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Feuchttücher

Feuchttücher mit bedenklichen Inhaltstoffen

Hormon-ähnliche Parabene, Parfüminhaltsstoffe mit Allergie-Potenzial und PEG-Derivate (Polyethylenglycol) die die Haut an den empfindlichsten Stellen für Schadstoffe durchlässiger machen: In Feuchttüchern steckt so manches, das man dort nicht erwartet. Der Konsumentenschutz der AK Oberösterreich und die UMWELTBERATUNG der Wiener Volkshochschulen hat das gesundheitliche und ökologische Gefahrenpotential von 15 Feuchttüchern unter die Lupe genommen. Nur fünf davon können empfohlen werden. 

DIE UMWELTBERATUNG und die oberösterreichischen Konsumentenschützer haben die Inhaltsstoffe von zwölf feuchten Toilettentüchern und drei Intimpflegetüchern bewertet. 13 sind aus Papier, acht davon laut Hersteller biologisch abbaubar, lösen sich also im Wasser auf. Die Tücher kosteten zwischen einem und acht Cent pro Stück, zwei Intimpflegetücher waren teurer.

Nur fünf von den untersuchten Tüchern davon konnten von den Testern als neutral eingestuft werden. In sieben Produkten waren unnötige Duftstoffe enthalten und dreimal wurden bedenkliche Stoffe festgestellt:

  • Konservierungsstoffe, die hormonähnlich wirken können
  • Duftstoffe, die potentiell Allergien auslösen können
  • Umweltrelevante Stoffe, wie etwa umweltbelastende Silikonverbindungen
  • Stoffe, welche die Haut – auch für Schadstoffe – durchlässiger machen können (PEG – Polyethylenglycol) 


Der gesamte Test findet sich auf der Webseite der AKOÖ

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Konservierungsstoffe können wie Hormone wirken 

Feuchttücher enthalten neben Wasser vor allem Duftstoffe, Konservierungsmittel, Emulgatoren, hautpflegende Substanzen, Lösemittel oder Tenside. Die Konservierungsmittel müssen aufgrund des hohen Wasseranteils zur Stabilisierung eingesetzt werden, damit sich keine Keime in den Feuchttüchern vermehren. Dazu werden wenig bedenkliche Stoffe wie Natriumsorbat, Natriumbenzoat oder durchschnittlich bewertete Stoffe wie Benzoesäure, Dehydroessigsäure, Phenoxyethanol eingesetzt. Vereinzelt werden bedenkliche Stoffe wie Parabene verwendet, die in ihrer chemischen Struktur dem weiblichen Sexualhormon Östrogen ähneln. Sie stehen im Verdacht, das Hormonsystem des Menschen zu beeinflussen, da sie über die Haut leicht aufgenommen werden können. Die Folgen für die Gesundheit sind nicht abschätzbar.

Problematisch ist die Vielzahl an chemischen Stoffen vor allem auch deshalb, da sie nach der Reinigung mit einem Feuchttuch auf der Haut bleiben. 

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„Sensitiv“ heißt nicht duftstoff-frei 

Duftstoffe haben für Reinigungsprodukte im sensiblen Anal- und Intimbereich eigentlich nichts verloren. Und ob solche in den Produkten vorhanden sind, sagt etwa die Kennzeichnung „Sensitiv“ noch gar nichts aus. Will man darauf verzichten, achtet man besser auf Begriffe wie „Ohne Duftstoffe“ oder „Parfumfrei“. Weiters hilft der genaue Blick auf die Inhaltsstoffliste, da Duftstoffe als „Parfum“ oder als kennzeichnungspflichtige Duftstoffe erwähnt werden müssen.

Es kann auch die Auslobung durch das Siegel des DAAB (deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.) Klarheit bringen. Vier der fünf neutral bewerteten Produkte haben das Logo auf dem Etikett enthalten, das fünfte kommt mit einer Empfehlung der DHA (Deutsch Haut- und Allergiehilfe e.V.). 

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Duftstoffe, die Allergien auslösen können 

Zwei der drei nicht empfehlenswerten Feuchttücher enthalten Duftstoffe, die laut EU-Kosmetikverordnung Allergien auslösen können und deshalb auf der Verpackung ausgewiesen werden müssen. Der Hinweis „Parfum“ auf der Verpackung ist zu wenig. Acht weitere Produkte verwenden nicht deklarierungspflichtige Duftstoffe für ihre Feuchttücher. Sieben davon wurden deshalb als bedingt empfehlenswert abgewertet.

Nicht empfehlen kann der Konsumentenschutz ein Intimpflegeprodukt, da dieses darüber hinaus PEG-Derivate und eine Vielzahl an umweltrelevanten Problemstoffen enthält. Duftstoffe gelten generell als Allergieauslöser. Einzelne sind zudem schwer abbaubar und auch ökologisch problematisch. Dass auf Duftstoffe in Feuchttücher gänzlich verzichtet werden kann, beweisen die fünf Testsieger. Vier der Produkte werden deshalb auch vom deutschen Allergie- und Asthmabund empfohlen, das fünfte von der deutschen Haut- und Allergiehilfe. 

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PEG-Derivate in Intimpflegetüchern 

Nicht empfehlenswert sind die Feuchttücher eines großen deutschen und eines schwedischen Herstellers auch aufgrund der Tatsache, dass sie PEG-Derivate enthalten, die unsere Haut an den empfindlichsten Stellen auch für Schadstoffe durchlässiger machen. Das ist vor allem bei Intimpflegetüchern problematisch. Die Intimpflegetücher einer landesweiten Drogeriekette kommen ohne diese aus. 

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Weiter Transport und Probleme bei der Entsorgung 

Feuchttücher werden teilweise weit transportiert. Zum großen Teil werden sie im EU-Raum hergestellt, einzelne Produkte kommen aber auch aus Israel oder USA. Der Wasseranteil ist sehr hoch, es wird also unnötig viel Wasser und Papier viele Kilometer vom Herstellungsort zum Verkaufsort transportiert.

Ein großer negativer Faktor ist auch die Entsorgung. Viele Feuchttücher machen Probleme in der Kläranlage, wo sie z.B. die Pumpen verstopfen. DIE UMWELTBERATUNG empfiehlt deshalb die Entsorgung im Restmüll, unnötiger Abfall entsteht in jedem Fall. 

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Alternativen zu Feuchttücher 

Trockenes oder mit Wasser befeuchtetes Toilettenpapier ist und bleibt das bessere Mittel zum Waschen des Intimbereichs. Noch hygienischer ist es, sich mit Wasser zu reinigen. Mit dem Verzicht auf Feuchttücher vermeidet man zudem überflüssigen Eintrag von Chemikalien ins Abwasser, hilft Kosten für Kanalreinigungen zu reduzieren und verringert den Müll.

 

Mag. Christian Boukal / AKOÖ / DIE UMWELTBERATUNG

Oktober 2019


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 07. Oktober 2019