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Frau sitzt vor einem Schwangerschaftstest

Polyzystisches Ovarialsyndrom

Verlängerte Zyklen ohne Eisprung, verstärkte Körperbehaarung, fettige Haut, Akne und Probleme, schwanger zu werden, können Symptome des polyzystischen Ovarialsyndroms, kurz PCO-Syndrom (PCOS), sein. Diese hormonelle Störung ist die häufigste bei Frauen im gebärfähigen Alter und individuell gut behandelbar. 

Viele Frauen kommen zum Gynäkologen oder in eine Hormonambulanz, weil sie unregelmäßige Monatsblutungen und Hautprobleme haben. Kommt der Verdacht auf Unfruchtbarkeit hinzu, konsultieren die Patientinnen oft ein Kinderwunsch Zentrum.

„Der überwiegende Teil der Frauen mit PCO-Syndrom ist übergewichtig, aber die Erkrankung kommt auch bei Schlanken vor“, sagt Priv.-Doz. Dr. Omar Shebl, stellvertretender Vorstand der Univ.-Klinik für Gynäkologie, Geburtshilfe und Gynäkologische Endokrinologie im Kepler Universitätsklinikum Linz. Der leitende Oberarzt des Kinderwunsch Zentrums nennt drei Hauptsymptome, die sogenannten Rotterdam Kriterien für das PCOS. Sind zwei davon vorhanden und andere Ursachen ausgeschlossen, dann spricht man vom polyzystischem Ovarialsyndrom:

  • Verlängerte Zyklen (mehr als 35 Tage) ohne Eisprung oder die Periode bleibt aus
  • Erhöhter Spiegel männlicher Sexualhormone oder Symptome, die auf einen Überschuss von Testosteron hinweisen wie etwa verstärkte Körperbehaarung am Körper und im Gesicht (Damenbart)
  • Die Eierstöcke sind vergrößert oder von vielen kleinen Zysten umgeben.

 

Bevor die Diagnose gestellt werde kann, sind einige Untersuchungen nötig. Nach Anamnese, Kontrolle der Hormonwerte im Blut und Ultraschall der Eierstöcke, müssen auch andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen wie etwa einem Androgenitalen Syndrom (Gruppe vererbter Stoffwechselkrankheiten), einem androgenproduzierenden Tumor oder einem Enzymdefekt der Nebennieren ausgeschlossen werden. 

Typisch für das PCOS sind erhöhte Hormonwerte im Blut von LH (Luteinisierendes Hormon), von männlichen Hormonen wie Testosteron, Androstendion, DHEA und von Prolaktin, dem milchbildenden Hormon. Auch das Anti-Müller-Hormon, das die Eizellreserve in den Eierstöcken repräsentiert ist erhöht. 

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Störung der Hormone und des Stoffwechsels 

Welche spezifischen Ursachen die Erkrankung hat, ist bis heute nicht geklärt. Etwa jede zehnte Frau im fortpflanzungsfähigen Alter ist von PCOS betroffen. Die Erkrankung kann familiär gehäuft auftreten. „Da die Ausprägung sehr unterschiedlich ist, entscheidet der Leidensdruck der Frau, ob und wann sie Hilfe sucht. Viele kommen bei unerfülltem Kinderwunsch oder wenn die Hautprobleme zur seelischen Belastung werden zur Therapie“, erklärt Gynäkologe Shebl. Die Zystenbildung, die zu den Hauptsymptomen zählt, entsteht, weil viele Eizellen reifen, aber kein Eisprung stattfindet. Die Eizellen bleiben im Follikel im Eierstock und dieser vergrößert sich dadurch zystenartig.

„Man geht heute davon aus, dass es sich beim PCO-Syndrom nicht um eine reine Störung der Fruchtbarkeit handelt, sondern, dass die Erkrankung auch den Stoffwechsel betrifft. Schweres Übergewicht und Insulinresistenz werden in der Krankheitsentstehung wie in der Verschlechterung der Symptomatik hoher Stellenwert eingeräumt“, sagt Shebl. 

