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WPW-Syndrom: Plötzliche Herzrhythmusstörung

WPW-Syndrom: Plötzliche Herzrhythmusstörung Plötzliches Herzrasen, das von einem Moment auf den anderen auftritt und mehrere Stunden anhalten kann, ist typisch für das so genannte WPW-Syndrom. Was die Ursache dieser angeborenen Herzrhythmusstörung ist und wie man sie behandelt, erklären Dr. Helmut Pürerfellner und Dr. Martin Martinek vom Krankenhaus der Elisabethinen Linz.

Beim WPW-Syndrom handelt es sich um eine angeborene Herzrhythmusstörung. Da die Erkrankung erstmals von den Kardiologen Louis Wolff, John Parkinson und Paul D. White beschrieben wurde, wird sie auch als Wolff-Parkinson-White-Syndrom bezeichnet.

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Ursache: zusätzliche Leitungsbahn im Herzen

Das Syndrom entwickelt sich bereits im Mutterleib: Während der Fetalphase des Kindes, also nach der achten Schwangerschaftswoche, sind die Vorhöfe und Ventrikel (Hauptkammern) des Herzens durch zahlreiche Verbindungen verknüpft. Bis zur Geburt bilden sie sich auf eine einzelne Verbindung zurück. Bleiben nun aber einige Verbindungen bestehen, kann diese zusätzliche Leitungsbahn zu einer vorzeitigen Erregung der Hauptkammern führen, was sich in Herzrhythmusstörungen äußert. „Beim WPW-Syndrom besteht neben dem AV-Knoten eine zusätzliche elektrische Verbindung zwischen Vorhöfen und Herzkammern. In seltenen Fällen können auch mehrere zusätzliche, muskuläre Verbindungen vorhanden sein“, erklärt Universitätsprofessor Dr. Helmut Pürerfellner, Leiter des Elektrophysiologielabors am Krankenhaus der Elisabethinen Linz (II. Interne Abteilung unter der Leitung von Primarius Dr. Hans-Joachim Nesser). Im Normalfall gibt es nur eine einzelne Verbindung, den AV-Knoten.

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Männer sind doppelt so häufig betroffen

Das WPW-Syndrom tritt gehäuft zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf, kann sich aber in jedem Alter erstmals äußern. Männer sind doppelt so häufig betroffen als Frauen. „Pro Jahr gibt es rund vier Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner“, weiß Privatdozent Dr. Martin Martinek, Facharzt für Innere Medizin am Krankenhaus der Elisabethinen in Linz.

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Bis zu 200 Herzschläge pro Minute

Typisch ist das plötzlich einsetzende Herzrasen, das das WPW-Syndrom kennzeichnet. „Der Puls rast und kann zwischen 140 und 200 Schläge pro Minute erreichen. Normal sind 60 bis 80 Herzschläge im Ruhezustand“, so Dr. Helmut Pürerfellner. Wie lange dieses Herzrasen dauert, variiert von Patient zu Patient. Es kann wenige Minuten bis mehrere Stunden anhalten. Dann hört es genauso plötzlich auf, wie es eingesetzt hat. Zusätzlich – wenn auch seltener – können weitere Symptome wie Schwindel oder Bewusstlosigkeit auftreten. Im schlimmsten Fall und vor allem, wenn andere Vorhofrhythmusstörungen auftreten, kann die angeborene Herzrhythmusstörung zum plötzlichen Herztod führen. Allerdings verursacht das WPW-Symptom nicht immer Beschwerden: Bei der Hälfte der Patienten verläuft die Erkrankung asymptomatisch.

„Die Diagnose ‚WPW-Syndrom’ ist häufig ein Zufallsbefund. Bei den meisten Patienten wird man bei der Stellung, wenn das erste Ruhe-EKG gemacht wird, auf die Herzrhythmusstörung aufmerksam“, erklärt Dr. Martin Martinek.

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Selbsthilfe: Oft reicht ein Glas kaltes Wasser

Handelt es sich um ein leichtes Herzrasen (medizinischer Ausdruck: Tachykardie), können dieses die Betroffenen meist selbst beenden, indem sie beispielsweise die Luft anhalten, den Bauch stark pressen oder ein Glas kaltes Wasser trinken. „Auch leichtes Massieren jener Stelle am Hals, wo man den Puls spürt, kann den Herzschlag wieder verlangsamen“, wissen die Mediziner.

Bei häufigem Auftreten der Herzrhythmusstörung und bei Risikopatienten bzw. Risikoberufsgruppen wie Leistungssportler, Piloten oder Polizisten kann die Leitungsbahn, die für die Erkrankung verantwortlich ist, mit einer Operation verödet werden. Dr. Helmut Pürerfellner: „Dabei wird über die Leiste eine Sonde ins Herz gelegt. Anschließend wir die Rhythmusstörung durch Stimulation ausgelöst, sodass man die zusätzliche Leitungsbahn genau lokalisieren kann, um sie mit Strom oder Kälte zu veröden. Die Erfolgsrate dieser so genannten Ablation liegt bei über 95 Prozent.“

MMag. Birgit Koxeder
Mai 2011


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015