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Frau wird an der Schilddrüse untersucht

Schilddrüse wirkt auf Knochen und Herz

Klein, aber „oho“ – so könnte man die Wirkung der Schilddrüse bezeichnen. Die Schmetterlingsdrüse im Hals steuert mit ihren Hormonen viele wichtige Körperfunktionen und ist der Motor unseres Stoffwechsels. Eine andauernde und unbehandelte Fehlfunktion wirkt sich vor allem auf Herz-Kreislauf und Knochengesundheit aus. 

Die Schilddrüse liegt unterhalb des Kehlkopfes und in die Rückseite ihrer Lappen sind die vier kleinen Nebenschilddrüsen eingebettet. Das Organ produziert die Hormone Thyroxin (T4) und Trijodtyronin (T3), die verschiedene Stoffwechsel-, Wachstums- und Entwicklungsprozesse beeinflussen. Die Steuerung der Schilddrüsenfunktion passiert über das schilddrüsenstimulierende Hormon (TSH), das in der Hypophyse im Gehirn gebildet wird. Man spricht von euthyreoter Stoffwechsellage, wenn sich genügend T4 und T3 im Blut befinden, und der TSH-Wert im Normbereich liegt.

Ein Drittel bis die Hälfte der österreichischen Bevölkerung zeigen eine Schilddrüsenerkrankung; Fehlfunktionen sind bei Frauen häufiger als bei Männern und nehmen mit dem Alter zu. Wenn das TSH über den Normwert ansteigt, werden von der Schilddrüse zu wenige Hormone gebildet. Das ist ein Zeichen für eine sich anbahnende Unterfunkton. Sinken T3 und T4 unter den Normbereich, manifestiert sich die Unterfunktion (Hypothyreose). Hauptgrund dafür ist die Autoimmunerkrankung Hashimoto Thyreoditis.

Sind zu viele Schilddrüsenhormone im Blut spricht man von einer Überfunktion (Hyperthyreose). Hauptursachen sind die Autoimmunkrankheit Basedow’sche Erkrankung oder heiße Knoten (autonome Adenome). Vor allem bei jüngeren Frauen ist Basedow der Grund für die Überfunktion.  

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Osteoporosegefahr 

Vor allem Frauen glauben, dass der Rückgang weiblicher Hormone im Wechsel hauptverantwortlich für die Entstehung einer Osteoporose ist. Auch die Überfunktion der Schilddrüse kann die Knochendichte beeinflussen: Daher bei Schilddrüsenproblemen immer die Knochendichte messen und bei Osteoporose die Schilddrüse abklären lassen. Andere Risikofaktoren für Knochenschwund sind zum Beispiel auch Magersucht, länger andauernde Cortisoneinnahme, eine Antikörpertherapie etwa nach Brust- oder Prostatakrebs und Alkoholsucht.

Zeitlebens wird die Knochenmasse ständig auf- und abgebaut. Zu viele Schilddrüsenhormone beschleunigen den Kalziumstoffwechsel im Knochen. Langfristig überwiegt der Knochenabbau.

Die Überfunktion muss behandelt werden. Oftmals ist davon auch die Nebenschilddrüse betroffen. Sie produziert das Parat-Hormon, das bei Überfunktion dem Knochen Kalzium entzieht, was das Risiko für Osteoporose zusätzlich erhöht.

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Therapieoptionen

  • Schilddrüsenblockierende Medikamente (Thyreostatika): „Je nach Ursache und Ausprägung der Überfunktion sind Thyreostatika häufig als Übergangsmaßnahme zu sehen. Langfristig wird das kranke Organ oftmals entfernt“, sagt Prim. Univ.-Prof. Dr. Michael Gabriel, Vorstand des Instituts für Nuklearmedizin und Endokrinologie am Kepleruniversitätsklinikum Linz. Richtig eingesetzt normalisiert sich der Stoffwechsel mit Thyreostatika nach ein bis zwei Monaten und senkt so die Gefahr schilddrüsenbedingt an Osteoporose zu erkranken.
    Als Nebenwirkungen der Medikamente können allergische Reaktionen und sehr selten auch eine Schädigung der weißen Blutkörperchen vorkommen.
  • Radiojodtherapie: Dabei werden Kapseln mit radioaktivem Jod geschluckt, die sozusagen das Organ von innen her bestrahlen. „Der Wirkstoff lagert sich in der Schilddrüse ein und zerstört dort Gewebe. Bei jungen Menschen, bei denen Familienplanung noch ein Thema ist, wird diese Behandlung nicht durchgeführt“, sagt Gabriel.
  • Entfernung der Schilddrüse: Sie ist in vielen Fällen als Dauerlösung die Behandlung erster Wahl. „Wichtig ist, dass der Eingriff, sofern möglich, in einem Zentrum mit Erfahrung in der Schilddrüsenchirurgie durchgeführt wird. Nach der Entfernung wird das Schilddrüsenhormon ersetzt und kann sehr gut eingestellt werden“, erklärt der Nuklearmediziner. 
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Bringt unseren Motor aus dem Takt 

