DRUCKEN

Nieren: So halten Sie Ihre Körperfilter gesund

Nieren: So halten Sie Ihre Körperfilter gesund Diabetes und Bluthochdruck sind Risikofaktoren für Nierenerkrankungen. Ein vernünftiger Lebensstil trägt dazu bei, die Nieren möglichst lange gesund zu erhalten.

In Europa leiden schätzungsweise 50 Millionen Menschen an einer chronischen Nierenerkrankung. Häufig betroffen sind Diabetiker. Jeder dritte Dialyse-Patient ist zuckerkrank. In Europa steigt seit einigen Jahren die Zahl der Diabetiker deutlich an.

up

Aufgaben der Nieren

Die Nieren erfüllen vielfältige und lebenswichtige Aufgaben. Sie entgiften den Körper, indem sie die Abfallprodukte des Stoffwechsels filtern. Sie regeln den Flüssigkeits- und Salzhaushalt und produzieren Hormone, etwa zur Steuerung des Blutdrucks oder zur Bildung der roten Blutkörperchen. Zudem regulieren sie das Säure-Basen-Gleichgewicht im Körper.

Ein Mensch hat rund sechs Liter Blut, diese Menge passiert etwa 300 Mal täglich beide Nieren. Täglich fließen demnach rund 1.800 Liter Blut durch die beiden Filterorgane in unserer Körpermitte. Erkrankt eine Niere oder fällt sie ganz aus, kann dies lebensbedrohliche Folgen haben. Bei schweren Funktionsstörungen ist daher eine Dialyse (Blutwäsche) oder eine Nierentransplantation nötig.

up

Lage der Nieren

Die Nieren sind symmetrisch angelegt und liegen unterhalb der beiden Rippenbögen, links und rechts neben der Wirbelsäule. Die Harnleiter verbinden die Nieren mit der Blase. Der Urin wird in den Nieren gebildet, fließt über die Harnleiter in die Blase und wird über die Harnröhre nach außen transportiert und ausgeschieden.

up

Symptome

Während sich eine Entzündung einer Niere fallweise durch Schmerzen bemerkbar macht und mit Medikamenten gut behandelbar ist, werden Nierenschäden, die auf Diabetes und Bluthochdruck zurückgehen, von den Betroffenen oft lange Zeit nicht bemerkt, weil sie nicht von Schmerzen begleitet werden.

Die Symptome von Nierenschäden sind gering und diese daher schwer zu erkennen. Mögliche Symptome sind:

  • stark verschwollene Augen am Morgen,
  • hoher oder niedriger Blutdruck,
  • ständige Müdigkeit, sinkende Leistungsfähigkeit, Übelkeit,
  • eine vermehrte oder eingeschränkte Produktion von Harn
  • Blut im Harn
  • ein veränderter Geruch des Harns oder wenn der Harn „schäumt“.

„Wirklich aussagekräftig ist jedoch nur eine medizinische Abtestung. Liegen Symptome vor, sollte man daher eine Harn- und Blutanalyse vornehmen lassen“, erklärt Prim. Univ. Prof. Dr. Rainer Oberbauer, Leiter der nephrologischen Abteilung im Krankenhaus der Elisabethinen. Zusätzlich können Ultraschallbilder zeigen, inwiefern Nierengewebe geschädigt ist, ob Nierensteine, Zysten oder Nierentumore bestehen.

up

Risikofaktoren

Die Bevölkerung wird immer älter und damit steigt das Risiko zu erkranken. „Die Ursache Nummer eins für Nierenerkrankungen ist in der steigenden Lebenserwartung zu sehen“, so der Nierenfacharzt. Je älter ein Mensch wird, desto länger können jene Grunderkrankungen bestehen, welche die Nieren schädigen. Vor allem durch Bluthochdruck und Diabetes verändern sich die Gefäße in den Nieren. Die Durchblutung sinkt, Nierengewebe vernarbt und die Nierenfunktion verringert sich.

„Diabetes stellt das höchste Einzelrisiko für eine Nierenerkrankung dar“, sagt Prof. Oberbauer. Da Diabetes nicht nur alte Menschen, sondern immer mehr Jüngere betrifft, dürfte das Risiko von Nierenerkrankungen in den nächsten Jahren weiter zunehmen.
Nierenleiden lassen sich insofern vorbeugen, als man die Risiken für die Entstehung von Nierenerkrankungen verringert. Bei Diabetes oder Bluthochdruck bedeutet dies eine optimale Behandlung dieser Grunderkrankungen.

Weitere Risikofaktoren:

  • Rauchen ist erwiesenermaßen ein Risikofaktor.
  • Alkohol im Übermaß schädigt die Nieren. „Die Grenze liegt bei ein bis zwei Drinks pro Tag, das ist ein Wert, der noch kein Risiko darstellt“, so der Nierenfacharzt.

