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Frau sitzt auf dem Fahrrad

Irrtümer über Hämorrhoiden

Entstehen sie durch einen harten Fahrradsattel oder Sitzen am kalten Boden? Um die Entstehung der Gefäßpolster ranken sich viele Mythen. Ein Chirurg aus dem Landeskrankenhaus Freistadt klärt auf.

Hämorrhoiden hat jeder Mensch. Sie sind Gefäßpolster, die mithelfen, den Analausgang abzudichten. Krankhaft werden Hämorrhoiden erst dann, wenn sich in diesen Gefäßpolstern Blut staut und nicht mehr abfließen kann. Die Hämorrhoiden vergrößern sich. Symptome sind hellrotes Blut auf Stuhl oder Toilettenpapier, Juckreiz im Analbereich, Nässen und Brennen oder ein Gefühl der unvollständigen Entleerung nach dem Stuhlgang.

"Laut Schätzungen ist fast jeder Dritte über 30 Jahren und sogar jeder Zweite über 50 Jahren von der Erkrankung betroffen", sagt Primar Michael Wacha vom Landeskrankenhaus Freistadt. Der Chirurg entkräftet folgende Mythen über die Entstehung von Hämorrhoiden:

Ein harter Fahrradsattel ist schuld. Im Gegenteil – Radfahren entlastet den Beckenboden und beugt Beschwerden sogar vor. Sind die Hämorrhoiden schon vergrößert und nässen, kann es durch die Reibung beim Radfahren aber zu Entzündungen kommen.

Eine Sitzheizung im Auto lässt Hämorrhoiden anschwellen. Falsch. Die bessere Durchblutung durch Sitzheizungen kann aber zu Analvenenthrombosen führen.

Das Sitzen auf kalten Untergründen verursacht Hämorrhoidenbeschwerden. Falsch. Durch die kalte Umgebung wird jedoch die Afterregion stärker durchblutet und die Gefahr der Bildung einer Analvenenthrombose besteht.

Wer keine gute Hygiene betreibt, bekommt Hämorrhoiden. Körperpflege hat nichts mit der Entstehung eines Hämorrhoidalleidens zu tun.

Hämorrhoiden bluten. Das ist nicht immer richtig. Nur wenn die Schleimhaut, die die Hämorrhoiden überzieht, gereizt wird, kommt es zu einer Blutung. Bleibt jedoch eine Reizung aus, bluten auch große Hämorrhoiden nicht. Vor allem schwarzes Blut im Stuhl sollte man aber immer abklären lassen – denn das hat nichts mit Hämorrhoiden zu tun.

Der Besuch in der Sauna vergrößert Hämorrhoiden. Die Sauna fördert die Durchblutung, führt aber nicht zu einer Vergrößerung der Hämorrhoidenpolster. Bei einem fortgeschrittenen Hämorrhoidenleiden können sich bestehende Beschwerden aber verstärken.

Die Untersuchung ist schmerzhaft. Eine Afterspiegelung ist bei fachgerechter Durchführung niemals schmerzhaft und braucht auch keine örtliche Betäubung.

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Ursachen

"Hämorrhoidalleiden entstehen vor allem dann, wenn der Analbereich unter hohem Druck steht", sagt Wacha. Ursachen für den Druck können sein:

  • Pressen beim Stuhlgang
  • Verstopfung durch ballaststoffarme Ernährung, zu wenig Flüssigkeitsaufnahme und Bewegungsmangel
  • Zu langes Sitzen auf der Toilette
  • Übergewicht
  • Eine angeborene Schwäche des Bindegewebes, die zur Erschlaffung der Haltemuskeln führen

Generell gilt, dass man Hämorrhoiden immer zuerst fachärztlich abklären sollte, bevor man sie behandelt. Sind die Hämorrhoiden noch nicht stark vergrößert, dann bringen mehr Bewegung, ballaststoffreiche Ernährung, kühlende Bäder mit Eichenrinden- und Kamillenextrakt sowie abschwellend und schmerzstillend wirkende Zäpfchen Linderung.

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Veröden oder entfernen

Ist es nötig, die Gefäßpolster zu veröden, so wird ein gewebeschrumpfendes und -festigendes Mittel in die Gefäßzuflüsse der Hämorrhoiden gespritzt. Die Blutgefäße werden kleiner und ziehen sich in den Enddarm zurück.

"Bei der Gummibandligatur werden die vergrößerten Hämorrhoiden mithilfe eines Gummibands abgeschnürt, die Durchblutung stoppt und das Hämorrhoidalgewebe stirbt ab", sagt der Mediziner. Manchmal ist auch ein chirurgischer Eingriff sinnvoll, bei dem die Hämorrhoiden operativ entfernt werden.

 

Logo OÖNachrichten Dietlind Hebestreit

Gesundheitsmagazin der OÖNachrichten

10. Juli 2019


Bild: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 12. Juli 2019