Die Hyperthyreose kurbelt wie erwähnt Herz und Kreislauf an. Symptome sind: Herzklopfen, Steigerung des Pulses, Reizbarkeit, Nervosität, Unrast, Schlaflosigkeit, Schlafstörungen, Schwitzen, Zittern, trockene Haut, Muskelschwäche, Durchfall und Heißhunger ohne Gewichtszunahme. Das schnelle Herzklopfen ist unangenehm, kann Angst machen und belastet das Herz. „Während der Einfluss einer Überfunktion auf die Knochen langfristig zu sehen ist, zeigen sich beim Herzen etwa innerhalb der ersten drei Monate schon Auswirkungen“ sagt Gabriel. Auf Dauer kann die Überfunktion zu Herzrhythmusstörungen wie etwa Vorhofflimmern führen. Anhaltende Tachykardie (sehr hohe Pulsfrequenz) forciert auf Dauer eine Herzschwäche.

Therapiert wird mit Thyreostatika, wodurch sich die Herzbeschwerden bessern und einer Schädigung des Herzens vorgebeugt wird. Zusätzlich können individuell Beta-Blocker zum Schutz des Herzens verordnet werden. Diese Medikamente senken Puls, Blutdruck und können Rhythmusstörungen entgegen wirken.

Die Hypothyreose bremst den Stoffwechsel und führt zu Müdigkeit, Antriebsschwäche, Gewichtszunahme, depressiver Verstimmung, Verstopfung, Wassereinlagerung, unerfülltem Kinderwunsch, Leistungsabfall, Konzentrationsstörungen. Auch Puls und Herzschlag können sich verlangsamen und somit ist es möglich, dass der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, weil die Durchblutung sinkt. Die Unterfunktion verzögert auch den Abbau von Cholesterin, was sich in der Erhöhung des Gesamtcholesterin im Blut sowie des „schlechten“ LDL-Cholesterins zeigt. Das wiederum kann zu Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) führen, welche das Risiko für Infarkt und Schlaganfall erhöht.

„Erkennen ältere Menschen genannte Symptome, diese nicht als normale Alterserscheinung abtun, sondern den Arzt aufsuchen und die Schilddrüsenfunktion abklären lassen“, rät der Linzer Nuklearmediziner. Die Unterfunktion kann durch Zuführen von Schilddrüsenhormonen relativ leicht und unkompliziert behoben werden. Die Hormonwerte während der Therapie regelmäßig kontrollieren lassen. Denn bei einer Überdosierung ergeben sich dieselben Nebenwirkungen wie bei einer Überfunktion des Organs. 

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Schilddrüsenhormone richtig einnehmen 

Folgendes soll beachtet werden:

  • Einnahme morgens mit Wasser auf nüchternen Magen, etwa 30 Minuten vor dem Frühstück. Getränke wie Kaffee, Milch oder Schwarztee blockieren die Aufnahme der Wirkstoffe.
  • Wer gleichzeitig Magenschutzpräparate (Pantoprazol), Kalzium- oder Eisenpräparate einnimmt, muss diese einige Stunden zeitversetzt (mindestens vier Stunden) zuführen. Das gilt auch für kalziumreiche Nahrung wie etwa Käse, Milch oder Milchprodukte. 
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Einfluss diverser Herzmedikamente 

Verschiedene Herzmedikamente nehmen Einfluss auf die Schilddrüsenfunktion:

  • Medikamente mit dem Wirkstoff Amiodaron (Handelsname Sedacoron), die gegen bestimmte Herzrhythmusstörungen zum Einsatz kommen, haben einen sehr hohen Jodgehalt. Das kann bei längerer Einnahme auch bei Menschen mit gesunder Schilddrüse zu einer so genannten amiodaroninduzierten Hyperthyreose führen. Vor allem wenn schon eine Überfunktion besteht, die aber noch nicht erkannt worden ist, kann das lebensbedrohlich werden. „Die Schilddrüsenfunktion muss vor und während der Behandlung mit Amiodaron regelmäßig kontrolliert werden. Gibt es keine Alternative zu diesem Herzmedikament, muss die Überfunktion so rasch wie möglich beseitigt werden“, warnt Gabriel vor Komplikationen.
  • Andere Herzmedikamente wie etwa Chinidin, Digitalis können die Wirkung von Schilddrüsenhormonen auf das Herz verstärken und eventuell Rhythmusstörungen verschlimmern.
  • Betablocker können eine vorhandene und nicht bekannte Überfunktion verschleiern. Setzt man sie ab, kann es ebenfalls zu Herzrhythmusstörungen kommen.
  • Auch jodreiche Kontrastmittel, die zum Beispiel bei einer Herzkatheteruntersuchung injiziert werden, können bei unbekannten Funktionsstörungen der Schilddrüse Herzprobleme auslösen. Daher sollte vor jeder solchen Herzuntersuchung der Status der Schilddrüse abgeklärt werden.
     


Mag. Christine Radmayr

Juli 2019


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 10. Juli 2019