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Frau mit Kontaktlinsen

Besseres Sehen

Die natürliche Sehschärfe des Auges wird unter anderem von den lichtbrechenden Strukturen des Augapfels, von Hornhaut und Linse bestimmt. Kurz- und Weitsichtigkeit, Astigmatismus, Altersweitsichtigkeit und Grauer Star – bei diesen Sehfehlern bekommen wir kein klares Bild. 

Bei gesundem Sehvermögen werden alle im Auge ankommenden Lichtstrahlen so gelenkt, dass ihr Brennpunkt exakt auf die Netzhaut an der Innenwand des Auges fällt. Dieser natürliche Autofokus-Mechanismus funktioniert nur, wenn die Brennweite stimmt, sprich, der Augapfel von der Hornhaut bis zur Netzhaut das richtige Längenverhältnis besitzt.  

Unscharf nah oder fern 

Kurzsichtigkeit (Myopie) kommt zustande, weil das virtuelle Bild schon vor der Netzhaut aufgebaut wird. Somit gelangt ein unscharfer Seheindruck über den Sehnerv in die zuständigen Gehirnbereiche. Der häufigste Grund für Kurzsichtigkeit ist ein zu langer Augapfel (Achsenmyopie). Auch eine abnorme Brechkraft von Hornhaut und Linse (Brechungsmyopie) kann den Einfallswinkel der Lichtstrahlen verfälschen. Kurzsichtige sehen ein Objekt nur aus nächster Nähe scharf. „Weltweit ist Kurzsichtigkeit im Zunehmen“, berichtet Oberarzt Dr. Michael Brandecker, Leiter der Sehschulambulanz am Konventhospital der Barmherzigen Brüder in Linz. „Kurzsichtigkeit kann man sich auch mit bestimmten Gewohnheiten einhandeln, für die unsere Augen nicht ausgelegt sind. Häufiges, langes Arbeiten im Nahbereich, wie etwa am Handy, können laut Studienerkenntnissen den Augapfel zum Längenwachstum anregen. Intensiver Handygebrauch ist deshalb gerade für Kinder schlecht.“ Weitsichtige Menschen hingegen sehen in die Ferne besser. Bei ihnen ist der Augapfel zu kurz geraten, die Lichtstrahlen laufen auf einen Brennpunkt hinter der Netzhaut zu. Seltener sind Brechungsfehler der Grund einer Weitsichtigkeit (Hyperopie).  

Im schiefen Licht 

Astigmatismus (griechisch „Punktlosigkeit“) oder Stabsichtigkeit trübt die Sicht, weil die gewölbte Hornhaut (Kornea) übermäßig oder unregelmäßig verkrümmt ist. Auch eine unregelmäßige Linsenform kann dahinterstecken. Die Lichtstrahlen gelangen nicht eng gebündelt an einen Punkt, sondern setzen sich linear fort. Astigmatismus kann schon bei Säuglingen und Kleinkindern vorkommen, ebenso wie Kurzsichtigkeit und höhergradige Weitsichtigkeit, und kann zum Beispiel durch vermehrtes Blinzeln auffallen. Auch im Erwachsenenalter kommt höhergradige Stabsichtigkeit vor, vermehrt etwa nach Hornhautverletzungen und Narbenbildung. Mit strich- oder streifenförmigem Streulicht ist Astigmatismus etwa bei nächtlichen Autofahrten ein nicht ungefährlicher Störfaktor. Kopf- und Augenschmerzen infolge der überstrapazierten Augen sind ein weiteres mögliches Symptom, denn er erzeugt Zerrbilder, die die Augenmuskulatur unter großer Anstrengung auszugleichen versucht. Gleichzeitig mit Astigmatismus besteht oft auch Kurz- oder Weitsichtigkeit und/oder Alterssichtigkeit. Bei Kindern können höhere Brechgradfehler zu einer schweren Sehschwäche (Amblyopie) führen, weil das Gehirn nur verfälschte Sinneseindrücke zu verarbeiten lernt.   

