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Kranker Baum

Alarm im Wald

Immer wieder sorgen Meldungen für Aufregung, dass in Städten Bäume und teilweise sogar große Waldflächen abgeholzt werden müssen. Grund dafür ist das zunehmende Sterben von Bäumen und Wäldern, denen Schädlinge, Erderwärmung und Luftverschmutzung zu schaffen machen. 

Auch Städte sind ohne Bäume nicht vorstellbar, denn sie spenden Schatten und kühlen an heißen Tagen, sie produzieren lebensnotwendigen Sauerstoff, dienen der Klimaverbesserung, sind Filter für Staub und Schadstoffe und sorgen für mehr Luftfeuchtigkeit. Bäume in der Stadt bieten Raum für die unterschiedlichsten Lebewesen, beleben und gliedern das Stadtbild. Trotzdem sind Bäume in Städten vielfältigen Gefährdungen ausgesetzt. Besonders an Straßenbäumen sind starke Stresserscheinungen festzustellen. Viele Bäume weisen eine lichtere Krone, Blattkrankheiten oder einen frühzeitigen Blattabwurf auf. Selbst bei Bäumen, die keinen Autoabgasen oder Streusalzen ausgesetzt sind, ist eine erhöhte Anfälligkeit für Schädlingsbefall oder Frostschäden festzustellen. 

Um den Schutz des Baumbestandes im besiedelten Bereich zu gewährleisten, haben viele Städte Baumschutzsatzungen beschlossen. Denn die Frage, ob ein Waldsterben mit 30-jähriger Verspätung droht, ist aktueller denn je. Damals hatten Ökologen davor gewarnt, dass durch sauren Regen ganze Landstriche zu baumlosen Steppen verkommen könnten. 

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Baumschutz 

Dank diverser Maßnahmen zur Luftreinhaltung wie Filter für Autos, Kraftwerke und Industrieanlagen konnte aber Mitte der 1990er-Jahre Entwarnung gegeben werden. Jetzt ist es gerade das Eschensterben, das Wissenschaftlern und Stadtverantwortlichen zu schaffen macht. Dabei sind Eschen grundsätzlich zähe Bäume, denen weder Hitze noch Kälte etwas anhaben kann. Ein aus Asien eingeschleppter Pilz ist aber nun drauf und dran, dieser Baumart den Garaus zu machen. In Österreich gibt es viele Eschenwälder im stadtnahen Umfeld, in denen nahezu alle Bäume aufgrund des Pilzbefalls geknickt sind. Das Abholzen ganzer Wälder ist die Folge. Schuld am Eschensterben ist der Pilz namens Falsches Weißes Stängelbecherchen (Hymenoscyphus fraxineus), dessen Sporen die Eschenblätter infizieren. In der Folge sterben Rinde und Holz und schließlich der ganze Baum ab. Wissenschaftler vom Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) und der Universität für Bodenkultur in Wien denken aber nicht daran, diese gefährdete Baumart kampflos aufzugeben, und haben das Projekt „Esche in Not“ ins Leben gerufen. Weil ein Besprühen der Bäume mit einem Biozid unter anderem aus Kostengründen ausscheidet, setzt Univ.-Prof. Dr. Thomas Geburek, Leiter des Instituts für Waldgenetik, auf die Vermehrung resistenter Eschen. Zu diesem Zweck haben er und seine Kollegen 870 Standorte in Österreich aufgesucht und schließlich von 700 besonders widerstandsfähigen Exemplaren die Samen geerntet. Im Versuchsgarten in Tulln wachsen Tausende Eschen heran, von denen schließlich an die 100 Bäume übrig bleiben werden, die dem Pilz aufgrund ihrer genetischen Eigenschaften Paroli bieten können. „Es besteht Hoffnung für das Überleben der Esche, sie wird vermutlich nicht aussterben, aber künftig für den Naturschutz und die Holzwirtschaft eine andere Bedeutung haben“, erläutert der Experte. 

