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Mann sitzt am Schreibtisch beim Laptop und isst einen Hamburger

Träge Leber

Müdigkeit ist der „Schmerz“ der Leber. Arbeitet sie träge, fühlt man sich schlapp. Gegen einen zu langsamen Stoffwechsel der Leber kann man jedoch etwas tun. Wichtig ist dabei vor allem eine leberfreundliche Ernährungsweise, die Vermeidung von Toxinen und alle Maßnahmen, die man unter einem gesunden Lebensstil versteht – Stressreduktion, viel Bewegung und natürlich möglichst die Finger vom Alkohol lassen. 

Man fühlt sich erschöpft, schlapp, antriebslos und schnell gestresst. Wenn die Leber nicht so arbeitet wie sie eigentlich sollte, merkt man das am ehesten am Energiedefizit: Ständig fühlt man sich müde und undefinierbar unwohl. Auffällig ist auch, dass man Alkohol schlechter verträgt als früher, da sein Abbau verzögert ist. Auch Schlafstörungen treten häufiger auf. „Richtungsweisend kann ein schlechter Schlaf mit Erwachen zwischen Mitternacht und drei Uhr morgens sein. Nach der Traditionellen Chinesischen Medizin ist das die Zeit, in der die Leber regenieren sollte“, sagt Mag. Dr. Alexander Zeilner, Arzt für Allgemeinmedizin und Innere Medizin aus dem ganzheitsmedizinischen Zentrum VitaLogikum in Aschach an der Steyr. 

Findet man keine andere Erklärung für die genannten Beschwerden, können sie ein Hinweis darauf sein, dass die Leber überlastet ist. Arbeitet das Organ träge, verlangsamt sich der Stoffwechsel und die Enzymaktivität nimmt ab: Die Entgiftungsleistung reduziert sich, es kann zu Hautveränderungen wie übermäßiger Trockenheit und Ekzemen kommen. Auch der Energiestoffwechsel leidet. „Daher fühlen sich Betroffene auch so energielos. Dieser Zustand ist heutzutage weit verbreitet und nicht selten steckt die Leber hinter diesen Beschwerden. Naturgemäß bedarf es einer umfassenden Abklärung auch weiterer möglicher Ursachen, denn eine gezielte Therapie erfordert eine exakte Diagnose“, sagt Zeilner. 

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Diagnose 

Da eine träge Leber lediglich eine Verlangsamung des Stoffwechsels darstellt, lässt sie sich mit den herkömmlichen Methoden (Ultraschall und konventionelles Labor) kaum diagnostizieren. Genannte Untersuchungen sind jedoch in einem systematischen Abklärungskonzept essentielle Bestandteile. Daneben sollten auch gezielt Mikronährstoffanalysen, unter anderem auf Chrom, Zink, Selen, Kupfer, Eisen, Vitamin B12 und Folsäure erfolgen. Je nach Fragestellung kann eine weiterführende Untersuchung auf Umweltgifte wie zum Beispiel Schwermetalle oder auch serologische Untersuchungen zum Ausschluss von Infektionen sinnvoll sein. Auch ist die Analyse der Darmflora ein zu beachtender Baustein, um ein ganzheitliches Therapiekonzept erstellen zu können. 

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Ursachen 

Die Funktion der Leber kann durch viele verschiedene Ursachen beeinträchtigt werden:

  • Ungesunder Lebensstil: Fettreiche Ernährung, Alkohol, Stress, wenig Bewegung und ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus mit zu wenig Regenerationszeit.
  • Darm: Die Leber hängt eng mit dem Darm zusammen, man spricht von einer Leber-Darm-Achse. „Eine krankhaft veränderte Darmflora sowie über den Darm aufgenommene Toxine können die Leber beeinflussen“, sagt Zeilner.
  • Medikamente: Der Abbau belastet die Leber, bis hin zu möglichen toxischen Dauerschäden.
  • Stress: eine gefühlt belastende Situation, die länger andauert oder immer wiederkehrt, nimmt über das vegetative Nervensystem Einfluss auch auf die Funktion der Leber.
  • Toxine: Umweltgifte und Schwermetalle lagern sich im Organ ab und blockieren Enzyme.
  • Infektionen: Viele Viren können die Funktion der Leber beeinträchtigen, wenn sie sich in der Leber einnisten. Die Palette ist breit, häufig handelt es sich um Hepatitis-Viren oder das Epstein-Barr-Virus. Problematisch sind Viren vor allem dann, wenn das Immunsystem es nicht schafft, sie dauerhaft zu eliminieren und sich eine Chronifizierung mit auch greifbaren Organveränderung entwickelt. Selten können auch Parasiten für eine schlecht funktionierende Leber verantwortlich sein, etwa der heimische Fuchsbandwurm oder Parasiten, die man sich bei Fernreisen zuzieht.