Nicht mehr ungetrübt 

In den frühen Vierzigern ergeht es vielen Menschen gleich – das Fernsehbild ist nicht mehr wie gestochen, der Text am Handy und PC unscharf, der Faden spießt sich vor dem Nadelöhr. Die Alterssichtigkeit (Presbyopie) bahnt sich durch einen Elastizitätsverlust der körpereigenen Linse, die im Kapselsack hinter der Pupille eingebettet ist, an. In jüngeren Jahren kann sie sich elastisch verformen und ihre Brechkraft nach Bedarf anpassen, wenn sich die ringförmigen Ziliarmuskeln zusammenziehen beziehungsweise entspannen. Mit den Jahren verliert die Linse diese Flexibilität. Bei Weitsichtigen verstärkt sich die Sehunschärfe in der Nähe so, dass Lesen ohne Gleitsichtbrille unmöglich wird, weil sie in der Nähe noch weitsichtiger werden. Kurzsichtige können dann oft ohne Brille in der Nähe lesen und erleben deshalb die Alterssichtigkeit als weniger gravierend. Sie verzichten entweder auf die Lesebrille oder wechseln zur Gleitsichtbrille. Für viele bisher Normalsichtige aber kommt nun das Zeitalter der ersten Lesebrille.  

Die Welt in Grau 

Ab dem 65. Lebensjahr trifft der Graue Star fast jeden. Er gilt als typische Alterserscheinung. 
Besseres Sehen Älterer Herr bei Augenuntersuchung

Als typische Alterserscheinung gilt der Graue Star. Jenseits des 65. Lebensjahres trifft die Katarakt, wie die Sehstörung auch heißt, irgendwann fast jeden. Diese Linsentrübung belegt die Sicht zunächst schleichend, dann immer auffälliger mit milchig-grauem Schleier, blassen Farben und verschwommenen Umrissen. Manche Medikamente, vermehrte Belastung der Augen durch Sonnenlicht, Schlageinwirkung, manche Infektionen und chronische Augenentzündungen, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und genetische Belastungen, unter anderem das Down-Syndrom, können den Grauen Star schon in jungen Jahren begünstigen. Selbst bei Neugeborenen kommt er vor, ob angeboren oder als Folge einer Infektion, zum Beispiel einer Rötelinfektion während der Schwangerschaft. Bleibt die Katarakt unbehandelt, ist die Sehentwicklung des Kindes massiv benachteiligt. Der Graue Star kann chirurgisch behoben werden – nach Absaugen der trüben Linse durch Einsetzen einer Kunstlinse bei Erwachsenen und Kindern, durch Kontaktlinsen bei Babys. 

Brillen – Qual der Wahl 

Die klassische Einstärkenbrille ist als Lese- oder Fernbrille auf nur einen Bereich perfekt abgestimmt. Wer sie für beides braucht, muss häufig wechseln. Die früher häufig verwendete Bifokalbrille mit einem Fernteil und zusätzlichem Lesefeld kann mittlere Distanzen nicht optimal bedienen. Deshalb bevorzugen viele Menschen eine Gleitsichtbrille. In diese Multifokal- oder Mehrzonenbrillen sind Lesedistanz, Fern- und mittlerer Bereich zugleich und übergangslos integriert. Je nach Glasqualität und Preiskategorie sind die Flächen für die einzelnen optischen Zonen unterschiedlich groß. Die Gleitsichtbrille muss also mit dem Optiker den persönlichen Bedürfnissen entsprechend ausgewählt werden. Zu Beginn bedarf die Gleitsichtbrille einer kurzen Gewöhnungszeit. Das Einschätzen von Entfernungen etwa beim Stufensteigen mit Gleitsichtgläsern will geübt sein, gerade bei älteren Menschen. 

Je älter wir werden, umso mehr Licht brauchen wir. Selbst die beste Brille ist bei schlechter Beleuchtung nicht optimal. „Andererseits kann zu viel Lichteinfall, etwa beim Schifahren im grellen Sonnenschein ohne schützende Sonnenbrille, die Netzhaut schädigen“, warnt Dr. Brandecker. Die neu erstandene Lesebrille, ideal zum Zeitungslesen, wird sich bei Gebrauch am Computerbildschirm als nicht passend erweisen, weil die nötige Korrekturstärke von der Lesedistanz abhängt, der Bildschirm aber weiter entfernt ist als ein Buch. Eine spezielle Bildschirmarbeitsbrille ist genau auf die Distanz zum Bildschirm abgestimmt – je größer der Abstand, umso geringer die Brillenstärke. 

