DRUCKEN

Pilzalarm auf den Füßen

Pilzalarm auf den Füßen Im Sommer wird nicht nur die Kleidung spärlicher, auch die Füße dürfen sich dank Sandalen, Flipflops & Co. wieder über etwas mehr Frischluft freuen. Dabei wird leider oft auch sichtbar, was ansonsten unter den Socken verborgen bleibt: Fußpilz.

Die Haut juckt, ist gerötet und brennt. Es zeigen sich kleine, offene Stellen zwischen den Zehen oder die Fußsohlen sind rissig und schuppen. Diese Symptome können auf einen Fußpilz (Tinea pedis) deuten. Obwohl es sich dabei um eine der häufigsten Hauterkrankungen handelt, suchen nicht alle Betroffenen einen Arzt auf. Das birgt allerdings Gefahren. Unbehandelt kann Fußpilz eine bakterielle Infektion begünstigen. „Es wird der Nährboden für Bakterien verbessert, was unter anderem zu einem Erysipel führen kann“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Angelika Stary, Leiterin des Pilzambulatoriums in Wien. Diese Entzündung der Haut beginnt meist ganz plötzlich mit hohem Fieber und einem roten Fleck, der sich rasch ausbreitet und schmerzt. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika.

up

Ideales Klima für Pilze

Um das zu verhindern, sollte man Fußpilz nicht auf die leichte Schulter nehmen. Doch wie kommt es überhaupt dazu? Stary: „Warum jemand einen Pilz bekommt, andere allerdings nicht, hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen, wie zum Beispiel einer genetischen Disposition.“ Auch können bestimmte Erkrankungen eine Infektion begünstigen, dazu zählen etwa Diabetes (Zuckerkrankheit) und Durchblutungsstörungen. Die Pilze finden zudem in engem Schuhwerk ideale Bedingungen, weil es darin warm ist und man vermehrt schwitzt. „Bei Menschen, die den ganzen Tag in ihren Schuhen stehen, tritt Fußpilz häufiger auf“, ergänzt die Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Die Übertragung der Erreger erfolgt von Mensch zu Mensch, beispielsweise über infizierte Gegenstände wie
Schuhe oder Teppiche, auf denen man barfuß geht. Auslöser sind in den meisten Fällen Fadenpilze (Dermatophyten). Seltener sind auch Spross- oder Schimmelpilze dafür verantwortlich.

up

Von den Füßen auf die Nägel

Leider verschwindet Fußpilz nicht von alleine. Im Gegenteil: Er kann sich sogar weiter ausbreiten und auf die Nägel übergehen. Ist ein Nagel beschädigt, können die Pilze leicht eindringen und eine sogenannte Onychomykose hervorrufen. Nagelpilz kann sowohl an den Finger- als auch an den Zehennägeln auftreten. Typische Symptome sind Verfärbungen, Verdickungen oder Verformungen des betroffenen Nagels. „Die Onychomykose ist die häufigste Pilzinfektion mit zunehmendem Alter, wobei 50 bis 70 Prozent der Erwachsenen betroffen sind“, so Stary.

up

Exakte Diagnose, gezielte Therapie

Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, sollte man rasch einen Arzt aufsuchen. Dieser führt eine exakte Diagnose durch, um die richtige Therapie einzuleiten. „Die Untersuchung ist nicht schmerzhaft. Es werden Schuppen vom betroffenen Areal der Haut oder Nagelmaterial abgeschabt und auf Spezialnährböden kultiviert“, erklärt die Leiterin des Pilzambulatoriums. Bis das Ergebnis vorliegt, dauert es bis zu drei Wochen. „Während dieser Zeit sollte man zumindest mit einer systemischen Therapie warten. Schließlich muss man bedenken, dass nicht jede Nagel- oder Hautveränderung eine Pilzinfektion ist“, rät Stary.

up

Langwierige Behandlung

Die Behandlung hängt schließlich vom Ausmaß des Befalls ab. Mit speziellen Präparten in Form von Salben, Puder oder Sprays kann die Infektion lokal therapiert werden. Diese pilzabtötenden Mittel werden auch als Antimykotika bezeichnet. In schweren Fällen ist es allerdings notwendig, dass Betroffene Tabletten einnehmen, um den lästigen Pilz wieder loszuwerden. Ist die Behandlung erfolgreich, muss das aber nicht von Dauer sein. Fußpilz neigt zu Rezidiven, er kann also erneut auftreten. Das gilt auch für Nagelpilz, der schwieriger therapierbar ist. „Es handelt sich um die hartnäckigste Pilzinfektion“, so die Medizinerin. Betroffene müssen mitunter Ausdauer und Disziplin bei der Bekämpfung beweisen: „Die Therapie kann drei bis sechs Monate dauern. Die Präparate sind allerdings gut verträglich“, bestätigt Stary.

up

Wichtige Maßnahmen zur Vorbeugung

Eine wichtige Rolle nimmt deshalb die Vorbeugung ein. Was man dabei beachten sollte, weiß die Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten: „Ich rate unbedingt dazu, die Füße jeden Tag zu waschen. Danach sollte man nicht auf das gründliche Abtrocknen, insbesondere der Zehenzwischenräume, vergessen.“ Klingt banal, ist es aber nicht: Auch das tägliche Wechseln der Socken kann Fußpilz verhindern. Wichtig ist zudem, enges, geschlossenes Schuhwerk nicht zu lange zu tragen und auf atmungsaktive Strümpfe oder Socken zu setzen. Wer gerne barfuß geht, sollte beachten, dass in öffentlichen Duschen, Turnhallen, Fitnessstudios oder Bädern eine erhöhte Ansteckungsgefahr besteht. „Es ist nicht sicher, ob die desinfizierenden Mitteln in Bädern tatsächlich wirken“, weist Stary hin. Vom gemeinsamen Benutzen von Handtüchern ist ebenfalls abzuraten. Darüber hinaus sollte man Socken oder Strümpfe bei mindestens 60 Grad waschen.

MMag. Birgit Koxeder-Hessenberger
Juli 2013


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015