

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Risiko Alter und Bestrahlung

Bei älteren Menschen kommt das Meningeom häufiger vor. Es überwiegt außerdem der Anteil der Frauen, das Verhältnis von Frauen zu Männern beträgt etwa 2:1. Vermutet wird, dass hier Hormone eine Rolle spielen. „Die Hormongabe bei Frauen nach dem Wechsel dürfte aber nicht dafür verantwortlich sein“, so Dr. Thomae.

Als Risikofaktor gilt eine Bestrahlungbehandlung, vor allem wenn sie im Kindes- oder jugendlichen Alter durchgeführt wurde. Studien aus Japan zeigen, dass nach den beiden Atombombenabwürfen in Hiroshima und Nagasaki überdurchschnittlich viele der Betroffenen ein Menigeom entwickelt hatten. In einer weiteren Studie (aus Israel) wurden Menschen untersucht, die als Kind aufgrund einer Pilzerkrankung des Kopfes bestrahlt worden waren. Viele von ihnen bekamen später ein Meningeom. „Der Grund dafür ist, dass bei Kindern die Hirnhaut sensibler reagiert als beim erwachsenen Menschen“, sagt Thomae. Bei diesen Fällen handelte es sich außerdem um sehr aggressive, schnell wachsende Tumore. Bei Kindern selbst kommt ein Meningeom äußerst selten vor.

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Ältestes Meningeom

Durch die modernen Diagnosemöglichkeiten wird der Tumor früher und häufiger entdeckt; bei etwa zwei bis fünf Menschen pro 100.000 im Jahr ist dies heute der Fall. Es handelt sich aber keineswegs um eine neu auftretende Zivilisationskrankheit. Der älteste bekannte Fall eines Meningeoms stammt von einem „Homo erectus“. Bei diesem 365.000 Jahre alten Vorläufer des heutigen Menschen wurde eine verknöcherte Version des Tumors gefunden. Der erste dokumentierte Fall stammt aus der Schweiz des Jahres 1614. 1835 hat der erste Patient eine Operation eines Meningeoms überlebt.

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Einteilung der Meningeome

Es gibt drei von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegte Grade von Tumoren. Von Grad I - sehr langsam wachsend (über 80 Prozent der Meningeome fallen darunter) bis zu Grad III, die sehr schnell und aggressiv wachsen. Unter letztere fallen nur etwa fünf Prozent der Meningeome, sie können in Hirngefäße einwachsen, eine Hirnschwellung herbeiführen oder sogar den Schädelknochen durchbrechen.

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Diagnostik

Ein ausführliches Gespräch mit dem behandelnden Arzt, in dem der Betroffene seine Beschwerden schildert, steht am Anfang der Diagnostik. Berichtet er zum Beispiel über in der letzten Zeit zunehmende Kopfschmerzen, Krampfanfälle, Sprachstörungen oder Lähmungen, so kann das vor allem bei älteren Menschen auf ein Meningeom hinweisen.

Auf eine gründliche allgemeinärztliche Untersuchung, erfolgt die Erstdiagnose durch eine Computertomografie, etwa zur Abklärung von länger anhaltenden Kopfschmerzen. Wenn sich hier ein Verdacht auf ein Meningeom ergibt, wird eine Magnetresonanztomografie (MR) durchgeführt. Durch sie werden Strukturen im Gehirn besser sichtbar – man kann auch Gefäße sehen, die in einen Tumor eingewachsen sind.

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Operation: Therapie der ersten Wahl

Die vollständige Entfernung ist meist gleichbedeutend mit der Heilung. Wenn Tumorreste verbleiben, kann er wieder wachsen, das heißt aber nicht, dass er wieder operiert werden muss. „Bei einem sehr langsam wachsenden Meningeom kann man auch zuwarten, vorausgesetzt es treten keine Symptome auf“, sagt Thomae. Wenn es wächst, ist die Methode der Wahl eine Operation. Ist die Lage sehr ungünstig, etwa an der Schädelbasis, und das Gewächs noch klein (unter drei Zentimetern), wird eher eine Bestrahlung gemacht werden. Die Notwendigkeit dieser Therapien ergibt sich aus den akuten Symptomen, wie Lähmungen, Sehstörungen, epileptische Anfällen oder auch durch einen Knochendurchbruch.

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Strahlentherapie

Mit dem sogenannten Linearbeschleuniger (Linac-Verfahren) und der Gamma-Knife-Behandlung stehen zwei grundsätzlich gleichwertige Bestrahlungs-Therapien zur Verfügung. Eine Gamma-Knife Bestrahlung ist derzeit nur im Wiener AKH möglich. Es ist jenen Patienten vorbehalten, deren Geschwulste an sehr ungünstigen Orten liegen und eine komplette Entfernung nicht möglich ist. Mit einer Gamma-Knife-Behandlung können diese Meningeome sehr gut behandelt und auch kontrolliert werden, was auch das vorrangige Ziel ist, wenn keine Symptome auftreten.

Die Therapie ist also multimodial, das heißt, sie besteht aus Operation und Bestrahlung. Eine Chemotherapie wird hier nicht durchgeführt, weil sie bei diesen Tumoren nicht wirkt. Selbst wenn es wieder zu einem Nachwachsens des Meningeoms kommt, heißt das nicht, dass man wieder operieren muss. „Entweder man wartet zu und beobachtet den Tumor, oder man versucht durch eine Bestrahlung das Meningeom in Schach zu halten“, so Thomae.

Dr. Thomas Hartl
März 2013


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015