 

Die Leber ist ein sehr regenerationsfähiges Organ, es lohnt sich daher, Maßnahmen zu ihrer Entlastung zu setzten. Je nach Ursache stehen folgende Gegenmaßnahmen zur Verfügung: 

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Maßnahmen zur Entlastung der Leber 

Die Ernährung spielt eine große Rolle bei der Lebergesundheit: 

  • Ernähren Sie sich abwechslungsreich, achten Sie auf basische Lebensmittel und Ballaststoffe: Viel Obst, Gemüse und Salate, nach Möglichkeit aus kontrolliertem Anbau.
  • Biologische Lebensmittel sollten bevorzugt, Fertigprodukte vermieden werden. „Letztere strotzen vor Zucker, Konservierungs-, Aroma- und Farbstoffen. Zu Fetten ist zu sagen, dass gerade gesättigte Fettsäuren und Transfette, die beim Frittieren entstehen, zu reduzieren sind. Fette sind jedoch wichtig, speziell Omega-3-Fette sind als antioxidativ und entzündungshemmend bekannt. Auf die Mischung und Menge kommt es an“, sagt Zeilner.
  • Zucker- und Alkoholkonsum reduzieren, Kaffee in Maßen genießen.
  • Man sollte sehr späte Mahlzeiten vermeiden, die im Darm zur Bildung von Gärungsalkoholen führen und so auch ohne zusätzlichem Alkoholkonsum eine starke Leberbelastung darstellen können.
  • Flüssigkeit: Man sollte über den ganzen Tag verteilt möglichst viel (rund zwei Liter) Wasser, Kräutertees und verdünnte Fruchtsäfte unter Berücksichtigung ihres Zuckeranteils trinken.
  • Stress reduzieren, auf einen geregelten Tag-Nacht-Rhythmus achten und ausreichende Regenerationsphasen für Körper und Geist schaffen.
  • Mangelzustände auf Ebene der Vitamine und Spurenelemente beseitigen, auch dies nur unter ärztlicher Begleitung. „Als ganzheitlich tätiger Internist, der sich auch mit den Mikronährstoffen beschäftigt, rate ich dringend von Selbstmedikation und Umsetzen von pauschal für alle Interessenten im Internet erhältlichen Leber- oder Detox-Kur-Anleitungen ab, da diese durchaus ihre Schattenseiten mit ernsthaftem Schädigungspotential für den gesamten Organismus haben können. Auch Heilkräuter wie Löwenzahn, Mariendistel oder Thunbergia laurifolia [Blaue Trompetenrebe, Anm.] sollten grundsätzlich nur unter ärztlicher Beobachtung eingesetzt werden, denn pflanzlich bedeutet nicht immer harmlos“, rät der Internist.

 

Neben der Ernährung kann man die Lebergesundheit noch mit folgenden Maßnahmen unterstützen:

  • Medikamente sollten vom Arzt immer wieder auf ihre Indikation und mögliche Neben- und Wechselwirkungen überprüft werden, zumal es neben der pharmakologischen Eigenschaft auch – genetisch bedingt – von Mensch zu Mensch große Unterschiede im Abbau und damit im Wirkspiegel geben kann.
  • Bio statt Toxine: In allen Lebensbereichen empfiehlt es sich, Gifte aller Art zu meiden. Nicht nur in der Ernährung, sondern auch im Haushalt (biologische Reiniger statt chemischen), im Garten (Verzicht auf chemische Düngemittel und Unkrautvernichter) und in Kosmetika.
  • Stress reduzieren: Dauerhafte oder wiederkehrende Belastungen verringern, wenn nötig Lebenssituationen verändern.

 

Dr. Thomas Hartl

Februar 2019


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 13. Februar 2019