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Arzt macht Ultraschall

„Falscher“ Bruch

Sie haben mit klassischen Knochenbrüchen überhaupt nichts zu tun, kündigen sich meistens schleichend mit Schmerzen an, heißen medizinisch Hernien und lassen sich eigentlich nicht verhindern. Am häufigsten kommt es in der männlichen Leiste zum sogenannten Eingeweidebruch. 

Zu den Hernien zählen etwa Leisten-, Nabel-, Zwerchfell- oder Narbenbrüche. „Bei einer Hernie handelt es sich um Lücken in der Bauchwand, durch die Eingeweide dringen können. Dadurch entsteht eine Ausstülpung – der sogenannte Bruchsack“, erklärt Primar Dr. Christoph Kopf, Leiter der chirurgischen Abteilung und des Kompetenzzentrums für Hernienchirurgie am LKH Schärding. 

„Eine Hernie entsteht meistens durch starke körperliche Belastung, sportliche Betätigung oder auch häufiges Husten, etwa bei Asthma“, so der Primar. An der Spitze der verschiedenen Arten steht der Leistenbruch, der eindeutig Männersache ist. „Das Verhältnis Männer zu Frauen liegt bei neun zu eins.“ Die Ursache dafür ist eine Schwachstelle in der männlichen Leiste. Primar Kopf: „Kommen dann noch eine Bindegewebsschwäche, Übergewicht oder körperliche Anstrengungen dazu, weitet sich die Muskulatur der Bauchwand noch mehr und kann leichter einreißen. Durch diese Risse oder Lücken können das Bauchfell und Eingeweide rutschen.“ 

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Bruchsack

Zu den Symptomen zählen ziehende, stechende Schmerzen und eine Vorwölbung der Bauchdecke. Christoph Kopf: „Beleibte Menschen tippen oft lange nicht auf einen Leistenbruch, da die Schwellung nicht zu sehen ist.“ Bei der ärztlichen Untersuchung wird abgeklärt, ob es sich wirklich um eine Hernie handelt. „Sichere Anzeichen dafür sind die tastbare Bruchlücke und der Bruchsack. Bei Unklarheit wird zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, bei Narbenbrüchen manchmal auch eine Computertomographie“, so der Chirurg. 

In unkomplizierten Fällen kann die Vorwölbung zurückgedrückt werden. Auch muss nicht jeder Bruch mit Schmerzen einhergehen. Primar Kopf: „In diesem Fall muss nicht unbedingt operiert werden, aber der Bruch muss aufmerksam beobachtet werden, da er sich mit der Zeit vergrößern kann. Grundsätzlich ist aber eine Operation die einzige Therapie.“ 

Der Bruch der Bauchwand ist in den chirurgischen Abteilungen Routinesache. Am häufigsten wird der Leistenbruch operiert. Rund 25.000 Operationen werden jährlich in Österreich durchgeführt. Dafür gibt es zahlreiche Methoden – vom offenen Operationsverfahren mit direktem Nahtverschluss oder Einsetzen eines Kunststoffnetzes bis hin zur immer häufiger angewendeten Knopflochchirurgie. „Für jeden Patienten wird ein individueller OP-Ablauf erstellt“, erklärt der Chef des Hernien-Kompetenzzentrums. „Manche Brüche können tagesklinisch operiert werden, sonst ist man bis zu drei Tage im Krankenhaus. Anschließend ist körperliche Aktivität sofort möglich, nach zehn Tagen ist eine Steigerung der körperlichen Belastung bis zur Schmerzgrenze erlaubt. Etwa drei Wochen nach der OP kann bei sportlichen Aktivitäten wieder maximal belastet werden.“ 

Übrigens: Vorbeugen kann man einer Hernie nicht. „Man ist ja ständig in Bewegung. Auch Bruchbänder, die sich Männer früher auf die Leistengegend tapeziert haben, verhindern bei großer körperlicher Belastung keinen Leistenbruch. Allerdings können Rauchen, chronische Erkrankungen oder bestimmte Medikamente das Immunsystem schwächen. Das kann bei Operationen zu Wundheilungsstörungen und dann zu Narbenbrüchen führen“, sagt Primar Christoph Kopf. 


Cornelia Schobesberger

Februar 2019 

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Kommentar 

Falscher Bruch Kommentarbild Dr. Christoph Kopf „Ein Bruch der Bauchwand heilt nicht von selbst und kann immer größer werden. Deshalb sollte jede Hernie operiert werden.“

Dr. Christoph Kopf

Leiter der chirurgischen Abteilung und des Kompetenzzentrums für Hernienchirurgie, LKH Schärding


Bilder: shutterstock; privat


Zuletzt aktualisiert am 08. Februar 2019