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Auge

Erkrankungen der Netzhaut

Erkrankungen der Netzhaut sind in der Regel gut behandelbar – wenn man mit der Therapie rasch beginnt. Risikofaktoren einer solchen Augenerkrankung sind vor allem hohes Alter und Diabetes. 

Die Netzhaut (Retina) befindet sich auf der Innenseite des Auges und besteht aus mehreren Zellschichten. Millionen von spezialisierten Zellen arbeiten hier auf kleinstem Raum zusammen. Die Retina gilt als biologisches Meisterwerk und als eine Art Außenstelle des Gehirns. Sie wandelt Licht in Nervenimpulse um und filtert unwichtige Informationen aus. Die wichtigen Impulse werden über den Sehnerv ins Gehirn weitergeleitet. 

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Anfällig im Alter 

Die Netzhaut wird im Alter anfällig für Erkrankungen. Hierbei handelt es sich vor allem um Erkrankungen der Makula (betrifft die Netzhautmitte; diese befindet sich an der der Pupille gegenüberliegenden Seite), diabetische Netzhautveränderungen und Erkrankungen der äußeren Netzhaut (Löcher beziehungsweise Ablösungen der Netzhaut). 

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Makuladegeneration 

Die häufigste Erkrankung an der Netzhaut ist die Makuladegeneration. Makulaerkrankungen sind Erkrankungen der Netzhautmitte, die Lesefähigkeit und das zentrale Sehen nehmen ab. „Man sieht also nicht mehr so gut, wenn man auf etwas Bestimmtes schaut. Beim Lesen verschwimmen oder verschwinden plötzlich Worte oder einzelne Buchstaben“, sagt OÄ Dr. Britta Lübke, Fachärztin für Augenheilkunde am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Linz.

Es wird zwischen einer „trockenen" und einer „feuchten" Degeneration unterschieden, wobei 85 Prozent der Fälle die trockene Variante betreffen. Dabei bildet sich ein Teil der Netzhaut zurück, sie wird dünner und kann absterben. Die Sehfähigkeit wird dabei schrittweise beeinträchtigt. Zu Beginn ist die Sehkraft nur wenig eingeschränkt, im fortgeschrittenen Verlauf wird das zentrale Gesichtsfeld jedoch erheblich beeinträchtigt und kann fast vollständig ausfallen. Die feuchte und seltenere Form der Makuladegeneration entsteht meist aus der trockenen Variante und entwickelt sich oft rascher als die trockene Degeneration. Dabei wachsen Blutgefäße (deswegen „feuchte“) in die Makula ein und verursachen irreversible Zellschäden in der Nezthaut.

Einschränkungen des zentralen Sehens können zur Folge haben, dass zum Beispiel Gesichter nicht mehr erkannt werden und Alltagshandlungen wie Autofahren und Lesen unmöglich werden. Starke Seheinschränkungen können vor allem bei der fortgeschrittenen feuchten Form auftreten. 

Risikofaktoren: Bei der Makuladegeneration handelt es sich um eine typische Alterserscheinung (ab 60 Jahren). Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Der einzige beeinflussbare Risikofaktor ist das Rauchen.

Therapie: Während man diese Erkrankung vor zwei Jahrzehnten noch nicht behandeln konnte, so ist sie heute die mit Abstand am häufigsten behandelte Netzhauterkrankung. Durch die Therapie kann der Verlust der Sehkraft deutlich verlangsamt und damit die Erblindung verhindert werden.

Die Behandlung besteht in der Setzung von Injektionen (Spritzen). „Es handelt sich um kleine Routinemaßnahmen, die im Gegensatz zur einer Laserung keinerlei Narben hinterlassen. Zu Beginn der Behandlung werden drei Injektionen im Abstand von vier Wochen gesetzt. Wir behandeln einen Patienten solange, bis die Erkrankung stabil wird. Dann kann man die Intervalle der Spritzen verlängern oder die Behandlung pausieren“, sagt Lübke. Da es sich um eine chronische Erkrankung handelt, die momentan noch nicht heilbar ist, wird zur lebenslangen Kontrolle geraten – insbesondere in der Therapiepause.

Der Patient ist bei der Behandlung wach und bei vollem Bewusstsein, er bekommt jedoch Betäubungstropfen in die Augen. „Das ist auch völlig ausreichend, denn am Auge sind kaum Schmerzrezeptoren vorhanden, es schmerzt also nicht. Die Patienten gewöhnen sich an die Behandlung meist sehr schnell. Die Sorgen, die sie vor der ersten Injektion manchmal haben, erweisen sich als überflüssig, da die kurze Prozedur viel weniger schlimm ist, als befürchtet“, sagt Lübke. Nach der Behandlung kann der Patient das Krankenhaus sofort wieder verlassen. 

