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Mann greift sich an die Brust

Selten, aber gefährlich

Brustkrebs kann nicht nur Frauen betreffen. Männer erkranken zwar viel seltener, sind aber vor einem Mammakarzinom nicht gefeit. Im Gegenteil: Männer gehen bei Veränderungen im Brustbereich oft sehr spät zum Arzt, was die Früherkennung und damit die Heilungschancen negativ beeinflusst. 

Der 67-jährige Franz L. verdankt möglicherweise seiner Frau Elisabeth sein Leben. Denn er hat einen „Knubbel“ im Brustbereich zunächst nicht bemerkt und dann nicht ernst genommen. Elisabeth hat ihn gedrängt, zum Arzt zu gehen. Franz L. hat das Mammakarzinom zum Glück überlebt, leider ist das nicht immer der Fall. Viele Männer wiegen sich in falscher Sicherheit und gehen viel zu spät zum Arzt. „Brustkrebs beim Mann ist zwar eine ganz seltene Krankheit, aber es gibt sie. In Österreich sind pro Jahr zwischen 75 und 90 Männer betroffen“, warnt Oberarzt Dr. Dieter Rossmann vom interdisziplinären Brustzentrum am LKH Steyr. Betroffen sind vor allem Männer im Alter zwischen 60 und 80 Jahren. Erfreulicherweise ist in den vergangenen Jahren die Sensibilität für diese Krankheit gestiegen, wodurch sie in einigen der Fälle lebensrettend früher diagnostiziert werden konnte.  

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Symptome ernst nehmen

Als Symptome für ein Mammakarzinom bei Männern gelten Knoten und Verhärtungen der Brust, Entzündungen oder Ausfluss aus der Brustdrüse, eine Delle in Brusthaut oder -warze, Entzündungen oder Wunden im Brustbereich, die nicht abheilen sowie vergrößerte oder verhärtete Lymphknoten in der Achselhöhle. Dr. Rossmann: „Besteht der Verdacht auf eine Erkrankung, sollten Betroffene zunächst den Hausarzt aufsuchen, weil unbedenkliche Diagnosen wie etwa gutartige Fettgewebsbildungen die Ursache dafür sein können.“ Erhärtet sich der Verdacht, erfolgt eine Überweisung zum Radiologen, der zunächst eine Ultraschalluntersuchung vornimmt. Wenn diese keine Klarheit bringt, folgt eine Mammografie. Endgültige Klarheit, ob eine Veränderung gut- oder bösartig ist, bekommen Betroffene durch die Entnahme einer Gewebeprobe mittels Biopsie.  

Die Ursachen für eine Brustkrebserkrankung beim Mann sind noch nicht zur Gänze erforscht. Als sicher gilt jedoch, dass bei etwa einem Viertel der Fälle Genveränderungen vorliegen. Vor allem die „BRCA-Gene“ – sie können beim Patienten entweder spontan auftreten oder vererbt worden sein – steigern das Risiko. Ein bis zu 60-fach erhöhtes Risiko stellt das Klinefelter-Syndrom dar, eine angeborene Störung der Chromosomenzahl bei Männern. Risikofaktoren sind zudem ein ungewöhnlich hoher Östrogenspiegel, meist verursacht durch starkes Übergewicht oder schweren Alkohol- und Nikotinkonsum. 

Lautet die Diagnose Brustkrebs, wird in der Regel operiert – aber nicht brusterhaltend. „Der Vorteil ist, dass sich der Patient dadurch die Nachbestrahlung erspart“, betont der Experte. „Außerdem mache die Entfernung der Brust Männern psychisch weniger zu schaffen als Frauen.“ Wenn sich Krebszellen in benachbarten Lymphknoten nachweisen lassen, muss der Chirurg diese ebenfalls entfernen. Im Anschluss an die Operation wird den Patienten eine mehrjährige Anti-Hormontherapie verordnet. Die Heilungsrate bei an Brustkrebs erkrankten Männern ist in den vergangenen Jahren gestiegen und liegt bei 75 Prozent. Dr. Rossmann empfiehlt Betroffenen, sich auf das Vorhandensein von BRCA-Genen testen zu lassen. Das gibt Aufschluss darüber, ob für Familienmitglieder ein erhöhtes Erkrankungsrisiko besteht.

 

Mag. Conny Wernitznig

August 2019

 

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Kommentar 

Selten, aber gefährlich Kommentarbild OA Dr. Dieter Rossmann „Die psychische Belastung ist bei Männern geringer als bei Frauen, vor allem, weil sie sich keinen Operationen zum Brustwiederaufbau unterziehen müssen.“

OA Dr. Dieter Rossmann

Facharzt für Innere Medizin Abteilung für Innere Medizin II am LKH Steyr


Bilder: shutterstock; privat


Zuletzt aktualisiert am 06. September 2019