Trotz Bildschirmarbeitsbrille brauchen die Augen aber auch regelmäßige Erholung von der anstrengenden Naharbeit an kleinen Texten und Bildern in der flirrenden Monitorhelligkeit. Kurze Arbeitspausen mit entspanntem Blick in die Ferne, Augenschließen oder Aktivität im Freien – das entspannt Augen und Geist. 

Astigmatismus wird durch Gläser mit speziellem Schliff ausgeglichen. „Bis zu vier Dioptrien Stabsichtigkeit können mit einer Brille zufriedenstellend korrigiert werden. Für höhere Dioptrien bieten sogenannte torische Kontaktlinsen eine bessere Bildqualität“, rät Dr. Brandecker, und empfiehlt für diesen Sehfehler eher harte als weiche Kontaktlinsen. Je länger die Stabsichtigkeit ohne Korrektur bestanden hat, umso schwieriger kann die Gewöhnung an eine Sehhilfe sein. Eine hochgradige Stabsichtigkeit, die nicht in der Kindheit korrigiert wird, führt zu einer später irreparablen Sehschwäche. Deshalb ist die Augenkontrolle bei Kindern sehr wichtig. 

Bis zu welcher Dioptrienstärke eine Brille buchstäblich noch tragbar ist, hängt vom individuellen Empfinden ab. Moderne Brillen können auch Fehlsichtige mit hohen Brechwerten wie zehn Dioptrien Kurzsichtigkeit mit modischen und relativ leichten Gläsern versorgen. Die optimale Fassung muss aber auf die entsprechende Glasstärke abgestimmt werden und darf nicht zu groß sein. Oft sind Kontaktlinsen die praktikablere Lösung. Dann empfiehlt der Augenarzt eine Reservebrille als Alternative nach einem langen Arbeitstag oder bei akuten Entzündungen, und er rät zum Kauf von Sehhilfen nur unter fachlich kompetenter Beratung im Optikergeschäft.  

Kontaktlinsen 

Weiche Kontaktlinsen verlangen kaum Gewöhnung und sind bei richtiger Handhabung gut verträglich. Weil sie die Hornhaut völlig überdecken, sollte zur optimalen Sauerstoffversorgung der Hornhaut eine tägliche Tragezeit von rund acht Stunden nicht überschritten werden. Sonst drohen infolge eines Sauerstoffmangels im Laufe der Jahre Gefäßeinsprossungen in der Hornhaut, die das Tragen von Kontaktlinsen verbieten würden. 

Besseres Sehen Kontaktlinsen

Tageslinsen sind kostspielig, aber bequem, weil sie, steril verpackt, optimale Sauberkeit gewähren. Für harte Kontaktlinsen sind drei bis vier Wochen Gewöhnungszeit üblich. Weil sie gut umspült locker auf der Hornhaut liegen, stören sie deren Sauerstoffhaushalt nicht. Bei schwerem Astigmatismus sind harte Kontaktlinsen die bessere Wahl. Bei akuten Verletzungen, Rötungen und Reizungen gilt strengstes Kontaktlinsenverbot. Gründliches Händewaschen, sorgfältiges Reinigen der Linsen sowie richtiges Lagern und zeitgerechter Wechsel der Reinigungsprodukte schützen vor Infektionen, die dramatisch verlaufen können.  

Unterschiedliche Dioptrien  

Einen erheblichen Unterschied von mehreren Dioptrien zwischen beiden Augen mit einer Brille zu korrigieren wird nur im Kindesalter toleriert. Eine Neuanpassung im Erwachsenenalter funktioniert bei diesem Sehproblem nur mit Kontaktlinsen.  

Manche Sehfehler können mit operativen Verfahren korrigiert werden.  