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Diabetische Netzhautveränderungen 

Diabetes mellitus verursacht Schäden an der Netzhaut. In diesem Fall kann sowohl das zentrale Sehen, also die Sehschärfe in der Mitte des Auges, als auch die äußere Netzhaut beeinträchtigt sein. Lübke: „Durch Diabetes kommt es zu einer verminderten Durchblutung des Auges mit Sauerstoffmangel, Gefäßundichtigkeiten und Gefäßwachstum, was zu einer Schwellung der Netzhautmitte und im Extremfall zu einer besonderen Form der Netzhautablösung bis hin zu einer Einblutung in das Auge führen kann.“

Typ-1 und -2: Ist Typ-2-Diabetes Ursache der Erkrankung der Netzhaut, tritt diese meist erst im höheren Alter auf und betrifft zumeist die Netzhautmitte. Typ-1-Diabetes ist genetisch bedingt. Die Typ-1 bedingte Netzhautveränderung tritt schon ab 50 Jahren auf und betrifft häufiger die äußere Netzhaut.

Therapie: Ist die Netzhautmitte betroffen, werden ebenfalls Spritzen in das Auge geben. Ist die äußere Netzhaut betroffen, kommt eine Laserung zum Einsatz. Es handelt sich wie bei einer Injektion um einen kleinen Routineeingriff, der rund zehn Minuten dauert. Er wird ambulant durchgeführt, nach dem Eingriff kann man sofort wieder nach Hause gehen. Mit einer rechtzeitigen Laserbehandlung kann die Sehkraft in vielen Fällen wiederhergestellt werden. „Bei einer Einblutung oder einer durch Diabetes bedingten Netzhautablösung bleibt meist nur die Operation“, sagt Lübke. 

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Löcher und Ablösung der Netzhaut 

Erkranken Bereiche der äußeren Netzhaut, können Löcher in der Netzhaut entstehen und die Netzhaut kann sich ablösen. Das Sehen von Blitzen und/oder eines sogenannten Rußregens (schwarze Punkte „regnen“ im Sichtfeld herab) ist ein Warnzeichen für eine Ablösung. Wenn sich dunkle Schatten vom äußeren Gesichtsfeld nach innen bewegen, hat sich die Netzhaut bereits abgelöst. Vereinzelt sich bewegende Trübungen im Blickfeld, welche als „fliegende Mücken“ („mouches volantes“) wahrgenommen werden, sind hingegen harmlos.

Eine vollständige Ablösung bedroht das Sehvermögen massiv und kann unbehandelt zur völligen Erblindung führen. Oberstes Gebot ist daher eine rasche augenärztliche Untersuchung und Behandlung.

Risikofaktoren: Kurzsichtigkeit, höheres Alter, Netzhautablösungen bei Verwandten.

Therapie: Bei einem Loch oder einem Riss in der Netzhaut genügt eine Laserung. Dabei werden Laserherde um das Loch/den Riss gesetzt, um diese abzusichern. Eine Ablösung der Netzhaut wird dadurch meist verhindert. Bei einem Loch plus einer Ablösung (was selten vorkommt) erfolgt ein chirurgischer Eingriff. „Für eine erfolgreiche Operation sind heute kleinere Schnitte nötig wie noch vor einigen Jahren. Das bedeutet eine geringere Belastung für die Augen und den Patienten“, sagt Lübke. Der Eingriff findet unter Vollnarkose statt, meist bleibt der Patient zwecks Vorbereitung und Kontrolle drei bis vier Nächte im Krankenhaus. 

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Vorbeugung

  • Ein gesunder Lebensstil trägt dazu bei, die Makula möglichst lange gesund zu erhalten. „Es empfiehlt sich eine gesunde Ernährung mit viel Gemüse und Fisch. Auch Vitamin-Kombinationspräparate können sinnvoll sein, man sollte dies aber nur nach Absprache mit dem Augenarzt in Erwägung ziehen. Und ganz wichtig: Man sollte nicht rauchen“, hält Lübke fest.
  • Diabetiker sollten unbedingt regelmäßig zur Augenkontrolle gehen, auch wenn die Augen noch keine erkennbaren Probleme bereiten.
  • Jedermann sollte ab und zu absichtlich nur mit einem Auge etwas ansehen oder kurz lesen, um zu testen, ob man mit dem offenen Auge gut sieht. „Denn das Gehirn ist in der Lage, nur mit einem Auge zu sehen. Bei Ausfall eines Auges reicht dem Gehirn die Leistung des guten Auges und man bemerkt das als Betroffener oft lange Zeit nicht“, sagt die Augenärztin.
  • Zur Vorbeugung zählt auch der regelmäßige Kontrollbesuch beim Facharzt. „Mittlerweile nehmen viele Menschen diese Kontrollen sehr ernst und das ist gut so, denn dadurch können Erkrankungen frühzeitig erkannt und behandelt werden. Diese Frühzeitigkeit ist bei der Augengesundheit enorm wichtig. Das betrifft sowohl die Gesundheit der Makula als auch die der äußeren Netzhaut. Wer bei einer Augenerkrankung schnell eine Behandlung bekommt, hat die besten Chancen, seine Sehkraft bestmöglich zu bewahren“, sagt Lübke.

 

Dr. Thomas Hartl

Jänner 2018


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 09. Januar 2019