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Frau hat Schmerzen am Arm

Höllische Schmerzen

Ob man sie nun Gürtelrose oder medizinisch korrekt Herpes Zoster nennt: Die Erkrankung tritt sehr häufig auf und kann höllische Schmerzen verursachen. Das Virus schlummert in jedem, der als Kind Windpocken hatte, und kann aufwachen, wenn das Immunsystem schwächelt. 

Ihren Spitznamen hat die Gürtelrose, weil sich der Ausschlag bei ausgeprägten Erscheinungsformen von der Wirbelsäule ausgehend gürtelförmig um den Körper schlingt und eine „Wundrose“ hervorruft. Das wiederum ist eine altertümliche Bezeichnung für eine akute, lokal begrenzte Hautentzündung, die für verschiedene Krankheitsbilder unterschiedlicher Ursachen verwendet wurde. 

„Der Zoster ist nichts anderes als ein Wiederaufflammen der Windpocken“, erklärt Primar DDr. Wolfram Hötzenecker, Leiter der Abteilung Dermatologie am Kepler Universitätsklinikum in Linz. „Als Kind steckt man sich mit dem Varizella-Zoster-Virus an und erkrankt an Windpocken, gegen die man dann immun ist. Doch das Virus lebt in bestimmten Nervenzellen weiter und kann wieder aktiv werden.“ Und zwar dann, wenn das Immunsystem schwächer wird, zum Beispiel bei älteren Personen sowie bei Menschen, die immunsupprimierende Medikamente einnehmen müssen oder an Krebs oder HIV erkrankt sind. 

Die Krankheit gehört für Hautärzte quasi zum Alltag. „In Österreich verzeichnet man bis zu 40.000 Fälle pro Jahr“, sagt Primar Hötzenecker. „Rund 30 Prozent der Bevölkerung erkranken mindestens einmal im Leben an Gürtelrose. Bei den über 80-Jährigen ist es sogar die Hälfte.“ 

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Infektiöse Bläschen

Wie aber verläuft die Krankheit? Dazu der Experte: „Sobald das Virus, das oft jahrzehntelang geschlafen hat, aktiviert wird, beginnt es die Nervenbahnen entlang Richtung Haut zu wandern.“ Der Betroffene spürt in diesem Abschnitt stechende Schmerzen. Deshalb ist zu dieser Zeit überhaupt noch nicht erkennbar, dass eine Gürtelrose im Anmarsch ist. „Sind die Schmerzen etwa im Rücken, glauben viele Patienten, sie hätten einen Bandscheibenvorfall“, so der Dermatologe. Nach sieben Tagen bilden sich schließlich infektiöse Bläschen an der betroffenen Hautstelle. „Nun ist klar, dass es doch kein Bandscheibenvorfall ist. Ab jetzt ist der Patient sieben Tage lang ansteckend. Allerdings kann er nur jene infizieren, die noch nie Windpocken hatten, und das sind ganz wenige Menschen“, erklärt DDr. Hötzenecker. Innerhalb der nächsten sieben Tage trocknen die Bläschen ein, verkrusten und heilen ab.  

Zusammengefasst heißt das: sieben Tage Schmerzen, sieben Tage Bläschen, sieben Tage Heilungsprozess. Meistens hinterlässt die Gürtelrose keine Narben. Allerdings kann der betroffene Nerv oft noch monatelang beleidigt sein und starke Schmerzen verursachen. „In 50 Prozent der Fälle tritt der Zoster am Oberkörper auf, in 30 Prozent am Gesicht, 20 Prozent verteilen sich am restlichen Körper“, sagt der Primar. Im Normalfall wird die Krankheit mit Zinkschüttelmixturen, Schmerzmedikamenten und antiviralen Tabletten oder Infusionen behandelt. Ist allerdings das Gesicht betroffen, sollten die Patienten stationär aufgenommen werden. „Die Gefahr, dass Augen, Ohren oder das Gehirn Schäden nehmen könnten, wenn sich dort die Gürtelrose ausbreitet, ist zu groß“, warnt DDr. Hötzenecker. 

Um das Immunsystem zu stärken, rät der Spezialist zu gesunder Ernährung und zur Vermeidung von Stress. „Es gibt auch eine Impfung gegen Herpes Zoster, die ab dem 50. Lebensjahr empfohlen wird. Allerdings ist diese Lebendimpfung nicht sehr zuverlässig. Sie schützt nur in 50 Prozent der Fälle, ab dem 80. Lebensjahr sogar nur in 30 Prozent“, so der Primar. „Deshalb wird sie nur selten in Anspruch genommen.“ 

 

Cornelia Schobesberger

Jänner 2019

 

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Kommentar

Höllische Schmerzen Kommentarbild DDr. Wolfram Hötzenecker, MBA „Im Gegensatz zu Windpocken, an denen man nur einmal erkrankt, kann die Gürtelrose mehrmals im Lauf des Lebens ausbrechen.“ 

DDr. Wolfram Hötzenecker, MBA

Vorstand der Klinik für Dermatologie und Venerologie, Kepler Universitätsklinikum, Linz

 

Bilder: shutterstock; privat

 

Zuletzt aktualisiert am 28. Januar 2019