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Ältere Frau spielt Karten

Pension als kritisches Lebensereignis

Im Durchschnitt gehen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit 60 respektive 63 Jahren in Alterspension. Der Eintritt in den Ruhestand kann als kritisches Lebensereignis gesehen werden, da er viele Veränderungen mit sich bringt. 

Meist endet das Erwerbsleben abrupt und der jahrelange berufliche Alltag wird von einem neuen ungewissen Alltagsrhythmus abgelöst. Dabei entstehen immer wieder auch Ängste und Unsicherheit, sodass dieser Lebensabschnitt oftmals nicht so ohne weiteres zu bewältigen ist.

Diese neue Zeit kann einerseits eine Chance darstellen, um neuen Aufgaben oder Hobbies, für die früher keine Zeit war, nachzugehen. Andererseits fällt manch einer, der sich stark mit „seinem“ Unternehmen identifizierte, den Job als Lebensaufgabe sah und durch den Beruf einen sehr hohen sozialen Status erlebte, durch die Pensionierung in ein tiefes Loch.

Auch Menschen, die über wenig soziale Kontakte außerhalb der Arbeit verfügten, kann die Pensionierung Schwierigkeiten bereiten.

Die Tatsache im Arbeitsalltag nicht mehr gebraucht zu werden sowie die Auseinandersetzung mit dem eigenen fortschreitenden Alter kann zu Ängsten vor körperlichen Einschränkungen und Verlusten führen und eine Depression mitbedingen, die einer Behandlung bedarf.

Sie sollten erste Anzeichen unbedingt ernst nehmen und mit Ihrem Arzt darüber sprechen. 

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Vorbereitung ist wichtig 

Deshalb ist es gut, sich bereits einige Jahre vor dem Ruhestand mit den Veränderungen auseinanderzusetzen, die der neue Lebensabschnitt mit sich bringt, um sich gut vorzubereiten.

  • Denken Sie an Ihre Träume, Wünsche oder Hobbies – Dinge, die Sie schon immer einmal machen wollten, dafür aber vielleicht keine Zeit hatten. Erstellen Sie eine Liste mit schönen Aktivitäten für die erste Zeit in der Pension.
  • Reden Sie mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner und Ihrer Familie über mögliche Veränderungen nach der Pensionierung, sprechen Sie ihre Gedanken und eventuelle Sorgen dazu an. Bei starker psychischer Belastung durch die neue Situation kann es sehr hilfreich sein, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen (Arzt, Klinischer Psychologie oder Psychotherapeut).

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Konkrete Anlaufstellen finden Sie am Ende dieses Beitrags.

  • Versuchen Sie schon einige Zeit vor der Pensionierung vermehrt Ihren persönlichen Interessen nachzugehen, Freundschaften zu pflegen und auch alte Beziehungen wieder aufleben zu lassen.
  • Schließen Sie ihre beruflichen Aufgaben bereits einige Wochen vor der Pensionierung ab und übertragen Sie Ihrem Nachfolger zunehmend ihre Arbeiten.
  • Eine Abschiedsfeier mit den Kollegen als Ritual erleichtert es vielen Arbeitnehmern, ihr Erwerbsleben zu verlassen und einen neuen glücklichen Lebensabschnitt zu starten. In manchem Firmen gibt es zusätzlich die Möglichkeit, Seminare zur Pensionsvorbereitung zu besuchen.
  • Das Modell der Arbeitsteilzeit stellt einen sanften Übergang zwischen Arbeitsalltag und Pensionierung dar. Der Arbeitnehmer kann sich wieder an mehr freie Zeit gewöhnen und seine persönlichen Interessen finden oder wieder aufnehmen. 
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Stress ade 

Die Zeit ohne Stress und ohne ständige Aufgaben sollte man als Pensionist genießen. Darüber hinaus ist es aber auch wichtig, auf die eigene Gesundheit zu schauen. Bleiben Sie aktiv, bewegen Sie sich täglich (spazieren gehen, Nordic Walking, schwimmen, Fahrrad fahren etc.) und genießen Sie gesundes Essen, damit Sie geistig fit und gesund bleiben. Denn mit Bewegung und Sport fördern Sie Ihre körperliche und psychische Gesundheit. Die Wahrscheinlichkeit an psychischen Erkrankungen (u.a. Depressionen) und körperlichen Erkrankungen (Diabetes Mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen) zu leiden verringert sich bei regelmäßiger Bewegung. Gruppensport macht mehr Spaß und Sie pflegen gleichzeitig Ihre sozialen Kontakte. Auch Stürzen wird durch regelmäßige Bewegung (124.9 KB)  vorgebeugt. 

