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Erblindung kann meist vorgebeugt werden

Weltweit sind laut WHO rund 36 Millionen Menschen blind. 90 Prozent davon leben in den ärmsten Ländern und den meisten könnte durch adäquate Behandlung eine schwere Sehbehinderung erspart bleiben. Häufigste erworbene Erblindungsursachen in Österreich sind die Makuladegeneration, der Grüne Star und die diabetische Retinopathie.

Je früher eine Augenerkrankung erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Erfolgsaussichten und der Schutz vor schwerer Sehbehinderung oder Erblindung. In Österreich sind laut Statistik Austria (2007) etwa 318.000 Menschen dauerhaft sehbeeinträchtigt und können mit Brille oder anderen Sehbehelfen nicht gut oder gar nicht sehen. Das Tückische etwa an Netzhauterkrankungen, die zu schwerer Sehbeeinträchtigung führen können, ist, dass sie keine Schmerzen verursachen. Auch das Glaukom (Grüner Star) wird oftmals erst erkannt, wenn ein Teil des Sehnervs irreversibel geschädigt ist.

Daher gilt als optimale Augenvorsorge ab dem 40. Lebensjahr der jährliche Besuch beim niedergelassenen Augenarzt. 

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Risiko steigt ab 50 Jahren 

Altersbedingte und chronische Augenerkrankungen treten meist ab dem 50. Lebensjahr auf und werden künftig aufgrund der steigenden Lebenserwartung zunehmen. Dank der medizinisch-wissenschaftlichen Fortschritte sind die meisten Erkrankungen heute gut therapierbar.

Während in den ärmsten und medizinisch unterversorgten Ländern der graue Star die häufigste Ursache von Erblindung ist, spielt diese meist altersbedingte Trübung der Linse in Europa als Grund für Erblindung keine Rolle mehr. In Österreich sind es vor allem folgende Erkrankungen, die zu massiver Sehbeinträchtigung und bis zur Erblindung führen können. 

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Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) 

„Sie ist die häufigste Ursache einer massiven Sehverschlechterung bei Senioren. Betroffen ist dabei das Zentrum der Netzhaut – die Makula –, das für das scharfe Sehen verantwortlich ist“, sagt Prim. Univ.-Prof. Dr. Matthias Bolz, Vorstand der Augenklinik im Kepler Universitätsklinikum Linz.

Eine genetische Disposition, Rauchen, oftmalige Lichtexposition ohne Sonnenbrille und ungesunde Kost gelten als Risikofaktoren. Erste Anzeichen können sein, dass gerade Linien verzogen und Farben blasser erscheinen, Buchstaben hin- und hertanzen und in der Mitte des Gesichtsfeldes ein dunkler, verschwommener Fleck erscheint

Man unterscheidet zwei Formen:

a) Trockene AMD: Bei dieser Ausprägung stehen Verkalkungen und Ausdünnungen der Netzhautschichten im Vordergrund. Rund 80 bis 90 Prozent der AMD entfallen auf diese Form. Zu Beginn ist die Sehkraft nur gering verschlechtert, je mehr Sehzellen ausfallen, umso schlechter sieht man. Im fortgeschrittenen Stadium ist das zentrale Gesichtsfeld erheblich beeinträchtigt oder fällt aus. Derzeit gibt es noch keine kausale Therapie, außer spezielle Vitamintabletten, die helfen sollen, die degenerativen Veränderungen zu verzögern. Als schützende Augenvitamine werden zum Beispiel die Vitamine A, B, C, D, E sowie Zink, Thiamin, Lutein und Zeaxanthin angesehen.

„Es gibt erste gentherapeutische und Stammzell-Versuche, um die trockene AMD in den Griff zu bekommen. Bis zu klinischen Studien ist es aber noch ein weiter Weg“, erklärt Prof. Bolz. Zur Vorbeugung wird empfohlen viel Obst, Gemüse und Fisch zu essen, auf Zigaretten zu verzichten und von klein auf die Augen vor zu viel Sonnenlicht zu schützen.

b) Feuchte AMD: Die trockene Form kann in die feuchte übergehen, aber sie kann auch primär auftreten und schreitet rascher und mit schnellerem Sehverlust voran. Charakteristisch für die feuchte Form ist, dass neue poröse Blutgefäße aus der Aderhaut unter und in die Netzhaut einwachsen und dort Blutungen, Schwellungen (Ödeme) und in der Folge Narben auf der Netzhaut bilden, was den vermehrten Untergang von Sehzellen bedeutet. Zerstörte Sehzellen sind unwiederbringbar.

Therapiert wird, indem man sogenannte Anti-VEGF-Wachstumsfaktoren (Anti-Vascular Endothelial Growth Factor, Antivaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor) direkt in den Glaskörper spritzt. Diese Medikamente sollen die Neubildung von Gefäßen hemmen und die Gefäße „abdichten“, damit es zu keinen Blutungen und Schwellungen mehr kommen kann. Die Spritzen müssen je nach Ausprägung meist im Abstand von einigen Wochen, später Monaten, vielleicht über Jahre hinweg verabreicht werden.