Der Genetiker Thomas Geburek empfiehlt Stadtgärtnern in Regionen, die speziell vom Eschen-Baumsterben betroffen sind, auf andere Baumarten umzusteigen. „Es gibt zwar keine bestimmte Art Baum, der die Esche ersetzen kann, entscheidend ist in allen Fällen die Beschaffenheit des Standortes. In Frage kommen etwa Pappel, Eiche oder Bergahorn.“ 

Während Krankheiten und Schädlinge wie der Borkenkäfer oder die Miniermotte nur einzelne Baumarten befallen, macht die Klimaveränderung allen Bäumen zu schaffen, wobei es nach Ansicht vieler Umwelt- und Waldexperten künftig einige leichter und andere schwerer haben werden. Während die Eiche – so Prof. Thomas Geburek – zu den Gewinnern der Erderwärmung zählen wird, dürfte die Fichte als Nummer eins im heimischen Wald auf der Verliererseite landen. Diese wegen ihres guten Wachstums und des hohen Ertrags in der Forstwirtschaft beliebteste Baumart ist gegenüber dem Trockenstress anfällig und zudem als Flachwurzler gegenüber Stürmen wenig standhaft. Allerdings: Fichte ist nicht gleich Fichte, gibt der Genetiker zu bedenken. Man sollte daher auf Varianten mehrerer Baumarten setzen und jene forcieren, die für eine bestimmte Prognose besser geeignet sind. 

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Mischwälder 

Grundsätzlich ist es fast nie ein einziger Faktor, der den Wald zermürbt. Klimawandel, ungünstige Bodenverhältnisse oder das Alter der Bäume sind gemeinsam verantwortlich. Doch je mehr negative Einflüsse an einem Baum nagen, desto gefährdeter ist er. Eine wirkungsvolle Strategie, den Wald widerstandsfähiger zu machen, ist nach Ansicht fast aller Experten, die Monokulturen durch Mischwälder zu ersetzen. Aber wie dieser Mischwald aussehen sollte, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Manche Forstwissenschaftler wollen Baumarten wie die Douglasie oder die Roteiche in Österreich heimisch machen. Sie vertragen die Trockenheit gut und haben kaum mit Schädlingen zu kämpfen. Andere Experten schwören auf einen naturnahen Wald, in dem nur wächst, was ursprünglich in die Region gehört. 

Auf die Umwelt-Verantwortlichen in städtischen Regionen kommt auf jeden Fall eine große Herausforderung zu, wenn es darum geht, das Baumsterben zu verhindern oder – im Extremfall – wieder zukunftsorientiert aufzuforsten. 

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Waldluftbad 

Es sind aber nicht nur wirtschaftliche und umweltorientierte Gründe, warum sich die Wissenschaft so intensiv mit den Gefahren für einzelne Baumarten und dem Waldsterben – speziell in stadtnahen Regionen – auseinandersetzt. Immer mehr rücken die positiven Auswirkungen von Aufenthalten im Wald für die Gesundheit in den Fokus der Forschung. Gesichert ist, dass die Immunabwehr gestärkt, die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol reduziert wird und der Blutdruck sowie der Puls gesenkt werden. Das haben mittlerweile auch Touristiker erkannt und mit Unterstützung von Medizinern Produkte wie etwa das „Waldluftbaden“ im oberösterreichischen Mühlviertel geschaffen. Der Tourismusverband Mühlviertler Kernland hat sogar eine eigene Ausbildung für „Waldluftbademeister“ ins Leben gerufen.

 

Mag. Conny Wernitznig

Februar 2019

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Kommentar

Alarm im Wald Kommentarbild Univ.-Prof. Dr. Thomas Geburek „Wenn Städte vom Waldsterben betroffen sind, sollten sich die Verantwortlichen genau überlegen, mit welchen Bäumen sie nachforsten. Es gibt fast immer eine Alternative.“

Univ.-Prof. Dr. Thomas Geburek

Leiter des Instituts für Waldgenetik am Bundesforschungszentrum für Wald, Wien

Bilder: shutterstock; privat


Zuletzt aktualisiert am 18. Februar 2019