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Vater mit kleinem Sohn am Meer mit Sonnencreme

Sonne genießen

Licht und Sonne sind wichtig für den menschlichen Organismus, doch zu viel Sonne schadet. Der vernünftige Umgang mit der Strahlung und ein ausreichender Lichtschutz machen den Unterschied. 

Bewegung in der Natur ist schön und gesund, wichtig fürs Gemüt und die Bildung von Vitamin D, aber nur mit ausreichendem Schutz“, erklärt Professor Dr. Bernhard Lange-Asschenfeldt, Leiter der Abteilung für Dermatologie und Venerologie am Klinikum Klagenfurt. Das gelte für Österreich in hohem Ausmaß. Denn hierzulande haben viele Bewohner noch einen starken keltischen Einschlag – eher helle Haut und häufig Sommersprossen. Darüber hinaus ist die Sonneneinstrahlung aufgrund der Seehöhe und der Reflexion durch die Wasseroberflächen im Sommer und die Schneeflächen im Winter besonders intensiv. Das ist die ideale Kombination für Sonnenbrände und andere durch Sonneneinstrahlung verursachte Hautschäden. 

Daher sollte man im Sommer in der Mittagszeit – zwischen 11 und 14 Uhr – die pralle Sonne meiden, da treffen die Sonnenstrahlen steil auf die Erde und sind am stärksten. Darüber hinaus empfiehlt der Dermatologe Cremen mit dem Lichtschutzfaktor 30, bei sehr empfindlicher Haut auch höher. Besonders vorsichtig sollte man bei Kindern sein, denn für ihre Haut ist Sonneneinstrahlung noch Neuland und sie wird sich im Idealfall im Laufe der Jahre langsam daran gewöhnen. Daher sollte man Kleinkinder nicht ohne Kopfbedeckung mit gesichtsschützender Krempe und nicht ohne T-Shirt in der Sonne spielen lassen. Beim Eincremen gilt: richtig und rechtzeitig. Speziell Männer nehmen es mit dem Einschmieren nicht so genau. Das sei in einer Studie der amerikanischen Eliteuniversität Harvard festgestellt worden, erzählt Professor Lange-Asschenfeldt. Ein paar Tupfer da, einer dort und kurz darübergewischt bringen nicht den erwünschten Erfolg. Die Haut braucht darüber hinaus eine Gewöhnungsphase. „Wer das ganze Jahr über kaum ins Freie geht und dann zwei Wochen durchbrät, überfordert seine Haut, auch mit hohem Lichtschutzfaktor“, sagt Lange-Asschenfeldt. 

Es ist das ultraviolette Licht, das sowohl zum Nutzen als auch Schaden dient und rund zehn Prozent der Sonnenstrahlung ausmacht. Der größte Teil sind UV-A-Strahlen. Sie sind langwellig, dringen tiefer in die Haut ein und sind auch für vorzeitige Hautalterung – sprich: Falten – verantwortlich, weil sie das Kollagen schädigen. Das UV-B wird bereits von der Ozonschicht stark absorbiert, ist kurzwelliger, energiereicher und damit für den Sonnenbrand, aber auch für die Bildung vom Vitamin D zuständig. 

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20 Minuten vorher

Eine Sonnencreme braucht für einen wirkungsvollen Schutz sowohl einen UV-A- als auch einen UV-B-Filter. Das wird durch einen Mix an chemischen und physikalischen Substanzen erreicht. Dabei wirken physikalische Inhaltsstoffe wie beispielsweise Zink- oder Titanoxid wie kleine Spiegel, die UV-B-Strahlen reflektieren. Gemeinsam mit den chemischen Stoffen absorbieren sie darüber hinaus das UV-A-Licht und wandeln es in Wärmeenergie um. Sonnencremen sorgen auf diese Weise dafür, dass nur ein Teil der UV-Strahlung, die auf die Haut auftrifft, in die tieferen Schichten der Epidermis eindringt. Viele Produkte enthalten auch sogenannte Radikalenfänger, wie Vitamin C und E oder Beta-Carotin. Sie sollen die freien Radikale, die unter UV-Licht entstehen, neutralisieren. Die Wirkung dieser „Radikalenfänger“ sei allerdings nicht ausreichend erprobt, meint Dr. Bernhard Lange-Asschenfeldt. 

Den Sonnenschutz sollte man rund 20 Minuten bevor man in die Sonne geht auftragen. Denn die chemischen Filter brauchen Zeit, sich in der oberen Hautschicht einzulagern und ihre Schutzwirkung zu entwickeln. Wer dennoch einen Sonnenbrand erwischt, sollte die betroffenen Stellen kühlen. In schwereren Fällen, wenn die Haut Blasen wirft und entzündliche Schäden im Unterhautgewebe auftreten, werden ein Arztbesuch und das Auftragen einer entzündungshemmenden Salbe sinnvoll sein. Blasen sollte man wegen der Entzündungsgefahr auf keinen Fall selbst aufstechen. 