Oberbauer: „Das große Problem ist nicht so sehr dieser oder jener Risikofaktor, sondern das Zusammentreffen mehrerer Faktoren. Die Summe der Faktoren bestimmt das Risiko.“

up

Forschungsprojekt

Der Lebensstil beeinflusst die Gesundheit der Nieren: Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen, zuviel Alkohol und hoher Blutdruck sind Risikofaktoren für zahlreiche Krankheiten. Ein gesunder Lebensstil ist auch gegen Funktionsstörungen der Niere die beste Vorsorge.

Ein interdisziplinäres Forschungsprojekt namens „SysKid“ soll nun Licht ins Dunkel bringen, inwieweit der Lebensstil tatsächlich Einfluss nimmt. 26 Forschergruppen aus 15 Ländern arbeiten an diesem Projekt. Oberbauer: „Es ist das größte bisherige Projekt. Ziel ist es, frühe Diagnosen zu ermöglichen und Risikofaktoren zu identifizieren. Alle bisherigen Lifestyle-Empfehlungen sind nur wenig durch Daten gestützt. Vor dem Hintergrund der spärlichen Datenlage muss kritisch angemerkt werden, dass die meisten der manchmal sehr einschneidenden Ratschläge zur Lebensstilmodifikation jeglicher Grundlage entbehren und meist den persönlichen Vorstellungen des Arztes bzw. Ratgebers entsprechen und nicht auf objektiven Analysen beruhen.“

up

Trinkverhalten

Vor allem alte Menschen, aber auch Kinder und Sportler sollten darauf achten, ausreichend Flüssigkeit, am besten in Form von Wasser zu sich zu nehmen. „Der häufige Ratschlag, man solle z.B. zwei oder drei Liter Wasser pro Tag trinken, basiert nicht auf Daten. Sicher ist es nicht unvernünftig, genug Wasser zu trinken, doch eine gesunde Niere braucht nicht eine exakte Menge um zu funktionieren. Die einzige Einschränkung: Sie braucht mindestens einen Dreiviertelliter Flüssigkeit pro Tag“, so Oberbauer.

Ein Zuviel an Wasseraufnahme ist kaum möglich, außer bei Nieren-, Herz- und Leberproblemen: Hier kann es zu einer Einlagerung von Wasser kommen, in diesen Fällen sollte man die tägliche Trinkmenge mit einem Arzt besprechen.

up

Essverhalten

Am wichtigsten in Sachen Ernährung ist es, ausgewogen und nicht zu viel zu essen, also Übergewicht zu vermeiden. „Wer sich ausschließlich von Junkfood ernährt, wird Probleme bekommen. Man soll sich nicht selektiv ernähren, sich also nicht auf bestimmte Nahrungsmittelgruppen beschränken“, rät der Experte.

Erste Auswertungen der SysKid-Studie lassen laut Dr. Oberbauer bestimmte Schlüsse zu: „Beim Essen gilt der Grundsatz: Hält sich die Dosierung im vernünftigen Rahmen, schädigt kaum etwas die Nieren. Der Konsum von tierischen Proteinen scheint kein Risiko zu sein. Wirklich überraschend ist, dass sich die Salzzufuhr nicht als Risikofaktor für Nierenerkrankung und Mortalität erweist. Das gelegentliche Nachsalzen der Speisen ist kein Problem, bedenklich ist eher, dass in sämtlichen Fertigprodukten Salz enthalten ist.“ Positiv erweist sich der Konsum von Früchten. An pflanzlichen Proteinen und grünblättrigen Gewächsen reiche Nahrung scheint mit einem geringeren Risiko für Nierenerkrankungen verbunden zu sein.

Und noch eine Erkenntnis: „Früher dachte man, dass bei Nierenerkrankungen eine strenge Reduktion von Eiweiß hilfreich ist. Das hat sich nicht bestätigt. Es scheint eher schlecht zu sein, wenn man gar kein Eiweiß zuführt“, so Oberbauer.

up

Medikamente

Häufig werden Schmerzmittel als Risikofaktor genannt. „Bis in die 60er-Jahre waren diese tatsächlich sehr schädlich. Wer aber heute Schmerzmittel im Rahmen des üblichen einnimmt, dürfte mit den Nieren keine Probleme haben. Man muss nur bedenken, wie viele Menschen Schmerzmittel nehmen und wie relativ selten dazu Probleme mit den Nieren auftreten. Man braucht sich also nicht zu fürchten, wenn man ein paar Tage lang Schmerzmittel einnimmt“, beruhigt der Nierenfacharzt.

Dr. Thomas Hartl
Juni 2012


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015