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Mann hat Nasenbluten

Was hinter Nasenbluten stecken kann

Nasenbluten kann viele verschiedene Ursachen haben und ist in der Regel harmlos. Tritt es immer wieder und ohne ersichtlichen Grund auf, sollte man die Ursache der Blutungen bei einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt abklären lassen. 

Nasenbluten tritt auf, wenn die feinen Gefäße in der stark durchbluteten Nasenschleimhaut verletzt werden. Dies kann nach einem Schlag auf die Nase der Fall sein oder sogar heftiges Schnäuzen kann dafür ausreichen. „Die möglichen Ursachen sind vielfältig. Sie können lokal bedingt sein oder Folge einer Erkrankung“, sagt Dr. Andreas Riedler, Facharzt für HNO, Kopf-, Halschirurgie in Wels. 

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Vielfältige Ursachen 

Bei Kindern tritt Nasenbluten zwischen dem dritten und siebten Lebensjahr relativ häufig auf und ist in den allermeisten Fällen völlig harmlos. Dennoch sind solche Situationen für Eltern oft stressig und mit Ängsten verbunden. Häufige Ursachen für kindliches Nasenbluten sind:

  • Infekte: Vergeht der Infekt, ist auch das Nasenbluten weg. Nasensalben oder abschwellende Tropfen können hilfreich sein, darüber hinaus ist eine ärztliche Therapie in diesen Fällen nicht nötig.
  • Fremdkörper in der Nase: Da Kinder häufig mit kleinen Dingen wie Glasperlen, Steinchen etc. spielen, landen diese manchmal auch in der Nase und bleiben dort stecken. Das kann die Schleimhaut verletzen und kleine Blutungen verursachen. „Manchmal verbleiben die Fremdkörper unbemerkt lange Zeit in der Nase und machen mitunter erst nach Jahren Probleme“, sagt Riedler.
  • Stoßen der Nase beim Spielen.
  • Adenoide (Volksmund Nasenpolypen), dadurch trockene oder leicht entzündliche Nasenschleimhaut mit Krustenbildung. Durch Nasenbohren wird diese verletzt.

 

Bei Erwachsenen sind die möglichen Ursachen sehr vielfältig:

  • Bluthochdruck (Hypertonie) und Arteriosklerose: Hier tritt Nasenbluten meist erst im höheren Alter auf.
  • Medikamente: Sogenannte Blutverdünner, die die Blutgerinnung im Körper hemmen sollen, führen zu einer höheren Blutungsneigung und damit auch zu Nasenbluten.
  • Infekte im HNO-Bereich: Sie schädigen auch die Schleimhaut. Eine Blutung ist bloß eine Folge des Infekts. Klingt dieser ab, verschwinden auch die Blutungen.
  • Trockene Nasenschleimhaut: Bei trockener Raumluft und einer Blutungsneigung kann es zu kleinen Blutungen kommen. Im Winter infolge Heizungsluft, im Sommer infolge eines Klimageräts. Wenn jemand unter trockenen Schleimhäuten leidet, kann er diese mit einer Nasensalbe oder einer Meerwasser-Lösung feucht halten. Luftbefeuchter schaffen Abhilfe.
  • Mangel an Vitamin K und/oder C.
  • Allergie: Heuschnupfen sorgen für trockene, gereizte Schleimhäute.
  • Schwangerschaft: Die Hormonumstellung kann zu vermehrtem Nasenbluten führen. Es endet nach der Schwangerschaft wieder.
  • Organische Erkrankungen: Nasenbluten kann sich auch bei Erkrankungen der Leber oder der Nieren zeigen, da in diesen Fällen die Schleimhäute oft austrocknen. Auch seltene Erkrankungen wie beispielsweise Morbus Osler (krankhafte Erweiterung von Blutgefäßen) können ursächlich sein.
  • Gut- oder bösartige Tumoren im Nasen/Rachenbereich. Sie sind aber nur sehr selten Ursache für Nasenbluten. 
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Nur wenig Blut geht verloren 

90 Prozent der Blutungen treten im vorderen Bereich der Nase auf, diese sondern nur kleine Mengen Blut ab. Wenn die Nase blutet, fängt man das Rinnsal oft mit einem Papiertaschentuch auf. Das frische Rot wirkt auf dem Weiß des Papiers oft dramatisch. Ein paar Tropfen Blut, die vom Taschentuch aufgesaugt werden, erwecken den falschen Anschein eines großen Blutverlustes. „Eltern machen sich Sorgen, wenn die Nase des Kindes blutet. Meist ist der Blutverlust aber viel geringer als man denkt“, so Riedler. 

