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Tasse Tee, Zucker, Fiebermesser

Bewährte Hausmittel gegen Husten, Schnupfen & Co

Tees, Suppen, Inhalationen, Wärme und viel Ruhe. Im Falle einer Verkühlung, also bei Halsschmerzen, Schnupfen und Husten, wirken Hausmittel in der Regel gut und machen Medikamente meist überflüssig. 

„Bei gewöhnlichen Infekten braucht man im Gegensatz zur echten Grippe keine Tabletten. Mittlerweile ist das durch Studien ausreichend belegt. Mit einfachen und altbewährten Mitteln kann sich jeder selbst helfen. Viele dieser Hausmittel bewähren sich seit vielen Jahrzehnten, sie sind so simpel wie effektiv“, erklärt Dr. Margarethe Fließer, praktische Ärztin mit Schwerpunkt Naturheilkundliche Medizin und Kneippärztin im Kurhaus der Marienschwestern in Bad Mühllacken. 

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Handeln bei ersten Anzeichen 

Bevor eine Verkühlung ausbricht, bemerkt man in der Regel erste Anzeichen einer Infektion: Man ist ungewöhnlich müde, friert mehr als sonst oder spürt ein erstes leichtes Kratzen im Hals. Wenn man in dieser Phase sofort bestimmte Maßnahmen ergreift, kann man die Verkühlung vielleicht stoppen, bevor sie zum Ausbruch kommt oder man kann sie zumindest abmildern. Hilfreiche Maßnahmen:

  • Viel trinken! Gleich zu Beginn mehrere Gläser Wasser (am besten mit einigen Tropfen Bio-Zitrone) trinken. Auch Kräutertees (mit Honig und Zitrone) und Suppen sind empfehlenswert.
  • Wenig essen: Schwere Mahlzeiten sollte man meiden.
  • Heißes Fußbad mit Kochsalz. Anschließend mit trockenen und warmen Füßen (am besten dicke Socken anziehen) ins Bett legen. „Das ist eine perfekte Maßnahme, die auch schön entspannt“, sagt Fließer.
  • Heißes Bad: Bei einem ersten Frösteln kann ein heißes Vollbad hilfreich sein. „Wenn man es gut verträgt, ist das in Ordnung. Man sollte auf sein Körpergefühl hören, ob das jetzt das Richtige für einen ist. Wenn man bereits Fieber hat, sollte man davon jedenfalls die Finger lassen, das wäre kontraproduktiv“, sagt die Ärztin.
  • Roter Sonnenhut: Echinacea-Tropfen sind zwar nicht mehr so in Mode wie noch vor einigen Jahren, sie sind dennoch empfehlenswert. Anwendung gleich bei ersten Krankheitszeichen.
  • Vitamin C und Zink: Sowohl Vitamin C und Zink gelten als wichtige Supplemente bei Erkältungen. „Sinnvoll ist die Einnahme bei einem beginnenden Infekt. Ich rate aber ab, solche Präparate dauerhaft hochdosiert zu nehmen. Besser als eine Dauereinnahme ist eine gesunde Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse“, so Fließer. 
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Ernährungstipps 

Schweres Essen weglassen: Generell sollte man bei einem Infekt wenig essen, vor allem schwere Nahrung wie Fleisch, Wurst, Nudeln etc. weglassen. „Besser ist es, Gemüse anzubraten und es mit Kräutern zu würzen. Auch vitaminreiches Obst ist wichtig, am besten ist heimisches Obst in Bioqualität. Im Krankheitsfall kann man es als Kompott oder Mus anrichten“ sagt die Expertin. Sie rät im Fall einer Infektion auch zu glutenfreiem Getreide wie Hirse, Buchweizen, Amaranth oder Quinoa. Gluten hingegen belastet den Darm und damit das Immunsystem.

Knoblauch & Co: Hilfreich bei Infektionen sind Knoblauch (desinfizierend), Zwiebeln (fördert die Sekretion in den Schleimhäuten, löst Schleim) und Honig. Altbewährt gegen Husten ist auch die Kombination von Zwiebel und Honig: Eine Zwiebel klein hacken und in einer kleinen Schale mit Honig mischen. Mindestens eine Stunde einwirken lassen und die entstehende Flüssigkeit mit einem Löffel essen. „Ich empfehle auch Holler, den man als Tee trinken kann oder als Schwarzen Hollundersaft“, sagt Fließer.

Suppen: Selbstgemachte Gemüsesuppen stärken und tun bei Krankheit einfach gut. Zutaten: Biologisch-vegetarischer Suppenwürfel, Gemüse aller Art, Kräuter und Scharfmacher wie Chili. Scharfmacher helfen dabei, Sekrete abzutransportieren und die Schleimhäute zu reinigen. 

