DRUCKEN
Mann schläft

Atemlos in der Nacht

Nicht jede „Schnarchnase“ leidet automatisch unter einer Schlafapnoe. Aber fast jeder, der von einer „obstruktiven Schlafapnoe“ betroffen ist, schnarcht. Aufgrund der häufigen Atempausen kann die Krankheit unbehandelt schwere Folgen haben. 

Bei einer schlafbezogenen Atemstörung kommt es zu Atempausen, die bis zu zwei Minuten dauern können. „Am häufigsten ist das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom, kurz OSAS, das noch immer zu selten diagnostiziert wird“, erklärt Dr. Birgitta Rohrer von der Universitätsklinik für Pneumologie in Salzburg. „Ursache ist eine bestehende Enge im Rachen, die durch die zusätzliche Muskelentspannung während des Schlafes derart zunimmt, dass es bei der Einatmung wiederholt zu einem teilweisen oder kompletten Atemwegsverschluss kommt.“ Es entsteht ein Sauerstoffmangel, gleichzeitig steigt der Kohlendioxidgehalt im Blut an. Dadurch werden Chemorezeptoren, also Sinneszellen, aktiviert, die Alarm auslösen. Die folgende „Weckreaktion“ führt zwar nicht zu vollem Erwachen, aber der Betroffene atmet wieder und die Werte normalisieren sich. 

up

Zu wenig Schlaf

„Durch die Atempausen wird die gesunde Schlafarchitektur zerstört, mit starker Abnahme des Tiefschlafanteils“, so die Expertin. „Die unzureichende körperliche und seelische Erholung kann zu Tagesmüdigkeit und Erschöpfung mit erhöhter Verletzungs- und Unfallgefahr führen. Ein Sekundenschlaf kann die Folge sein. Die Weckreaktionen verhindern zwar ein Ersticken im Schlaf, aber ihre hohe Anzahl und ihre Heftigkeit bedeuten für den Körper puren Stress und erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 

“Bis zu vier Prozent der Männer und bis zu einem Prozent der Frauen leiden an OSAS. Am häufigsten sind übergewichtige Männer ab dem mittleren Lebensalter betroffen. „Zu den Risikofaktoren zählen unter anderem Alter, Übergewicht, Kieferfehlstellungen und genetische Faktoren“, so die Ärztin. 

Meistens bemerkt ein Angehöriger, dass etwas nicht stimmt. Nämlich dann, wenn der Betroffene laut und unregelmäßig schnarcht und sein Atem aussetzt. „Typisch ist auch ein nach Luft ringen“, sagt Dr. Rohrer. Kommen auch noch Beschwerden, wie unerklärliche Müdigkeit und Leistungsschwäche am Tag, spontane Einschlafneigung oder depressive Verstimmung dazu, sollte zeitnahe ein Arzt aufgesucht werden, um die zugrundeliegende Ursache abzuklären. 

Bei Verdacht auf OSAS erhält der Patient ein Untersuchungsgerät für zuhause, das in der Nacht getragen wird und den Atemfluss und die Sauerstoffsättigung misst. Bei der Auswertung wird der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) – die Anzahl der Atempausen und Verminderungen der Atemzugtiefe pro Stunde Schlaf – bestimmt. „Mehr als fünf Ereignisse pro Stunde sind krankhaft“, so die Medizinerin. In einem Schlaflabor wird dann eine umfassende Abklärung unter anderem mit Messung von Schlafstadien, Atmung und Bewegung durchgeführt. 

Der „Goldstandard“ zur Behandlung ist die nächtliche Überdrucktherapie mit einer Atemmaske. Dabei wird Raumluft angesaugt und mit Druck über Schlauch und Maske zugeführt. Der Luftstrom wirkt wie eine Schiene und hält die Atemwege offen. „Das Gerät wird individuell eingestellt“, berichtet Dr. Rohrer. „Zwar ist diese Dauertherapie gewöhnungsbedürftig, bringt aber schnell Erfolg. In Einzelfällen hilft Rückenlagevermeidung oder eine spezielle Zahnschiene. Anti-Schnarch-Utensilien sind meist wirkungslos, Operationen nur in Ausnahmefällen empfehlenswert.“

 

Cornelia Schobesberger

Juni 2019 

up

Kommentar 

Atemlos in der Nacht Kommentarbild Dr. Birgitta Rohrer Uniklinik für Pneumologie, Salzburg „Unbehandelt kann eine Schlafapnoe gefährlich werden. Folgen können Sekundenschlaf, Schlaganfall und Herzinfarkt sein.“

Dr. Birgitta Rohrer

Assistenzärztin Universitätsklinik für Pneumologie, Salzburg



Bilder: shutterstock; privat


 

Zuletzt aktualisiert am 28. Juni 2019