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Wie stoppt man eine Blutung? 

Bei Nasenbluten sollte man folgendes tun:

  • Oberkörper aufrecht halten.
  • Nasenflügel mit den Fingern soweit zudrücken, dass kein Blut mehr entweicht. Man soll jedoch nicht unnötig fest zusammendrücken.
  • Kopf nach vorne/unten halten. In früheren Jahren bekam man oft den Ratschlag, den Kopf nach oben/hinten zu richten, doch das ist nicht ungefährlich, da man sich am Blut verschlucken kann. Bei einer starken Blutung, wie sie bei Bluthochdruck vorkommen kann, führt diese Kopfhaltung dazu, dass man viel Blut schluckt und dieses dann erbricht.
  • Nacken kühlen. Man kann ein Coolpack oder einfach einen mit kaltem Wasser getränkten Lappen in den Nacken legen. 
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Wann zum Arzt? 

Lässt sich die Blutung nicht stoppen, sollte man einen HNO-Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen. Wie lange man damit zuwarten soll, dafür gibt es keine Regel, im Allgemeinen wartet man zehn bis fünfzehn Minuten.

Sofort zum Arzt sollte man fahren, wenn sich das Kind zuvor den Kopf angeschlagen hat, oder wenn es Atembeschwerden oder einen Fremdkörper (Murmel etc.) in der Nase hat.

Tritt Nasenbluten immer wieder auf, sollte man die Ursache bei einem HNO-Arzt abklären lassen. Dies gilt umso mehr, wenn es keinen ersichtlichen Grund für das Bluten gibt. 

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Beim Arzt 

Der HNO-Arzt wird als erster versuchen, die Blutungsquelle zu finden und sie zu stoppen. Da die meisten Blutungen aus dem vorderen Teil der Nase stammen, sind sie leicht zu eruieren und meist auch schnell zu stillen. Eine kleine Blutung wird mit einer Salbe behandelt oder mit Trichloressigsäure. „Diese wirkt gut und verschorft die blutende Stelle, kann aber etwas brennen“, sagt Riedler. Eine etwas größere Blutung wird mit abschwellenden Nasentropfen therapiert, die ein Lokalanästhetikum enthalten. Zudem wird die Nase fünf bis zehn Minuten komprimiert, also leicht zugehalten.

Bei älteren Patienten sollte auch der Blutdruck gemessen werden, um Bluthochdruck als mögliche Ursache zu identifizieren oder auszuschließen. 

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Verödung und Tamponade 

Ist die blutende Stelle klar ersichtlich, kann diese auch mittels Stroms verödet werden. Es handelt sich um einen kleinen Eingriff, der schnell und einfach durchgeführt wird. Ist eine Verödung nicht möglich oder stillt sie die Blutung nicht, kann eine Nasentamponade gesetzt werden. Dabei wird eine Art Schwämmchen eingeführt, das sich in der Nase entfaltet und wie eine Kompression von innen wirkt. 

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Blutgerinnungsstörung ausschließen 

Blutet die Nase eines Kindes aus unbekannten Gründen immer wieder, wird der Arzt überprüfen, ob eine mögliche Blutgerinnungsstörung vorliegt. „So eine Störung ist relativ selten, kommt aber immer wieder mal vor. Viel häufiger sind jedoch völlig banale Dinge, wie etwa, dass sich ein Kind durch Nasenbohren immer wieder aufkratzt“, beruhigt Riedler.

Bereiten Nasenpolypen Kindern immer wieder Probleme, könnte man daran denken, diese zu entfernen, falls die Polypen sehr groß sind und sich ständig entzünden. 

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Bei Bedarf ins Krankenhaus 

Bei einer heftigen Blutung wird ein HNO-Arzt eine Tamponade setzen und den Patienten ins Krankenhaus bringen lassen. Bei starken Blutungen handelt es sich meist um Blutungen aus dem hinteren Bereich der Nase, die eine umfassende medizinische Versorgung erforderlich macht, die man nur im Krankenhaus erhält. „Bei einer starken Blutung werden Patienten schnell unruhig und auch Kreislaufprobleme treten oft auf“, so Riedler. Im Krankenhaus wird der Patient untersucht und therapiert. In seltenen schweren Fällen muss unter Vollnarkose operiert werden.

 

Dr. Thomas Hartl

Jänner 2020


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 22. Januar 2020