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Mädchen sitzt verzweifelt auf der Stiege mit Rucksack

Wenn der Leistungsdruck zu groß wird

Endspurt in der Schule: Für viele Kinder und Jugendliche ist der Stress eine große Belastung. Die Krisenhilfe hat Tipps

Einsam, traurig und überfordert: So fühlt sich eine 18-jährige Gymnasiastin – und zwar schon seit Wochen. Das erzählt die junge Oberösterreicherin beim Anruf bei der Krisenhilfe. Sie hat Probleme mit den Eltern – beide Akademiker –, die auf gute Noten drängen und ihre Versagensängste nicht ernst nehmen. Dazu kommt, dass sie in der Klasse keinen Anschluss findet und in puncto Aussehen und Styling nicht mit den anderen Mädchen mithalten kann.

Sorgen, die Sonja Hörmanseder, Leiterin der Krisenhilfe Oberösterreich, gut kennt – gerade am Ende des Schuljahres. "Jetzt kommt es für viele geballt, die letzten Schularbeiten und Tests stehen an, der Leistungsdruck steigt. Und das hinterlässt Spuren."

Wird der Stress allerdings zu zuviel oder dauert die Überforderung zu lang, dann könne das ernsthafte Folgen für die Gesundheit haben. "Schulstress zeigt sich vor allem durch Verhaltensänderungen, die sich aber bei jedem Kind und Jugendlichen unterschiedlich äußern", sagt Hörmanseder.

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Das sind die "Warnsignale"

Typische Warnsignale für Schulstress können sein: Bauchweh, Kopfschmerzen, Schlafstörungen wie Einschlafschwierigkeiten, Müdigkeit, Niedergeschlagenheit, Aggressivität, permanente schlechte Laune, Nervosität, Konzentrationsschwierigkeiten, Traurigkeit, aber auch Essstörungen, Angst und sozialer Rückzug. "Letzteres kommt eher bei Jugendlichen vor, selten bei Kindern", so Hörmanseder. "Das Beste, das Eltern in solchen Situationen tun können, ist, Kindern und Jugendlichen zuzuhören. Und die Sorgen und Probleme auch ernst zu nehmen."

Wie wichtig das sei, zeigen aktuelle Zahlen: Einer Studie aus Deutschland zufolge gaben bereits 25 Prozent der Kinder und Jugendlichen an, oft oder sogar sehr oft unter Stress zu leiden. "Und das ist bestimmt auch bei uns nicht viel anders", sagt Martin Schmid von der Krisenhilfe. "Wir merken auch, dass die Zahl der jungen Anrufer tendenziell zunimmt."

Als Grund dafür vermutet der Experte, dass die Anforderungen an die jungen Menschen tatsächliches ständig steigen. "Zum anderen hoffe ich natürlich auch, dass es damit zusammenhängt, dass es heute kein Tabu mehr ist, sich Hilfe bei Problemen zu holen." Damit es gar nicht so weit kommt, nennt Schmid fünf Tipps gegen Schulstress

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Fünf Tipps gegen Schulstress

1 Ausgleich ist gerade in hektischen Zeiten ganz wichtig – auch gemeinsam mit der Familie, "Stichwort Quality-Time", sagt Schmid. "Eines der banalsten, aber auch besten Mittel, um Stress abzubauen, ist auch Bewegung."

 

2 Freizeitstress vermeiden: Wenn man in der Schule "Vollgas" geben muss, sollte man Stress in der Freizeit vermeiden, rät Martin Schmid. "Vielleicht kann man Verwandtenbesuche oder andere Verpflichtungen auf einen günstigeren Zeitpunkt in den Ferien verschieben."

 

3 Verständnis: Eltern und Umfeld sollten verstehen, dass Schulstress wirklich an die Substanz gehen kann, und somit die Kinder/Jugendlichen vielleicht auch etwas mehr schonen. Wichtig ist auch zu bedenken: Nicht jeder kann in allem gut sein.

 

4 Erwartungen senken: Oftmals sind auch die Erwartungen der Eltern der Auslöser für Stress. Muss das Kind wirklich stets mit Bestnoten heimkommen, oder tut es auch eine schlechtere Note? Das würde das Kind sicherlich entlasten.

 

5 Kindern/Jugendlichen helfen, Strategien zu lernen: "Oftmals haben Erwachsene gelernt, mit Stress umzugehen – Yoga, Meditieren, Atem- und Aufmerksamkeitsübungen: Vielleicht kann das Kind ja auch davon profitieren", rät Schmid.

 

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Schnelle Hilfe

Die Krisenhilfe OÖ bietet unter der Telefonnummer 0732 / 2177 Unterstützung bei psychischen Krisen.
Das Angebot umfasst telefonische und persönliche Krisenintervention, Onlineberatung, Hausbesuche und Unterstützung nach traumatischen Ereignissen. Alle Leistungen sind für die Betroffenen kostenlos. Die Krisenhilfe OÖ ist ein gemeinsames Projekt von pro mente, EXIT-sozial, Rotes Kreuz, Telefonseelsorge und der Notfallseelsorge.

 

Logo OÖNachrichten Valerie Hader

Gesundheitsmagazin der OÖNachrichten

6. Juni 2019 

 

Bild: shutterstock 

Zuletzt aktualisiert am 11. Juni 2019