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Viele Gesichter 

Da das Krankheitsbild vielfältige Gesichter zeigt, hier die meistgenannten Merkmale des PCO-Syndroms nochmals zusammengefasst:

  • Störungen des Monatszyklus – weite Abstände der Periode
  • Starke Menstruationsbeschwerden
  • Verstärkte Körper- und Gesichtsbehaarung (Oberschenkel, Bauch, Damenbart)
  • Ausfall des Kopfhaares
  • Adipositas
  • Fettige Haut, Akne
  • Eingeschränkte Fruchtbarkeit, Unfruchtbarkeit
  • Schlafstörungen
  • Im Ultraschall zeigen sich vergrößerte Eierstöcke oder zahlreiche Follikel bzw. Zysten
  • Gestörte Hormonwerte im Blut
  • Insulinresistenz, eine Vorstufe zu Diabetes-Typ-2
  • Erhöhter Blutdruck
  • Störung der Blutfettwerte

Mehr als die Hälfte der Betroffenen sind schwer übergewichtig oder adipös und leiden unter Stoffwechselerkrankungen. 

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Therapie hängt vom Kinderwunsch ab 

Für jede Patientin wird ein individuelles Konzept maßgeschneidert. Die Erkrankung ist nicht zu heilen, aber gut therapierbar. Ziel ist es, die Beschwerden zu lindern und Folgeerscheinungen zu verhindern. Ausschlaggebend ist auch der Kinderwunsch der Patientinnen. Die Therapie basiert auf drei Säulen.

  • der Behandlung von Hautproblemen
  • Behandlung von unerfülltem Kinderwunsch
  • Behandlung von Stoffwechselkomponenten und Vorbeugung von Stoffwechselerkrankungen als Spätfolge. Der Übergang vom PCO-Syndrom zum Metabolischen Syndrom kann fließend sein. PCOS-Betroffene mit Insulinresistenz haben ein erhöhtes Risiko an Diabetes-Typ-2 zu erkranken. 
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Therapieoptionen

  • Lebensstiländerung: Shebl: „Vor der medikamentösen Behandlung wird bei der Modifikation des Lebensstils angesetzt. Dazu zählen Gewichtsabnahme, ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung.“ Sollten die Insulinresistenz und schweres Übergewicht die Hauptmerkmale sein, kann dadurch erreicht werden, dass sich der Zyklus normalisiert. Durch das Abnehmen verbessert sich die Insulinresistenz, was die Produktion von männlichen Hormonen reduziert und somit die Periode reguliert.
  • Antibabypille, wenn kein Kinderwunsch vorliegt: Gegen übermäßigen Haarwuchs am Körper und im Gesicht sowie Akne kann die Pille helfen. Sie hemmt die Bildung männlicher Hormone.
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Optionen bei Kinderwunsch

Kinderwunschuntersuchungen und -behandlungen werden in speziellen Zentren durchgeführt und dort ärztlich begleitet.

  • Medikamentöse Therapie mit Metformin: Übergewichtige Patientinnen mit Insulinresistenz, bei denen Lebensstilmodifikation keinen Erfolg zeigt, kann dieser Wirkstoff helfen, weil er den Blutzuckerspiegel senkt, den Eisprung und die Follikelreifung anregt. Metformin ist eine Substanz, die für die Behandlung von Diabetes-Typ-2 zugelassen ist.
  • Gabe von eisprungauslösende Wirkstoffen wie dem Antiöstrogen Clomifen. Das Hormon stimuliert das Wachstum des Eisbläschens. Man kann Clomifen auch mit Metformin kombinieren. Falls damit kein Eisprung erfolgt, können Gonadotropine (LH, FSH= Hormone der Hirnanhangdrüse) behutsam und niedrig dosiert eingesetzt werden, damit es zum Eisprung kommt.
  • Chirurgischer Eingriff: Führen andere Methoden nicht zum Erfolg, kann das laparoskopische Ovarielle Drilling in Erwägung gezogen werden. Im Rahmen einer Bauchspiegelung werden mit Laser oder einer speziellen Glühnadel mehrere kleine Einstiche vorgenommen und zerstören die an den Eierstöcken aufgefädelten Eibläschen. Dadurch kann sich die Eierstockfunktion und damit der Zyklus normalisieren. Der Effekt ist allerdings nur vorübergehend mit einer Wirkung von etwa zwei Jahren. „Dieser minimal invasive Eingriff wird heute nur mehr sehr selten durchgeführt, weil man mit der hormonellen Behandlung meist rascher zum Ziel kommt und das Operationsrisiko vermeiden will“, erklärt Shebl.
  • In-vitro-Fertilisation (IVF): Diese Methode wird angeboten – und vom IVF-Fonds teilweise bezahlt – wenn andere Therapien versagt haben oder eine Indikation dafür vorliegt.

Bedeutend für den Erfolg ist die frühzeitige und individuell auf die Bedürfnisse und den Bedarf der Patientinnen abgestimmte Behandlung.

 

Mag. Christine Radmayr

April 2019


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 01. April 2019