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Kinder steigen in ein Auto ein

Warum Kinder zu Fuß in die Schule gehen sollten

Gefahren im Straßenverkehr sind der Horror für Eltern. Eine Straße, ein Ball, der plötzlich auf die Fahrbahn rollt - und ein Kind, das geistesabwesend hinterherläuft. Spätestens seit der theoretischen Führerscheinprüfung trägt man solche Grusel-Szenen im Kopf mit sich herum.

Viele Eltern fahren daher ihre Kinder lieber mit dem Auto in den Kindergarten und zur Schule. Zur Sicherheit, sagen sie. Ein Trugschluss, entgegnen Verkehrsfachleute und Psychologen.

Es lohnt sich ein Blick auf das Missverständnis, dem viele Menschen nach Ansicht von Experten folgen. Es lautet: Das Kind sollte man am besten so lange es geht in Watte packen. Und wenn es älter wird, ist dann automatisch das Gröbste überstanden.

"Die Helikoptereltern machen uns massiv Probleme", sagt Petra Rödler von der Kinderunfallkommission Kaiserslautern. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, den städtischen Verkehr für Kinder noch sicherer zu machen. Doch gerade die überfürsorglichen Eltern stehen dabei immer wieder im Weg - Stichwort "Elterntaxi".

Gemeint sind Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. Laut einer vom ADAC veröffentlichten Studie geben Eltern "als unsicher empfundene Schulwege" als häufigsten Grund für das "Elterntaxi" an. "Doch sie sind es auch, die ihre Kinder direkt vor der Schule absetzen und auf dem Zebrastreifen parken", klagt Rödler. "Sie verhalten sich im Verkehr oft selbst rücksichtslos und gefährden damit andere Verkehrsteilnehmer."

Am besten sei es, mit den Kindern gemeinsam zu Fuß zu gehen, meint Hannelore Herlan von der Deutschen Verkehrswacht. "Man gewöhnt die Kinder an eine aktive Verkehrsteilnahme", sagt sie. Das "Elterntaxi" verhindere diesen wichtigen Entwicklungsschritt. Die Passivität bewirke, dass Kinder Bewegungs- und Koordinationsdefizite bekämen und sich später besonders unsicher im Straßenverkehr bewegten.

In Schulen und Kindergärten soll Verkehrserziehung ein sicheres Verhalten im Straßenverkehr vermitteln. Damit ist es aber nicht getan - auch die Eltern seien gefordert, sagt der Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff. "Die Psyche entwickelt sich nur durch Erfahrung. Man kann keinem kleinen Kind den Straßenverkehr erklären", so Winterhoff. "Heutzutage wollen Eltern ihren Kindern möglichst viel abnehmen. So funktioniert Entwicklung aber nicht", erklärt er. Das Erlernen von sicherem Verhalten im Straßenverkehr braucht Ruhe und Zeit.

Die meisten Fehler machen Kinder laut Unfallstatistik beim Überschreiten der Fahrbahn. In fast 90 Prozent der Fälle ist das so. Theoretisch müssten die Kinder das in der Verkehrserziehung gelernt haben. Doch einmal gelernt heißt nicht, dass Kinder sich fehlerfrei verhalten. "Abläufe wie das Links-Rechts-Links-Schauen machen Kinder erst einmal nur mechanisch", erklärt Hannelore Herlan. Das muss immer wieder sorgfältig geübt werden.

Die Experten raten Eltern daher, den Schulweg gemeinsam zu trainieren. Dann fällt es irgendwann auch leichter, die Kinder alleine losziehen zu lassen.


Quelle: Bonn (APA/dpa) - 2018-06-29/10:50

Bild: APA (dpa/Ralf Hirschberger)

Zuletzt aktualisiert am 12. April 2019