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Anosmie/Hyposmie: Vom fehlenden Geruchssinn

Anosmie/Hyposmie: Vom fehlenden Geruchssinn Gefährlicher Brandgeruch, giftige Gase oder verdorbene Lebensmittel nehmen Betroffene von Anosmie oder Hyposmie nicht wahr, denn sie leiden unter einem eingeschränkten oder gänzlich fehlenden Geruchssinn. Das hat nicht nur Auswirkungen auf das Geschmacksempfinden, sondern kann das ganze Leben beeinträchtigen, wie Dr. Andreas Temmel von der Universität Wien erklärt.

Ist das Geruchsempfinden geschwächt, spricht man in der Medizin von einer Hyposmie. Fehlt der Geruchssinn gänzlich, handelt es sich um eine Anosmie. „Die beiden Begriffe beschreiben eine quantitative Riechstörung. Beim Riechtest, der so genannten chemosensorischen Untersuchung, gibt es genaue Grenzen, ähnlich wie beim Hörtest, ab welchem Wert man von einer Hyp- oder Anosmie spricht“, erklärt Universitätsprofessor Dr. Andreas Temmel von der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten der Medizinischen Universität Wien. Es ist völlig normal, dass der Geruchssinn mit steigendem Alter abnimmt. Man spricht dann von einer Presbyosmie oder altersbedingten Riechstörung. Funktioniert der Geruchssinn aber plötzlich gänzlich oder teilweise nicht mehr, kann dies verschiedene Ursachen haben.

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Auf Ursachensuche

„Die häufigsten Ursachen sind die postvirale Riechstörung nach einem banalen Virusschnupfen, die posttraumatische Riechstörung nach einem Schädeltrauma, wobei auch ein einfacher Schlag ohne Knochenbruch reichen kann, und die konduktive Riechstörung“, so der Mediziner. Die konduktive Riechstörung kann durch eine Schleimhautschwellung in der Nase, Polypen oder eine chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) hervorgerufen werden. Daneben können Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer oder Diabetes mellitus hinter der Riechstörung stecken.

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Zusammenhang von Riechen und Schmecken

Ein harmloser Schnupfen lässt viele Menschen über den dadurch beeinträchtigen Geschmacksinn klagen. Kein Wunder, denn Riechen und Schmecken hängen eng miteinander zusammen. Während Menschen die vier Geschmacksqualitäten süß, sauer, salzig oder bitter schmecken können, ist das Riechen für die Feinabstimmung, also das Erkennen der Geruchsstoffe, verantwortlich. Dazu Temmel: „Im Mund werden Duftstoffe freigesetzt, die beim Ausatmen über die Nase an der Riechschleimhaut vorbei streichen und dort einen Sinnesreiz auslösen.“ Der Geruchssinn beeinflusst also die Geschmackswahrnehmung, auch wenn es streng genommen „zwei Sinne mit getrennter Lokalisation sind.“

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Therapie mit Cortison

Da sich die Riechschleimhaut wieder regenerieren kann, kann sich auch der Geruchssinn wieder einstellen. „Es gibt aber leider noch nicht ‚das Medikament’ gegen die Riechstörung. Bei konduktiven Riechstörungen wird die Sanierung des Atemweges empfohlen. Bei postviralen Störungen werden neben Cortison zurzeit noch unterschiedlichste Medikamente getestet. Die schlechteste Regenerationschance hat die posttraumatische Riechstörung, da man hier annimmt, dass die Riech-Fäden in der Nase gerissen sind und sich nicht mehr regenerieren“, so Temmel.

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Folgen des beeinträchtigen Geruchsinns

Wie sieht das Leben aus, wenn der Geruchssinn beeinträchtigt ist? „Interessanterweise gibt es altersabhängige Beschwerden. Junge Leute klagen häufiger über den Verlust des Riechens. Ältere Personen nehmen dies oft leichter hin, allerdings äußert sich das Problem manchmal indirekt am fehlenden Appetit und einer damit verbundenen Mangelernährung“, weiß der Mediziner. Zu den Hauptbeschwerden zählen eine mangelnde Kontrolle der Körperhygiene, Probleme beim Kochen wie Anbrennen von Nahrungsmitteln und eine Reduktion beim Genuss des Essens und Trinkens. „Eine unangenehme Folge einer Riechstörung kann auch die so genannte Parosmie sein. Hierbei kommt es zu einer Fehlwahrnehmung eines Geruchs, der nicht vorhanden ist. Diese Störung ist ähnlich dem Tinnitus, bei dem eine Geräuschwahrnehmung ohne das Vorhandensein einer Geräuschquelle auftritt“, erklärt Temmel. Die größte Beeinträchtigung für viele Betroffene ist jedoch häufig, dass sie ihre Familie nicht mehr riechen können.

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Vorsichtsmaßnahmen im Alltag

Um die Gefahren des fehlenden Geruchsempfindens zu minimieren, sollten Betroffene einen Feuermelder in der Wohnung installieren und Lebensmittel vor dem Konsum auf das Verfallsdatum kontrollieren. Zudem sollten sie auf ausreichende Hygiene achten, da der eigene Geruch nicht mehr wahrgenommen werden kann. „Vor allem jüngere Betroffene können dick werden, da sie Süßes lieben. Denn Zucker ist ein Geschmack, den Betroffene nach wie vor wahrnehmen. Sie müssen daher auf ihre Ernährung achten“, betont der Mediziner.

MMag. Birgit Koxeder

März 2013

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015