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Pestdoktor Maske

Schwarzer Tod

Die Maske des Pestdoktors (Medico della Peste) diente im Venedig des 17. Jahrhunderts tatsächlich zum Schutz vor Ansteckung. 

In vielen Städten Mitteleuropas erinnern Pestsäulen an eine der größten Seuchen der Geschichte. Aber die Pest ist nicht nur Teil unserer Vergangenheit und hat den Kontinent nachhaltig geprägt. In vereinzelten Landstrichen Afrikas, Asiens und Amerikas flammt sie auch heute immer wieder auf. 

Die erste Pestepidemie ist aus dem 6. Jahrhundert bekannt, viele weitere folgten. Noch im 19. Jahrhundert gab es laut Robert-Koch-Institut die letzten Ausbrüche. Weit über 100 Millionen Todesopfer sollen im Laufe der Jahrhunderte auf das Konto des Bakteriums Yersinia pestis gegangen sein. Diesen Namen bekam der Erreger allerdings erst 1884, als Alexandre Yersin ihn bei der Untersuchung des Gewebes von Pestopfern unter seinem Mikroskop entdeckte. 

Im Mittelalter wurde die Seuche „Schwarzer Tod“ genannt, weil sich Finger, Nasenspitze und Zehen schwarz verfärbten, wenn sich die Pest im fortgeschrittenen Stadium im ganzen Körper ausbreitete und die Zellen absterben ließ. 

Ausgelöst durch Flohbisse lag die Ursache der epidemischen Entwicklung in der schlechten Hygiene und im Zusammenleben vieler Personen auf engem Raum. Wie stark die Pest Mentalität und Handeln der Menschen bestimmte, zeigt sich in Kunstwerken, Volksglauben und Bräuchen. Verbreitet waren Amulette, Wallfahrten oder Pestbilder, da die Krankheit auch als Strafe Gottes interpretiert wurde. 

Völlig unterschiedlich waren die moralischen Auswirkungen. Die einen übten Buße und gaben ihre Reichtümer her, andere wiederum nahmen die Pest zum Anlass, vor dem unvermeidlichen Untergang noch einmal ungezügelt alle Freuden zu genießen. 

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In Madagaskar 

Dank verbesserter Hygiene und moderner Medizin ist diese bakterielle Infektionskrankheit keine große Geißel der Menschheit mehr, tritt in verschiedenen Gebieten aber immer noch auf. Zwischen 2010 und 2015 registrierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit insgesamt 3.248 Fälle, 584 Menschen starben. 

In den vergangenen Jahrzehnten wurden Erkrankungen vor allem in Madagaskar beobachtet, wo im Vorjahr auch ein Notfallplan mit strengen Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen, an Sammelplätzen für Taxis und Busse und mit einem Versammlungsverbot in der Hauptstadt Antananarivo in Kraft trat. Aber auch aus anderen Teilen Afrikas, aus China, Indien sowie aus dem ländlichen Westen der USA werden immer wieder Fälle gemeldet. 

Man unterscheidet zwei Pestarten, die Lungen- und die Beulenpest. Letztere ist deutlich häufiger und wird meist durch den Biss eines infizierten Flohs verursacht. Aber auch die Ansteckung von Mensch zu Mensch über Körperflüssigkeiten ist möglich. Die ersten Symptome – nach einer Inkubationszeit von zwei bis sieben Tagen – erinnern mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen an eine schwere Grippe. Danach bilden sich an den Lymphknoten die namensgebenden Beulen. Die Krankheit entwickelt sich rasch weiter und kann verschiedene Organe, meist die Lunge, befallen und in einer Pestsepsis mit Todesfolge enden. Unbehandelt überleben nur etwa die Hälfte der Pestkranken die Beulenpest. Mit Therapie steigt die Überlebenschance auf 90 Prozent. 

Weit dramatischer ist die primäre Lungenpest, die durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. Ohne Behandlung führt sie in fast allen Fällen zum Tod. Daher muss bei einem Verdacht sofort mit einer Antibiotika-Therapie begonnen werden. Auch Personen im Umfeld sollten die Medikamente prophylaktisch einnehmen. 

Als Vorsichtsmaßnahme in betroffenen Gebieten sind Menschenansammlungen sowie Kontakte mit Straßenhunden, Katzen und Ratten zu meiden. Wer in gefährdete Gebiete reist, sollte unbedingt entsprechende Antibiotika mitnehmen.

 

Monika Unegg

März 2019


Bild: shutterstock


 

 

Zuletzt aktualisiert am 04. März 2019