Laser statt Brille 

Die Erfolge der refraktiven Chirurgie, die die Brechkraft des Augapfels verbessert, gehen einher mit der Lasertechnologie. Verschiedene Verfahren stehen zur Verfügung, die ambulant und nach Verabreichung betäubender Augentropfen erfolgen und nur wenige Minuten dauern. Bei der konventionellen MK-LASIK („Laser in situ Keratomileusis“) wird ein kleiner Deckel, genannt Flap, mit einem Präzisionsskalpell (Mikrokeratom) aus der Hornhautwölbung herausgetrennt und aufgeklappt. Danach modelliert der Laserstrahl eines sogenannten Excimerlasers die Krümmung der darunterliegenden Hornhautoberfläche im Mikrometerbereich. Abschließend wird der Hornhautdeckel wie ein körpereigenes Pflaster an seinen ursprünglichen Platz zurückgelegt. Noch präziser ist FEMTO-LASIK, wo nicht das manuelle Skalpell, sondern ein Femtosekundenlaser mit ultrakurzen Lichtpulsen den Flapschnitt setzt. Bei der SMILE-(Small Incision Lenticule Extraction)-Methode schneidet der FEMTO-Laser direkt im Inneren der intakten Hornhaut eine Linse zu, das sogenannte Lentikel. Über einen winzigen seitlichen Tunnel als Zugang in die Hornhaut, ebenfalls vom FEMTO-Laser geschaffen, wird das Lentikel entfernt, wonach die Hornhaut über die erwünschte neue Brechungsfähigkeit verfügt. 

Postoperative Beschwerden wie Lichtempfindlichkeit und „Trockenes Auge“ verschwinden meist nach kurzer Zeit. Ob und welches refraktive (Brechkraft verändernde) Laserverfahren zur Sehkorrektur eingesetzt werden kann, wird nach gründlicher Untersuchung im Einzelfall entschieden, Vor- und Nachteile werden genau besprochen. Bei Kurzsichtigkeit von mehr als acht und Weitsichtigkeit von mehr als drei Dioptrien, bei Hornhaut- und Netzhauterkrankungen, Rheuma und Diabetes sind auch andere Therapien wie refraktive Linsen-Chirurgie zu erwägen. „Vor dem 21. Lebensjahr würde ich einen refraktiven Laser nicht empfehlen, weil sich bis zu diesem Alter die Dioptrienzahl noch rasch ändern kann“, betont Dr. Brandecker.  „Refraktive Chirurgie ist heute ein sehr sicheres Verfahren, bleibt aber, sofern keine medizinischen Gründe vorliegen, in erster Linie Lifestyle-Chirurgie, die von Patienten aus beruflichen oder ästhetischen Gründen angestrebt wird.“   

Die Welt in neuem Licht 

Lang nicht mehr gesehene Farben und Helligkeit, das lässt Menschen nach einer Katarakt-Operation staunen. Über einen etwa drei Millimeter kleinen Zugang am Hornhautrand wird die getrübte Linse noch in ihrem Kapselsack mittels Ultraschall zerkleinert und schonend abgesaugt, und eine neue, kristallklare Kunstlinse implantiert. Eine weiteres gängiges Verfahren ist die Katarakt-Operation mit Femtosekundenlaser. Zirka 20 Minuten dauert eine ambulante Staroperation. Ein „Tropfplan“ mit entzündungshemmenden und antibiotischen Augentropfen gehört zur Nachsorge. Der Mikroschnitt in der Hornhaut wird nicht genäht und heilt rasch. Etwa jeder dritte Patient entwickelt einen sogenannten Nachstar – eine Trübung des Kapselsacks als Fremdkörperreaktion. Ein „Guckloch“, mittels Laserstrahl geschaffen, behebt den Nachstar sofort und nachhaltig. Frühestens einen Monat nach der Staroperation wird gegebenenfalls eine neue Brille angepasst.    Besseres Sehen Augenoperation

Linse oder Brille 

Standardmäßig wird bei der Staroperation eine Einstärkenlinse (Monofokallinse) mit fixem Fernfokus implantiert, die ferne Objekte scharf erkennbar macht. So erübrigt sich lebenslang die Fernbrille, während für den Nahbereich eine Sehhilfe nötig ist. Auch multifokale Linsen mit zwei oder mehreren Brennpunkten können eingepflanzt werden, die meist jede weitere Sehhilfe ersetzen. Der Linsentausch ist nicht nur Katarakt-Patienten vorbehalten, sondern ist auch Teil der refraktiven Lifestyle-Chirurgie, wenn Lasern unmöglich ist. 


Klaus Stecher

Oktober 2019 

Kommentar:

Besseres Sehen Kommentarbild OA Dr. Michael Brandecker, Barmherzige Brüder Linz „Hygienefehler im Umgang mit Kontaktlinsen können das Augenlicht kosten.“

Oberarzt Dr. Michael Brandecker

Augenabteilung Barmherzige Brüder Linz, Leiter der Sehschulambulanz


Bilder: shutterstock; privat


Zuletzt aktualisiert am 08. November 2019