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1x1 der gesunden Ernährung für Kinder

1x1 der gesunden Ernährung für Kinder Es ist kein seltenes Phänomen, sondern bei Kindern äußerst beliebt: Sobald frisches Obst und Gemüse am Teller landet, verziehen die Sprösslinge missmutig ihr Gesicht. Wie man Kinder für gesunde Ernährung begeistert, verrät Dr. Ingrid Kiefer.

Die Zahlen sorgen für Aufsehen: Laut dem österreichischen Ernährungsbericht 2012 ist fast ein Viertel (24 Prozent) der Schulkinder im Alter zwischen sieben und 14 Jahren übergewichtig oder fettleibig. Hinzu kommt, dass sich der Nachwuchs immer seltener bewegt und die Freizeit lieber vor dem Fernseher oder Computer verbringt. Um gesund zu bleiben, ist neben regelmäßigem Sport vor allem eine optimale Ernährung wichtig. Und diese beginnt idealerweise schon von klein auf.

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„Kinder sind keine kleinen Erwachsenen“

Die Ernährung von Kindern sollte – wie jene von Erwachsenen auch – gesund und ausgewogen sein. Dabei hält Univ.-Doz. Dr. Ingrid Kiefer von der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) aber fest: „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie haben andere Bedürfnisse, weil sie sich noch im Wachstum und der Entwicklung befinden.“ Doch was heißt das genau? Kinder haben noch ein natürliches Hunger- und Sättigungsgefühl, aber auch eine angeborene Abneigung gegen Neues (Neophobie). „Man muss ganz Kleinen oft bis zu 16-mal etwas zum Kosten geben, bis es das Kind akzeptiert. Das sollte allerdings ohne Zwang erfolgen, weil dann die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass das Lebensmittel auch gegessen wird“, so Kiefer. Das ist insofern wichtig, weil Kinder aus ernährungsphysiologischer Sicht besonders abwechslungsreich essen sollten.

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Vielseitigkeit am Kinderteller

„Kinder neigen aber auch dazu, einseitig zu essen, weil sie erst lernen müssen, dass man sich von bestimmten Gerichten abessen kann. Sie brauchen allerdings ein vielfältiges Angebot an Lebensmitteln, um mit unterschiedlichen Mikronährstoffen versorgt zu werden“, sagt die Leiterin der AGES-Unternehmenskommunikation. Der österreichische Ernährungsbericht zeigt jedoch, dass bei der Zufuhr von einigen Vitaminen und Mineralstoffen Nachholbedarf besteht: Besonders kritisch ist die Aufnahme von Vitamin D und Beta-Carotin. „Auch die Energiebilanz stimmt nicht. Das heißt, dass österreichische Kinder entweder zu viel essen oder sich zu wenig bewegen. Was das Vitamin D und Beta-Carotin betrifft, sollten die Kleinen mindestens 2-mal pro Woche Fisch essen, allerdings keine panierten Fischstücke, und viel gelbes Obst und Gemüse“, so die Ernährungswissenschafterin.

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Wie viel wovon

Apropos Obst und Gemüse: Fünf Portionen pro Tag sollten es davon sein, wobei eine Portion einer Kinderfaust entspricht. Bei der Auswahl ist auf saisonales und regionales Angebot zu achten. Zudem ist es wichtig, die Kinder früh an Vollkornprodukte zu gewöhnen. Denn: „Der Ernährungsbericht zeigt, dass österreichische Kinder zu wenig Ballaststoffe aufnehmen, was auf eine Ernährung mit wenig Vollkornprodukten deutet“, so Kiefer. Vorsicht hingegen ist bei stark gezuckerten oder fettreichen Produkten wie Pommes frites oder Frühstückszerealien gegeben. Weil Kinder lange Zeitspannen zwischen zwei Mahlzeiten weniger gut überbrücken können als Erwachsene, ist es wichtig, gesunde Zwischenmahlzeiten anzubieten. Was die Flüssigkeitszufuhr betrifft, eignen sich vor allem Wasser, ungesüßte Früchte- und Kräutertees oder verdünnte Gemüse- und Fruchtsäfte im Verhältnis 1:2 mit Wasser.

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Milch, Fleisch und Fett

Die Kleinen brauchen aber auch viel Kalzium für ihre Knochengesundheit. Täglich Milch bzw. Milchprodukte sind daher empfehlenswert. Was den Konsum von Fleisch betrifft, so reichen drei Portionen pro Woche völlig aus. Bei allen Zubereitungsarten gilt: Möglichst sparsam mit Fett umgehen und verstärkt auf pflanzliche Öle setzen.

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Eltern als Vorbild

Bereits im Kindesalter wird der Grundstein für das Ernährungsverhalten als Erwachsener gelegt. Deshalb sollten die Kleinen schon frühzeitig einen gesunden Umgang mit Lebensmitteln lernen. Eltern können dabei mit gutem Beispiel vorangehen und folgende Ratschläge beachten:

  • Essen nicht als Strafe oder Belohnung einsetzen. Die Kinder sollen auf ihr Hunger- und Sättigungsgefühl achten und nicht zum Aufessen gezwungen werden. Damit werden sie lediglich zu „Kummeressern“ erzogen und haben später vielleicht einmal ein Problem mit dem Essen.
  • Obst und Gemüse in kindgerechte Stücke geschnitten fördern den Appetit.
  • Es ist völlig normal, dass Kinder an manchen Tagen weniger essen. „Sie holen das dann meist am nächsten Tag wieder auf“, erklärt die Ernährungswissenschafterin.
  • Die Kinder sollten beim Kochen und Zubereiten der Speisen selbst Hand anlegen dürfen und lernen, Essen wertzuschätzen.
  • Mit Süßigkeiten sparsam umgehen, allerdings sollte man sie auch nicht verbieten. Dadurch werden sie besonders interessant.
  • Auf regelmäßige, gemeinsame Mahlzeiten achten. Essen ist Teil des sozialen Lebens. Vermieden werden sollte, neben dem Essen fernzusehen oder zu spielen. Kiefer dazu: „Hat das Kind keinen Hunger, sollte es trotzdem am Tisch sitzen und die Möglichkeit bekommen, etwas zu kosten. Wenn es nichts will, sollte es aber nicht eine halbe Stunde später einen Schokoriegel bekommen.“

MMag. Birgit Koxeder
Februar 2013


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 27. Juli 2015