Der eine oder andere Sonnenbrand ist noch nicht die große Katastrophe, doch wiederkehrende Verbrennungen über mehrere Jahre können große Schäden an der Haut anrichten. Dazu zählen die weißen Hautkrebsarten, wie das Basaliom und das Plattenepithelkarzinom, zu dem sich aktinische Keratosen als Folgen von Sonnenbränden entwickeln können. Keratosen bilden sich häufig an exponierten Stellen wie Glatzen – daher sollten blanke Köpfe nicht ohne Kopfbedeckung in die Sonne. Für Sonnenanbeter empfiehlt sich daher ein regelmäßiges Screening der Haut, um Keratosen oder Basaliome rechtzeitig erkennen und entfernen zu können.  

Hautärztin untersucht Mann

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Die Hauttypen 

Zur Definition der Empfindlickeit gegenüber UV-Strahlung hat der amerikanische Hautarzt Thomas Fitzpatrick 1975 eine Skala von sechs Hauttypen aufgestellt, vier davon betreffen Weiße. Hauttyp V ist typisch für Bewohner Arabiens, Nordafrikas, Indiens und Teile Asiens, Hauttyp VI haben Afrikaner und die Aborigines Australiens. Diese Einteilung sei eine Richtschnur, die Übergänge seien fließend außerdem komme es auf die individuelle Empfindlich eit der Haut an, meint Professor Lange-Asschenfeldt.

 

Hauttyp I – der keltische Typ

Sehr helle, extrem empfindlich Haut, helle Augen, rotblondes Haar, sehr häufig Sommersprossen. Er wird nicht braun und bekommt sehr schnell einen Sonnenbrand, ohne Sonnenschutz nach etwa 15 Minuten.

 

Hauttyp II – der nordische Typ

Helle, empfindliche Haut blaue, graue, grüne oder braune Augen, blonde bis dunkelbraune Haare, Sommersprossen können ebenfalls vorkommen. Er wird nur mäßig braun und bekommt nach 20 Minuten einen Sonnenbrand.

 

Hauttyp III – der Mischtyp

Helle bis hellbraune Haut, graue oder braune Augen und dunkelblonde bis braune Haare, selten Sommersprossen. Ein Sonnenbrand tritt nach 30 Minuten auf.

 

Hauttyp IV – der mediterrane Typ

Hellbraune, olivfarbene Haut, braune bis dunkelbraune Augen und dunkelbraunes Haar. Er bräunt schnell. Bei ihm tritt nach etwa 40 Minuten ein Sonnenbrand auf.   

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Sonnenschutz und gefährliche Irrtümer 

Junge wird von Mutter im Gesicht mit Sonnenschutz eingecremt

Eine bereits gebräunte Haut braucht weniger Sonnenschutz .

Die Einwirkung der UV-B- und UV-A-Strahlen ist immer gleich hoch. Daher sollte auch bei bereits gebräunter Haut ein hoher Lichtschutzfaktor verwendet werden. 

Wer wasserfeste Sonnencremen verwendet, braucht sich nach dem Schwimmen nicht mehr einzucremen.

Wasser wäscht den Sonnenschutz zumindest teilweise ab. Daher gilt: nach dem Schwimmen jedes Mal eincremen. Auch durch Schwitzen wäscht man den Sonnenschutz aus und sollte ihn regelmäßig erneuern. 

Ein T-Shirt reicht als Schutz.

Ein T-Shirt hat nur einen niedrigen Lichtschutzfaktor. Man kann also auch durch ein Kleidungsstück einen Sonnenbrand bekommen und deshalb sollte man sich zusätzlich eincremen. Das gilt speziell für Kinder. 

Wer stets einen hohen Lichtschutzfaktor verwendet, erleidet Vitamin-D-Mangel.

„Es ist erwiesen, dass nur wenige Minuten ungeschützter Sonneneinwirkung pro Tag auf Gesicht und Arme ausreichen, damit der Körper ausreichend Vitamin D bilden kann“, erklärt Professor Lange-Asschenfeldt. Nur bei älteren Menschen, die sich wenig im Freien aufhalten, kann die Einnahme von Vitamin D sinnvoll sein. „Aber erst nach Rücksprache mit einem Arzt. Denn auch eine zu hohe Dosis an Vitamin D kann gesundheitliche Probleme verursachen“, so der Dermatologe.

 

Monika Unegg

April 2019 

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Kommentar 

Sonne genießen Kommentarbild Prof. Dr. Bernhard Lange-Asschenfeldt Dermatologie am klinikum Klagenfurt ,,Sonne ist wichtig für unseren Organismus. Man muss nur vernünftig mit der Strahlung umgehen.“

Prof. Dr. Bernhard Lange-Asschenfeldt

Leiter der Abteilung für Dermatologie und Venerologie am Klinikum Klagenfurt


Bilder: shutterstock; privat


Zuletzt aktualisiert am 15. April 2019