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Das Phlebödem: Venenerkrankung

Das Phlebödem Geschwollene Beine aufgrund einer Venenerkrankung -  Thrombosen oder Krampfadern - werden in der Medizin unter dem Ausdruck Phlebödem zusammengefasst. Anfangs ist die Schwellung noch rückgängig zu machen, im Spätstadium können Verfärbungen und Geschwüre entstehen.

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Familiäre Belastung

Venenschwächen treten familiär gehäuft auf und zeigen sich verstärkt mit zunehmendem Alter. Frauen sind öfter nach einer Schwangerschaft oder durch Einnahme der Pille betroffen. Übergewicht, mangelnde Bewegung und ein stehender Beruf leisten der Erkrankung noch zusätzlich Vorschub. Kommt es zum teilweisen oder vollständigen Verschluss einer Vene durch ein Blutgerinnsel, spricht man von einer Thrombose. Zusätzliche Risikofaktoren neben den oben erwähnten sind längere Immobilität oder Gerinnungsstörungen. Bei Thrombosen der oberflächlichen Venen wird oft begleitend eine Venenentzündung festgestellt — die Vene ist gerötet, verhärtet und schmerzt bei Druck. Tiefe Beinvenenthrombosen können sowohl starke Schmerzen und eine Schwellung des betroffenen Beines verursachen als auch nahezu unbemerkt ablaufen. Es besteht jedoch immer die Gefahr, dass sich das Gerinnsel löst und ein Gefäß in der Lunge verschließen kann — die so genannte Lungenembolie stellt eine lebensbedrohliche Situation dar.  

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Geschwollene Beine bei Venenstau

Durch die geschädigten Venen kann das Blut nicht mehr optimal zum Herzen transportiert werden. In den Unterschenkeln und Füßen entsteht dadurch ein erhöhter Gefäßdruck und es wird mehr Flüssigkeit ins Gewebe gedrückt. Normalerweise wird diese Flüssigkeit vom Lymphsystem abtransportiert. Ist ein bestimmtes Maß jedoch überschritten, bleibt die Flüssigkeit im Gewebe und das Bein schwillt an. Bereits leichter Druck auf die Schwellung verursacht eine Delle in der Haut. Ist die Schwellung schmerzfrei und tritt sie lediglich am Abend auf, ist sie durch Hochlagern voll reversibel. Zur Behandlung äußert sich der auf Venenerkrankungen spezialisierte Salzburger Hautarzt Dr. Paul Sietzen: „Symptomatisch können Kompressionsstrümpfe helfen. Venencremes und –gele sowie Venentabletten helfen wenig. In jedem Fall sollte untersucht werden, ob Krampfadern vorliegen und im Sinn einer langfristigen Ursachenbehandlung durch eine Operation und/oder Verödung beseitigt werden können. Wenn die tiefen Venen durch eine Thrombose irreparabel geschädigt sind, ist der Kompressionsstrumpf auf lange Sicht unumgänglich. Aber auch in diesen Fällen sollte untersucht werden, ob begleitende Krampfadern, die das Problem verschlimmern können, operativ entfernt werden können und sollen. Hochgradige Beschwerden bis zum äußerst schmerzhaften Geschwür können so fast immer entscheidend gebessert oder geheilt werden.“ Und Sietzen betont weiter: „Der Arzt kann Krampfadern zwar behandeln, die angeborene Neigung aber natürlich nicht beseitigen. Deswegen sind jährliche Kontrollen genauso selbstverständlich wie der Besuch beim Zahnarzt. So sind langfristig hervorragende Ergebnisse möglich.“

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Schmerzhafte Geschwüre

Anfangs führt der Venenstau zu einer schmerzlosen Erweiterung der Venen am Fuß und im Bereich der Knöchel. Die Haut ist oft bläulich, später bräunlich verfärbt und kann durch ein juckendes Ekzem gerötet sein. Im fortgeschrittenen Stadium kann eine so genannte „Atrophie blanche“ entstehen – ein weißlich erscheinender, schmerzhafter Gewebsschwund am Unterschenkel. Im Endstadium treten äußerst schmerzhafte Geschwüre auf, die nur sehr schwer wieder abheilen. Sie neigen zu einem wiederkehrenden Verlauf und können eine Eintrittspforte für Bakterien darstellen, die zu weiteren Infektionen führen. Tiefe Geschwüre hinterlassen immer eine Narbe. Daher ist es sinnvoll, mit einer Behandlung zu beginnen, bevor diese Komplikationen auftreten.

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Manuelle Lymphdrainage

Durch zusätzliche Schädigung der Lymphgefäße kann ein so genanntes Lymphödem entstehen. Ergänzend zur Kompressionstherapie sollte dann mit einer manuellen Lymphdrainage begonnen werden. Dabei werden die Lymphgefäße durch eine spezielle Massagetechnik sanft angeregt, die Transportkapazität zu steigern. Durch diese Therapie können sehr gute Erfolge erzielt werden. Nach einer akuten Thrombose darf diese Form der Behandlung jedoch aufgrund der Gefahr einer Lungenembolie vier bis sechs Wochen nicht durchgeführt werden.


Dr. Ulli Stegbuchner

April 2008


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015