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Geistig fit bleiben 

Aber nicht nur der Körper gehört trainiert, sondern auch das Gehirn. Im Berufsleben werden die kognitiven Fähigkeiten meist gut beansprucht. Um auch in der Pension geistig fit zu bleiben, ist es deshalb wichtig, die Konzentration und das Gedächtnis gezielt zu fördern.

  • Besuchen Sie Kurse und Weiterbildungen (Musikinstrumente, neue Sprachen, Malkurse und handwerkliche Kurse)
  • Lösen Sie Sudokus, Rätsel, Denkaufgaben, Zahlenübungen, Knobel- oder Memory-Spiele
  • Lesen Sie Bücher und Zeitschriften 
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Gesunde Ernährung 

Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist ebenso wichtig, um körperlich und geistig fit zu bleiben. Frische Lebensmittel, wie frisches Gemüse und Obst, enthalten am meisten Vitalstoffe. Personen, die in ihrem Berufsalltag körperlich sehr gefordert waren, sollte bewusst sein, dass sie im Ruhestand weniger Kalorien verbrauchen. Bei gleicher Kalorienzufuhr und weniger Bewegung führt dies meist zu Übergewicht

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Neue Tagestrukturen 

Eine Alltagsroutine und eine mehr oder weniger starke Auslastung sind im Ruhestand wichtig. Strukturieren Sie ihren Tagesablauf mit bestimmten Aufgaben. Genießen Sie aber auch die flexible Zeitgestaltung und die freie Zeit, die der Ruhestand mit sich bringt.

Für die eigene psychische Gesundheit kann die Beteiligung an der Gesellschaft und sinnvolle Tätigkeiten, die etwa auch andere unterstützen, sehr förderlich sein. Eine kleine Nebentätigkeit oder ehrenamtliche Tätigkeiten in Vereinen oder Hilfsorganisationen, Betreuung der Enkelkinder oder die Beschäftigung als Leihoma oder -opa können das Leben in der Pension vielfältiger gestalten.

Überlegen Sie sich aber zuvor gut, ob die ausgewählte Tätigkeit auch gut zu Ihnen passt, keine Belastung darstellt und mit ihrem Wohlergehen im Einklang steht. Der Tagesablauf sollte immer auch entspannende Tätigkeiten enthalten.

Um sich rundum wohl zu fühlen, sind die sozialen Kontakte sehr wichtig. Falls Sie Ihren Freundeskreis gerne erweitern möchten, können Sie sich einem Klub oder Verein anschließen. Dort treffen Sie regelmäßig andere Menschen und können neue Bekanntschaften knüpfen.

Die neue Lebensphase wird oft auch spürbar in der Partnerschaft. Ging man früher täglich in die Arbeit, verbringen die Partner nun plötzlich viel Zeit miteinander und müssen lernen, die Eigenarten des anderen – wieder – zu akzeptieren. Unterschiedliche Vorstellungen vom Rentnerleben können zu Konflikten führen. Wenn man sich jedoch Freiheiten lässt, die jeweiligen Standpunkte akzeptiert und gemeinsam Kompromisse sucht, kann die Partnerschaft im neuen Lebensabschnitt wachsen. 

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Professionelle Anlaufstellen für alle (Not-) Fälle: 

 

 

 

 

  • Rat auf Draht- ORF-Kinder- und Jugendhotline: 147
    • 24 Stunden- gratis aus ganz Österreich

 

Mag. Nina Lankes

August 2019


Bild: shutterstock

 


Zuletzt aktualisiert am 23. August 2019