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Richtig inhalieren 

Inhalation von Wasserdampf kann die Atemwege frei machen. Dafür kocht man Tee auf (z.B. Kamille, Eibisch, Thymian) und inhaliert danach den Wasserdampf. „Viele machen den Fehler, das Gesicht über das frisch aufgekochte Wasser zu halten. Das ist viel zu heiß. Die Haare werden dabei nass und man verkühlt sich noch stärker. Man sollte das Wasser besser etwas abkühlen lassen und nur den letzten aufsteigenden Dampf einatmen. Auch empfiehlt es sich, einen einfachen, leicht zu reinigenden Kunststoffinhalator mit trichterförmigem Mundstück für das Gesicht zu verwenden, damit die Haare nicht nass werden“, erklärt Fließer. 

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Kneippen 

Die typischen Kneipp-Wasseranwendungen mit wechselweise kaltem und warmem Wasser dienen der Vorbeugung vor Erkältungen, sollten jedoch nicht angewendet werden, wenn man schon verkühlt ist.

Bei bereits vorliegendem Infekt empfiehlt sich ein ansteigendes Fußbad. Am besten stellt man eine kleine Fußwanne in die Badewanne und setzt sich auf deren Rand. Dann lässt man einige Zentimeter lauwarmes Wasser in die Fußwanne laufen. Fließer: „Nach einer Minute gibt man noch wärmeres Wasser hinzu. Man steigert das einige Male, bis es fast zu heiß wird und beendet das Fußbad.“

Empfehlenswert ist auch ein warmer Rückenguss. Dabei wird warmes Wasser über die Wirbelsäule gegossen, ebenso mit ansteigender Wassertemperatur. 

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Tipps bei Halsschmerzen, Husten und Schnupfen 

Häufig zeigen sich infektbedingte Beschwerden zuerst als Halsschmerzen, dann als Schnupfen und zum Schluss als Husten. Tipps zur Selbstbehandlung:

Halsschmerzen: Hilfreich sind bestimmte Tees: Salbei, Kamillen, Eibischwurzel, Isländisches Moos. Fließer: „Man kann die Heilpflanzen einzeln in Form von Teebeuteln anrichten oder sie sich in Apotheken zusammenmischen lassen.“

Schnupfen: Nasenspülungen oder Nasensprays mit Kochsalz. „Viele meiner Patienten schwören darauf. Freilich empfindet nicht jedermann Salzwasser in der Nase als angenehm, weil es einigermaßen brennen kann“, sagt die Ärztin.

Husten: Bei trockenem, bellendem Husten und Hustenreiz: Eibischblätter, Eibischwurzel, Spitzwegerich. Bei lockerem Husten, bei dem der Schleim abgehustet werden soll: Efeublatt, Primel, Süßholzwurzel. Bei hartnäckigem Husten bewährt sich seit Jahrzehnten folgende Maßnahme: Man hackt eine Zwiebel in kleine Stücke, röstet sie in Butterschmalz, verteilt sie auf ein Geschirrtuch, schlägt es ein und legt es, sobald es eine angenehme Temperatur hat, auf die Brust, wobei das Geschirrtuch zu einem Wickel zusammengeschlagen wird. „Einfacher handhaben kann man die Sache, wenn man die gehackten Zwiebeln in eine Windel gibt, diese mit einem Gummiring schließt und die Windel dann auf die Brust legt. Die ätherischen Öle der Zwiebel wirken sekretlösend und der Schleim kann abgehustet werden“, sagt Fließer.

Stirnhöhleninfekte: Inhalationen, viel trinken, zum Beispiel Tee mit Holler, Primelblüten und Eibisch. 

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Ruhe und Rückzug 

„Ein Infekt ist ein Schrei des Körpers nach Ruhe. Am besten macht man es sich zuhause gemütlich und legt sich nieder. Generell sollte man in sich hineinspüren, was der Körper im Moment braucht. Meist ist einfach eine Zeit der Ruhe angesagt. Man sollte sich mit einem Infekt nicht zwingen, aus dem Haus zu gehen. Die pralle Sonne sollte man jedenfalls meiden, sie würde sonst eine Entzündung anheizen. Auch sollte man möglichst nicht in die Arbeit gehen, sonst steckt man die anderen an und die eigene Erkrankung dauert meist länger, als wenn man sie mit viel Ruhe auskuriert“, sagt Fließer.

 

Dr. Thomas Hartl

November 2019


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 29. November 2019