Bei starker Sehbeeinträchtigung können Lupenbrillen, Leuchtlupe, Bildschirmlesegeräte die Lebensqualität verbessern.

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Glaukom

Etwa 80.000 Menschen in Österreich sind vom Grünen Star betroffen und mehr als die Hälfte weiß es nicht. Geschätzte 4.000 Österreicher sind durch ein Glaukom erblindet. „Beim Grünen Star kommt es zu einer Schädigung und dem Verlust von Sehnervenfasern in der Netzhaut, was unbehandelt zum fortschreitenden Verlust des Gesichtsfeldes führt. Das Problem ist, dass das alles nicht weh tut und das Gehirn einen Ausfall des äußeren Gesichtsfeldes kompensieren kann. Wenn das zentrale Gesichtsfeld betroffen ist, dann nimmt die Sehschärfe ab und das merkt der Betroffene. Zu diesem Zeitpunkt ist aber schon ein großer Teil des Sehnervs zerstört, was nicht mehr rückgängig gemacht werden kann“, erklärt Bolz.

Risikofaktoren: Ein wesentlicher Risikofaktor ist zu hoher Augeninnendruck. Er erhöht sich, wenn das Gleichgewicht zwischen Produktion und Abfluss des Kammerwassers gestört ist. Ist der Abfluss blockiert, kommt es zum Rückstau des Kammerwassers und Erhöhung des Augendruckes. Das Kammerwasser versorgt Linse und Hornhaut mit Nährstoffen. Auch Migräne, niedriger Blutdruck, Diabetes und familiäre Häufung, können die Gefahr, an einem Glaukom zu erkranken, erhöhen.

Es gibt aber auch Patienten mit normalem Augendruck – dann ist der Grund für das Glaukom meist eine schlechte Durchblutung des Sehnervs. Der Grüne Star kann auch angeboren oder eine Komplikation anderer Augenerkrankungen oder Verletzungen sein. Ab 50 verdoppelt sich die Wahrscheinlichkeit an einem Glaukom zu erkranken mit jedem Jahrzehnt.

Therapie: Behandelt wird individuell, je nach Form. Ein Notfall ist der akute Glaukomanfall, ein schmerzhafter akuter Augendruckanstieg, der schnellstmöglich behandelt werden muss.

Die häufigste Therapie ist die Senkung des Augendrucks mit Medikamenten, sprich Augentropfen, die die Produktion des Kammerwassers hemmen oder den Abfluss verbessern. Sie müssen täglich und regelmäßig angewendet werden. Operiert wird, wenn die Medikamente nicht ausreichend helfen.

Eine frühe und adäquate Behandlung zielt drauf ab, das Fortschreiten der Erkrankung zu stoppen oder zumindest zu verzögern. 

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Diabetische Retinopathie

Bei einer Erblindung vor dem 65. Lebensjahr ist die diabetische Retinopathie die häufigste Ursache. 25 bis 35 Prozent der Diabetiker vom Typ 1 und Typ 2 leiden an einer zuckerbedingten Augenerkrankung, der Gefäßschädigung der Netzhaut.

Arten der Gefäßschädigung:

a) Nicht proliferative Retinopathie: Es zeigen sich in diesem Stadium der Schädigung noch kaum Sehstörungen. Durch Laserkoagulation (Veröden der Gefäße) oder die intravitreale (in den Glaskörper hinein) Verabreichung von Anti-VEGF Präparaten kann der Schaden oftmals behoben werden.

b) proliferative Retinopathie: Die Schädigung der Netzhautgefäße schreitet fort und es bilden sich neue, meist poröse Gefäße, die Blutungen in der Netzhaut oder im Glaskörper verursachen. Dann sieht der Betroffene alles wie durch einen Schleier. Es kann auch zu einer Netzhautablösung kommen.

Auch um Makulaödeme zu verhindern oder Einblutungen zu behandeln, werden wie bei der feuchten AMD Anti-VEGF-Faktoren ins Auge gespritzt. Lasertherapie kann zusätzlich notwendig sein.

Um schwerwiegenden Seheinschränkungen vorzubeugen muss jeder Diabetiker regelmäßig internistisch und augenärztlich kontrolliert werden. Zuckerwert, Bluthochdruck und Blutfettwerte müssen optimal eingestellt sein. Rauchen und Übergewicht vermeiden.

Es gibt noch andere Augenerkrankungen, wie etwa Gefäßverschlüsse in der Netzhaut, die zu einer dauerhaften Sehverschlechterung führen können. Vorsorge ist hier immer die beste Therapie. 


Mag. Christine Radmayr

November 2019


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 11. November 2019