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Gesicht Mutter Tochter

Landkarte im Gesicht

Wer altert, bekommt Falten. Nicht alle, aber einige kann man „wegzaubern“ lassen. Ein gesunder Lebensstil trägt außerdem dazu bei, dass die „Landkarte“ im Gesicht nicht allzu auffällig wird. 

Es ist paradox: Fast jeder möchte alt werden, aber die wenigsten von uns wollen alt aussehen. Doch es lässt sich nicht verhindern, dass Frauen und Männer mit fortschreitendem Alter immer mehr vom Leben gezeichnet werden – und zwar mit feinen und später auch tieferen Linien und Furchen in der Haut. Manche haben Glück und sehen mit 60 Jahren noch aus wie 40-Jährige, anderen ist deutlich anzusehen, dass der Kerzenschein auf der letzten Geburtstagstorte schon sehr hell war. „Grundsätzlich aber lässt mit zunehmendem Alter die Elastizität der Haut nach. Dieser Prozess beginnt bereits mit zwanzig Jahren und dauert dann bis zum Lebensende an“, sagt ao. Univ.-Prof. Dr. Daisy Kopera von der Uni-Klinik für Dermatologie und Venerologie Graz und Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologische Kosmetik und Altersforschung. „Man muss das Altern und die Faltenbildung realistisch sehen. Es gehört zum Leben dazu, und keine Creme der Welt kann einen zwanzig Jahre jünger machen.“ 

Allen, die mit ihren Falten hadern, zum Trost: Der ultimative Jungbrunnen wurde noch nicht entdeckt. „Zu 30 Prozent sind die Gene für Falten verantwortlich, zu 70 Prozent Umwelteinflüsse“, erklärt Kopera. Das bedeutet: Man(n) oder Frau kann durchaus etwas tun. Für die Expertin ist ein guter Sonnenschutz das allerwichtigste. Denn: „Vor allem das UV-Licht trägt zur Alterung der Haut bei.“ Ein Sonnenschirm gehörte früher bei den Damen der Oberschicht zur Pflichtausrüstung. Man wollte sich mit weißer und faltenfreier Haut von der arbeitenden Klasse mit oft wettergegerbtem Gesicht unterscheiden. Heute sollte ein guter UV-Schutz (Lichtschutzfaktor über 15) täglich angewandt werden, nicht nur bei Sonnenschein im Sommer. 

Abends gehört die gründliche Reinigung des Gesichts dazu, und das gilt nicht nur für geschminkte Frauen. Es ist generell wichtig, Schmutz und Schweiß zu entfernen. Zum Antifaltenprogramm zählt weiters eine ausgewogene Ernährung aus vitaminreicher Mischkost. Besonders wichtig: Der Verzicht auf Zigaretten.  

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Keine dauerhafte Wirkung 

Doch in manchen Fällen reicht all dies nicht aus, die Falten werden mehr und man möchte sie mit ärztlicher Hilfe wegzaubern lassen. Mittlerweile gibt es dafür eine Fülle von Möglichkeiten, für die man mehr oder weniger tief in die Geldtasche greifen muss. „Es soll natürlich aussehen, daher geht der Trend zur soften Oberflächenbehandlung und weg von invasiven Methoden, nach deren Anwendung man sich eine Woche verstecken musste“, sagt Kopera. 

Nicht nötig ist dies beim sogenannten Needling. Dabei wird der Haut über sehr feine Nadeln ein Wirkstoffkonzentrat mit Hyaluronsäure und Silicium zugeführt, wodurch die Bildung von Kollagen und die Durchblutung angeregt werden. Die Haut soll danach frischer und straffer wirken. Zu einem strahlenderen Teint verhelfen auch chemische Peelings. Bei diesen wird ein säurehaltiges Mittel auf die Haut aufgetragen, das nicht nur abgestorbene Hautschüppchen entfernt, sondern auch die Haut darunter mit Wirkstoffen versorgt. 

