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Junge Frau hat auf der Schulter eine Tätowierung mit Vögel

Wie gefährlich sind Tattoos?

Tattoos können ein Risiko für die Gesundheit darstellen. Oftmals bereitet ein Tattoo zwar keinerlei Beschwerden, aber bestimmte Risikofaktoren sind vorhanden. Bereits das bloße Setzen der Nadeln verursacht eine Wunde, die sich entzünden kann. 

Mögliche akute Folgen der Nadelstiche sind Rötungen und Schwellungen, Infektionen der Wunde, Einblutungen und natürlich Schmerzen. Häufig kommt es auch zu einem Juckreiz, der rund vier Wochen andauert. Bei einer Entzündung oder Infektion sollte man einen Dermatologen aufsuchen. Weitere Risiken sind:

  • Wundheilungsstörungen
  • Werden nicht-sterile Nadeln eingesetzt, steigt das Risiko auf Hepatitis C
  • Bei starker Sonneneinstrahlung kann es vermehrt zu Schwellungen und Juckreiz kommen
  • Großflächige Tattoos können die Schweißabführung beeinträchtigen
  • Mangelnde Hygiene: Die Einhaltung von Hygienestandards seitens des Tätowierers ist unbedingt nötig. Dies beinhaltet zum Beispiel das Tragen von Einmalhandschuhen und das Desinfizieren des Arbeitsbereiches. Bei mangelhafter Hygiene drohen Hautentzündungen und übertragbare Krankheiten wie Hepatitis oder AIDS. Im Zweifel sollte das Studio gewechselt werden. 
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Henna als Allergieauslöser 

Tattoos können auf der Haut allergische Reaktionen auslösen. Sie treten vor allem bei Tätowierungen mit dem Farbstoff Henna auf. Eine Henna-Allergie hat die Eigenschaft, dass die Reaktion nicht sofort, sondern erst verzögert auftritt. Das Tattoo selbst verschwindet mit der Zeit, die Allergie aber bleibt. „Vor allem wenn solche Tattoos im Urlaub gemacht werden, zum Beispiel in Ägypten, kommt es oft zu Problemen. Wenn sich jemand einige Jahre nach einer Henna-Tätowierung die Haare färben lässt, dann kommt es immer wieder vor, dass dann schwerste allergische Reaktionen auftreten “, sagt Priv.-Doz. DDr. Wolfram Hötzenecker, Primar der Klinik für Dermatologie und Venerologie am Kepler Universitätsklinikum und Leiter des Allergie Zentrums am Kepler Uniklinikum. 

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Unbekannte und gefährliche Inhaltsstoffe 

Trotz der Risken, die Tattoos für die Gesundheit darstellen können, gibt es keine behördlichen Zulassungsregelungen für die Stoffe, die beim Tätowieren verwendet werden dürfen. Jeder Tätowierer kann frei entscheiden, welche Produkte er verwendet.

Die meisten Farbpigmente gelten als sicher und ungefährlich. Doch werden auch immer wieder giftige und krebserregende Substanzen gefunden, die den Menschen gestochen wurden. Da Tattoo-Farben nicht zulassungspflichtig sind, kommen bedenkliche Produkte immer wieder in Umlauf. „Meist weiß man gar nicht, was in den Farben enthalten ist, welche Chemikalien und Schwermetalle. Leider gibt es hier nur ein sehr geringes Risikobewusstsein“, so der Dermatologe.

In den Farben können auch Konservierungsstoffe, Lösungsmittel und Metalle wie Arsen oder Nickel sein. Sogar Bestandteile von Lacken finden sich immer wieder in Tattoos. „Wie gesund das ist, kann sich jeder selbst ausmalen. Früher war bei Tattoos Magenta-Rot sehr beliebt. Dasselbe Rot, das sich auch in vielen Auto-Lackierungen findet. Da es viele Hautreaktionen hervorgerufen hat, wird es inzwischen kaum mehr verwendet“, sagt Hötzenecker.

Fazit: Beim Tätowieren lässt man sich freiwillig Stoffe unter die Haut stechen, ohne die möglichen Langzeitschäden abschätzen zu können. „So viele tragen die Farbe unter der Haut und keiner weiß, was damit im Körper geschehen kann“, so Hötzenecker. 

