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Hornisse

Hornissenstich: Kein Fall für die Notfallambulanz

„Ein Hornissenstich ist tödlich“, „sieben Hornissenstiche töten ein Pferd“ oder auch „Wespen sind besonders aggressiv und stechwütig“ – alles Sätze, die vor allem im Sommer häufig fallen. Doch hinter diesen steckt meist ein Mythos, hält die Ärztekammer für OÖ fest. 

Besonders der Irrglaube, Hornissenstiche seien tödlich, hält sich in der Bevölkerung hartnäckig. Doch die Stiche an sich sind im Vergleich nicht so gefährlich: Das Gift einer Hornisse ist wesentlich harmloser als das von Biene und Wespe. Trotzdem finden sich in den heimischen Ambulanzen viele Patienten, die genau deshalb die Notaufnahme aufsuchen. Der Stich einer Hornisse ist zwar schmerzhafter als bei Biene und Wespe, aber nur in bestimmten Situationen wirklich gefährlich: Und zwar bei Stichen in den Mund- oder Rachenraum, weil die Einstiche anschwellen und der Mensch nicht mehr atmen kann. Weiteres Gefahrenpotential ist dann gegeben, wenn eine Allergie besteht. 

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Hausmittel statt Ambulanz 

Mit einem „normalen“ Hornissen- oder Wespenstich ist ein Ambulanz-Besuch nicht nötig, hält Dr. Harald Mayer, Kurienobmann angestellte Ärzte der Ärztekammer für Oberösterreich und Unfallchirurg im Klinikum Schärding fest: „Stiche von Biene, Wespe und Hornisse sind ganz klar kein Fall für die Notfallambulanzen. Denn damit erhöhen sich nur die Wartezeiten für alle ernsteren Fälle“, warnt Mayer.

Für Dr. Wolfgang Ziegler, stellvertretender Kurienobmann niedergelassener Ärzte der Ärztekammer für Oberösterreich, ist so ein Stich ein klassischer Fall für altbewährte Hausmittel: „All diese Symptome können mit Hausmitteln und kühlenden Umschlägen selbst behandelt werden. Wissen Betroffene nicht, was zu tun ist, gibt es auch noch die Gesundheitstelefonnummer 1450, unter der geschultes Personal Tipps zur Linderung gibt. Die sichtbaren Symptome von Hornissenstichen, wie juckende Rötungen und Schwellungen, sind in der Regel nach ein paar Tagen wieder verschwunden“, erklärt Ziegler. Der Stich selbst kann auf Hagelkorngröße anschwellen oder noch größer werden. Meist tritt eine Rötung der Haut rund um die Einstichstelle bis zu einer Fläche von 10 cm Durchmesser auf. Ein kühlendes Gel mit einem Antihistaminikum kann die Beschwerden lindern. 

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Vorgehen nach dem Stich 

„Die Einstichstelle sollte desinfiziert und anschließend gekühlt werden. Klingen die Beschwerden, also Schwellung und Rötung, nicht nach zwei bis drei Tagen ab, sollte man den Hausarzt aufsuchen“, rät Ziegler. Bei Bienen muss zusätzlich der Stachel aus der Wunde entfernt werden. 

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Notruf bei Allergie und Stich im Mund- und Halsbereich 

Anders sieht die Situation natürlich dann aus, wenn ein Stich in Mund- beziehungsweise Rachenraum erfolgt oder eine Allergie besteht: Dann ist natürlich die Rettung und Notarzt unter der Notrufnummer144 zu verständigen. Die Einstichstelle im Mund, Rachen oder Hals kann durch das Lutschen eines Eiswürfels gekühlt werden, bis der Notarzt eintrifft.

Bei einer Allergie treten innerhalb weniger Minuten Symptome auf wie Übelkeit, Kopfschmerzen, Blutdruckabfall, großflächigen Hautreaktionen und Atemnot. Ist eine Insektengiftallergie bekannt, sollten Betroffene stets ein vom Arzt zusammengestelltes Notfallset bei sich tragen, damit die Medikamente bei einem allergischen Schock in Reichweite sind. 

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Wespen, Hornissen & Bienen: Friedfertige Tiere 

Generell gilt: Wespen, Hornissen und Bienen stechen nur, wenn sie sich bedroht fühlen, daher sollte man die Tiere nicht unnötig provozieren. Zudem werden Wespen angelockt, wenn draußen gegessen wird, daher sollte auf das Verschließen von Speisen geachtet werden.

 

Mag. Christian Boukal / ÄKOÖ

August 2019


Bild: shutterstock



Zuletzt aktualisiert am 14. August 2019