Ohne „Schnippeln“ kommt auch aus, wer sich für Hyaluronfiller entscheidet. Sie werden unter die Haut gespritzt und polstern das Gesicht auf, indem sie den mit dem Alter auftretenden Verlust von Volumen kompensieren. Einen anderen Effekt hat das extrem verdünnte Nervengift Botulinumtoxin, das unter dem Namen Botox bekannt ist. Es lähmt Muskeln. Wenn sich diese im Gesicht nicht mehr zusammenziehen können, kann auch die Haut darüber keine Falten mehr werfen. Botox wird vor allem gegen die Zornesfalte über der Nase eingesetzt. Allerdings ist die Wirkung, wie bei den anderen Methoden auch, keine dauerhafte, man muss immer wieder nacharbeiten. 

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Positive Lebenseinstellung 

Eine Alternative zum chirurgischen Eingriff ist auch die Laserbehandlung. Rot- und Gelblicht brechen den feinen Wasserfilm, der die elastischen Fasern der Haut einschließt. Dadurch kehrt die Beweglichkeit der vormals erstarrten Fasern zurück. Bei allen Methoden wurden in den vergangenen Jahren große Fortschritte erzielt. Und dennoch: So jung wie mit zwanzig werden 50-Jährige auch nach der effizientesten Behandlung nicht mehr aussehen. Das muss auch nicht sein, denn Falten und Altern gehören zum Leben dazu. Wichtiger als die eine oder andere Falte weniger, sollte eine positive Lebenseinstellung sein. 

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Schutzhülle des Körpers 

Die Haut ist das größte Sinnesorgan. Sie umfasst insgesamt eineinhalb bis zwei Quadratmeter. Dieses Schutzschild des Menschen besteht aus drei Schichten: 

  • Die Oberhaut (Epidermis)
    besteht zu 90 Prozent aus einer Hornschicht, die sich regelmäßig erneuert und hat keine Nerven. Sie ist die äußere Schutzhaut für den Körper und verhindert, dass Keime und Bakterien in den menschlichen Körper eindringen. Sie bildet auch den UV-Schutz und bewahrt vor Flüssigkeitsverlust.
  • Die Lederhaut (Dermis oder Korium) liegt unter der Oberhaut.
    Sie enthält Blut- und Lymphgefäße sowie Nervenfasern, Hautdrüsen und Haarwurzeln.
  • Die Unterhaut (Subcutis). Sie besteht vor allem aus Fettzellen und Bindegewebe, das die Fettzellen miteinander verbindet. Diese schützen den Körper vor Kälte und Hitze.  
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Falten 

Falten entstehen, wenn die Haut beim Alterungsprozess dünner und trockener wird und an Elastizität verliert. Auch wenn man zunimmt, sinkt der Fettanteil in der Haut, dadurch leiert sie aus. Da die Talgdrüsen weniger Talg produzieren, lässt die Geschmeidigkeit nach.

Die Haut beginnt ab dem 20. Lebensjahr an Struktur und Festigkeit zu verlieren. Ab dem 30er zeigen sich die ersten kleinen Fältchen um den Mund und in den Augenwinkeln. 

Zehn Jahre später müssen sich viele an vertiefte Augenfältchen (Krähenfüße) und Falten auf der Stirn gewöhnen, auch die Wangen sinken. Ab 60 Jahren und später wirken Augen nicht mehr so strahlend, weil die Haut um sie herum Falten wirft, was die Augen schmäler wirken lässt. Die schlaffe Haut im höheren Alter ist nicht nur – wie man lange glaubte – die Folge von Gewebeveränderungen, sondern auch von schrumpfenden Schädelknochen.

 

Birgit Baumann

November 2019 

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Kommentar

Landkarte im Gesicht Kommentarbild Ao.Univ.-Prof. Dr. Daisy Kopera „Altern und Faltenbildung gehören zum Leben dazu. Aber man kann selbst etwas tun, indem man nicht raucht und für guten Sonnenschutz sorgt.“

Ao.Univ.-Prof. Dr. Daisy Kopera

Uni-Klinik für Dermatologie und Venerologie Graz


Bilder: shutterstock; privat


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