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Zungenkrebs: Risikofaktoren vermeiden

Zungenkrebs: Risikofaktoren vermeiden Zungenkrebs kann mit einer schlecht heilenden Wunde oder Schmerzen, vor allem beim Essen und Trinken, beginnen. Was die zwei bedeutendsten Risikofaktoren der Erkrankung sind und wie man die bösartige Neubildung erkennt bzw. behandelt, erklärt Dr. Hans Edmund Eckel.

Zungenkrebs zählt zu den bösartigen Tumoren der Mundhöhle (Mundhöhlenkarzinome). In 90 Prozent der Fälle handelt es sich dabei um sogenannte Plattenepithelkarzinome. Zur Erklärung: Beim Epithel handelt es sich um eine Gewebeart, mit der die Zunge überzogen ist. Die restlichen zehn Prozent sind Adenokarzinome, die aus Drüsengewebe entstehen. „Der Großteil der Tumoren befindet sich an den Zungenrändern. Sie können aber auch am Zungenrücken, der Unterseite oder am hinteren Zungenende auftreten“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Hans Edmund Eckel, Vorstand der Abteilung für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Klinikum Klagenfurt am Wörthersee.

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Männer häufiger betroffen als Frauen

Auf die Frage, wie häufig Zungenkrebs vorkommt, antwortet der Mediziner: „Die Inzidenz liegt bei Männern bei fünf bis zehn Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner, bei Frauen bei zwei.“ Warum der Krebs häufiger bei Männern als bei Frauen auftritt, ist nicht geklärt. „Früher ging man davon aus, dass Männer mehr rauchen und Alkohol trinken als Frauen. Inzwischen ist das nicht mehr der Fall. Trotzdem gibt es einen Unterschied, was die Erkrankungshäufigkeit betrifft“, sagt der Mediziner.

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Bei Schmerzen zum Arzt

Doch wie macht sich Zungenkrebs überhaupt bemerkbar? Ein häufiges Symptom ist eine Wunde, die schlecht heilt, ein Geschwür oder ein Fremdkörpergefühl. „Auch Schmerzen an der Zunge, insbesondere beim Essen und Trinken und hier vor allem bei sauren Speisen und Getränken, treten bei bösartigen Neubildungen der Zunge auf“, sagt Eckel. Weitere mögliche Symptome sind eine „knollenartige“ Verdickung der Zunge sowie Einschränkungen der Beweglichkeit und Sprachprobleme. Auch kann es zu Blutungen, einem Brennen auf der Zunge oder einem Taubheitsgefühl im Mund kommen sowie zu Mundgeruch. Mögliche Begleitsymptome sind Gewichtsverlust oder eine Schwellung der Lymphknoten.

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Risikofaktoren: Rauchen und Alkohol

Warum man an Zungenkrebs erkrankt, kann verschiedene Ursachen haben. Zu den häufigsten Risikofaktoren zählen das Rauchen von Zigaretten, Pfeifen oder Zigarren und der übermäßige Konsum von Alkohol. „Chronische Entzündungen an der Zunge, sie können entstehen, wenn die Zunge immer wieder an einer scharfen Zahnkante reibt, können ebenfalls zu einem Zungenkarzinom führen. Auch scheint die Veranlagung eine Rolle zu spielen. Es gibt Menschen, die jahrelang viel trinken und rauchen, aber nicht erkranken. Andere wiederum erkranken bereits sehr jung“, so der Primar.

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Frühzeitige Therapie entscheidend

Liegt der Verdacht auf eine bösartige Veränderung in der Mundhöhle vor, so führt der Facharzt unterschiedliche Untersuchungen durch. Neben der klinischen Untersuchung ist auch eine Biopsie – also eine Gewebeentnahme und anschließende Analyse unter dem Mikroskop auf abnormale Zellen – notwendig. Ist der Befund auffällig, sind weitere Schritte angebracht, um die Größe und Ausbreitung des Tumors festzustellen. Dabei können eine Computer- oder Kernspintomographie sowie Blutuntersuchungen oder eine Panendoskopie, dabei handelt es sich um eine endoskopische Untersuchung der oberen Luft- und Speisewege, zum Einsatz kommen. Je früher die Diagnose gestellt wird, umso besser sind die Heilungschancen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass man bei länger andauernden Schmerzen im Bereich der Zunge oder, wenn sich die Zungenbeweglichkeit verändert und man undeutlicher spricht, innerhalb von zwei Wochen einen Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten aufsucht. „Das gilt auch, wenn die Lymphknoten geschwollen sind oder man selbst – etwa beim Zähneputzen – eine Veränderung auf der Zunge sieht beziehungsweise es aus der Zunge leicht blutet“, sagt Eckel.

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Operation verbessert Heilungsaussichten

Ein bösartiges Karzinom in der Mundhöhle wird – wenn möglich – zunächst operativ entfernt. Sind bereits die Halslymphknoten befallen, werden sie ebenfalls entnommen. Ist der Tumor größer, kann eine Strahlentherapie – die Strahlen töten die bösartigen Zellen bzw. verhindern eine Vermehrung – im Anschluss daran notwendig sein. Auch eine Chemotherapie kann im fortgeschrittenen Stadium eingesetzt werden. „Kann nicht operiert werden oder möchte der Patient das nicht, erfolgt eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie. Die Heilungschancen sind allerdings besser, wenn operiert wird“, sagt Eckel und ergänzt: „Konnte der Tumor vollständig entfernt werden, liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei kleineren Tumoren bei über 80 Prozent, bei sehr großen Tumoren deutlich unter 50 Prozent.“ Leider treten die Tumoren auch nach erfolgreicher Behandlung in einigen Fällen wieder auf. Die Rezidiv-Rate liegt bei kleinen bei etwa 20 Prozent. „Große Tumoren treten leider sehr häufig wieder auf“, so der Facharzt.

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Vorbeugung: Risikofaktoren ausschließen

Da es eindeutige Risikofaktoren für Zungenkrebs gibt, kann man der Erkrankung in gewisser Weise auch vorbeugen. „Dazu gehört, dass man nicht raucht und Alkohol nur in gesunden Maßen trinkt. Wenn man eine Zahnentzündung hat, sollte man zum Zahnarzt gehen und diese behandeln lassen. Auch bei länger andauernden Schmerzen im Bereich der Zunge ist ein Arzt aufzusuchen“, rät der Primar.

MMag. Birgit Koxeder-Hessenberger
November 2013

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015