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Pigmente im Körper 

Fraglich ist, was langfristig mit den eingebrachten Pigmenten (die für die Farbe sorgen) passiert. Sicher scheint, dass viele Pigmente nicht dort bleiben, wo die Nadeln sie in die Haut stechen. Sie wandern im Körper, zirkulieren im Blut und sammeln sich in den Lymphknoten oder der Leber. „Sie dürften ein Leben lang im Körper bleiben. Klar ist, dass sie das Immunsystem beschäftigen und dessen Aufmerksamkeit auf sich lenken. Was das langfristig bedeutet, weiß keiner. Neue Fallpublikationen von Tumorpatienten, die mit immunaktivierenden Antikörpern behandelt werden, berichten davon, dass Pigmente Autoimmunerkrankungen triggern können“, sagt der Experte für Allergologie und Immunologie.

Es gibt Fallberichte, wonach Pigmente abgekapselt werden. Dies geschieht, indem Immunzellen die Pigmente umschließen. Betroffene bemerken dies anhand von Knoten auf oder unter der Haut. Das Immunsystem schützt durch diesen Vorgang die Betroffenen davor, dass die Pigmentstoffe im Körper frei zirkulieren können.

Ob Tattoos das Hautkrebsrisiko steigern, ist nicht erwiesen. Klar ist jedoch, dass großflächige Tattoos die Früherkennung von Hautkrebs erschweren. Beispiel: Schwarzer Farbstoff lässt einen schwarzen Hautkrebs nur schwer erkennen. 

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Finger weg! 

Folgende Menschen sollten auf Tattoos verzichten:

  • Kinder und Schwangere
  • Wer unter Hautallergien leidet und/oder generell eine empfindliche Haut hat (häufig Rötungen, Schuppungen, Ekzeme etc.), sollte die Finger von Tattoos lassen, da ein erhöhtes Risiko von Infektionen (Herpesviren etc.) besteht
  • Diabetiker sind infektanfällig und sollten Tattoos daher meiden
  • Bei Autoimmunerkrankungen der Haut wie etwa Schuppenflechte oder Lupus können Tattoos die Erkrankungen verstärken
  • Menschen, die Immunsuppressiva einnehmen
  • Menschen mit einer Blutgerinnungsstörung
  • Keinesfalls sollte man Amateure an seine Haut lassen! Denn nur die fachgerechte Ausführung stellt sicher, dass die Farbstoffe in die obere oder mittlere Lederhaut eingebracht werden und nicht ins Unterhautfettgewebe. 
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Risiko durch Entfernen 

Meist sind es junge Menschen, die sich Tattoos stechen lassen. Ihre Haut ist noch straff und viele denken nicht daran, dass das nicht so bleiben wird und sich damit auch die Form der Tattoos verändern wird. Wenn dann ein Bild zu hängen beginnt, kann das zu einem Anlass werden, dieses wieder entfernen zu lassen; ebenso wie den Namen eines geliebten Menschen, den man später nicht mehr liebt. „Diese Fälle kommen tatsächlich häufig vor und man muss wirklich jedem raten, sich die Sache gut zu überlegen und keine Schnellschüsse zu begehen, denn die Lebenssituationen ändern sich eben im Laufe der Zeit ebenso wie die Spannkraft der Haut“, sagt der Dermatologe.

Mittels Laser lassen sich Tattoos wieder entfernen. Dabei zerstört der Laser die Pigmente, deren Teile durch das Immunsystem „abgeräumt“ werden, um sie aus dem Körper zu bekommen. Bei der Zertrümmerung der Pigmente durch den Laser entstehen Produkte, die toxisch sein können, wie etwa Blausäure. Diese gelangen ins Blut und die Lymphknoten und werden auch in der Leber abgelagert. Ob und wie stark dieser Prozess die Gesundheit belastet und möglicherweise langfristige Schäden hervorruft, darüber kann nur spekuliert werden, da Langzeitfolgen noch nicht untersucht sind. „Klar ist, dass die in den Körper gelangenden, teilweise toxischen Stoffe jedenfalls eine körperliche Belastung darstellen. Gesunde Menschen können dies sicherlich kompensieren, doch für geschwächte Menschen kann das ein Problem werden. Ist das Immunsystem bereits angeschlagen und haben sich schon verschiedene Erkrankungen manifestiert, dann können diese Toxine das Fass zum Überlaufen bringen. Wird die Summe der Belastungen für den Körper zu hoch, kann das unter Umständen zu weiteren Erkrankungen, auch Krebserkrankungen, führen“, sagt Hötzenecker.

 

Dr. Thomas Hartl

Juni 2019


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 03. Juni 2019