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Alter Mann sitzt mit seinem Hund auf einer Parkbank

Einsamkeit im Alter

Alte Menschen haben ein erhöhtes Risiko, zu vereinsamen. Doch das muss nicht sein: Wer sich auf die Lebensphase nach der Pensionierung einstellt, Beziehungen pflegt und aktiv bleibt, beugt Einsamkeit vor. 

Lange andauernde Einsamkeit ist nicht nur ein unerwünschter Gemütszustand, sondern auch ein Gesundheitsrisiko. Einsamkeit ist ein Stressfaktor und erhöht das Risiko für hohen Blutdruck, Depression, Schlaflosigkeit, Demenz, Alkohol- und Medikamentenmissbrauch. Einsamkeit kann Mensch jeglichen Alters betreffen, doch sind ältere Menschen aufgrund verschiedener Ursachen einem höheren Risiko ausgesetzt, einsam zu sein, als Jüngere.

Einsamkeit ist ein subjektives Empfinden und nicht mit dem Alleinsein zu verwechseln. Wer alleine ist, muss nicht zwangsläufig einsam sein. Freilich fördert das Alleinsein die Einsamkeit, vor allem wenn es längere Zeit andauert und unfreiwillig ist. 

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Was fehlt 

Einsamen Menschen fehlen meist der Austausch mit einem Partner, mit Freunden, Gespräche, körperlicher Kontakt, gemeinsames Schlafen, emotionale Nähe oder einfach Gemeinsamkeit im Alltag. „Als soziale Wesen brauchen wir Ansprechpartner. Wir brauchen das Miteinander, die Eingebundenheit in Gemeinschaften. Manche brauchen das mehr als andere, aber keiner kann völlig für sich allein existieren. Wir brauchen andere Menschen wie Wasser oder Essen, das ist ein menschliches Grundbedürfnis“, sagt Elisabeth Fölser, BSc, Psychotherapeutin in Linz. 

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Lebensumstände ändern sich 

Dass das Leben ständige Veränderungen mit sich bringt und man zwangsläufig auch mit Verlusten klarkommen muss, merkt man spätestens im Alter. Wenn der Ruhestand die Arbeit ablöst, geht nicht nur der vertraute Tagesablauf verloren, sondern man verliert einen Teil seines sozialen Umfeldes. In dieser Lebensphase haben auch die eigenen Kinder meist das Elternhaus bereits verlassen. Erkrankt der Partner schwer oder stirbt, steht man plötzlich alleine da. „Wenn man dann auch noch selbst krank wird und/oder die eigene Mobilität verloren geht, dann nimmt die Möglichkeit zur Teilnahme am Leben weiter ab. Ist die familiäre und nachbarschaftliche Einbindung mangelhaft und kommt es zum Verlust von Freunden durch Tod oder Krankheit, dann besteht eine große Gefahr, dass man zusehends vereinsamt“, sagt Fölser. 

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Abbauprozesse 

Geänderte Lebensumstände tragen zur Vereinsamung bei, aber auch körperliche und geistige Abbauprozesse erhöhen das Risiko. „Nicht nur die Beweglichkeit, Hören und Sehen verschlechtern sich, mit zunehmendem Alter geht auch die soziale Empathiefähigkeit ein Stück weit verloren. Das bedeutet, dass der über die Mimik gezeigte Gefühlsausdruck weniger gut abgelesen werden kann. Somit kann man nicht mehr deutlich erfassen, was andere an Emotionen ausdrücken und ist im sozialen Umgang schnell überfordert. Auch das trägt zum Rückzug bei und schneidet einen von der Umwelt ab“, so Fölser. 

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Gesellschaftlicher Wandel 

Der gesellschaftliche Wandel trägt ebenso zur Vereinsamung von Senioren bei. Lebten früher mehrere Generationen als Großfamilien unter einem Dach, so sind heute Kleinfamilien und auch Singlehaushalte die Regel. „Die Gesellschaft ist gefordert, auf diese Entwicklung Antworten zu finden. Erste Ansätze sind Besuchsdienste, Senioren-Wohnungsgemeinschaften, betreutes Wohnen und Mehrgenerationenhäuser. Auch sollte sich jeder von uns rechtzeitig überlegen, wie er im Alter wohnen möchte. Oft wird das eigene Haus zu groß, die Stufen zu beschwerlich, das Führen eines eigenen Haushalts zu anstrengend. Wenn man sich auf diese Situationen gut vorbereitet, kann man sich viel Stress und Leid ersparen“, erklärt Fölser. 

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Mehr Frauen leben allein 

Je höher das Alter, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines Single-Daseins. „Es gibt wesentlich mehr weibliche als männliche Single-Senioren. Das liegt vor allem daran, dass Frauen länger leben als Männer. Ein anderer Grund liegt in den vielen Trennungen, die erfolgen, wenn die Kinder das Elternhaus verlassen. Manche Frauen bleiben nach der Trennung alleine, entweder weil sie das so wollen oder weil sie keinen geeigneten Partner mehr finden. Erschwert wird die Partnersuche für Frauen im Alter auch durch das Fehlen der Männer“, sagt Fölser. 

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Vorbeugen 

Das Alter kommt weder plötzlich noch überraschend. Es wäre also klug, sich rechtzeitig, am besten noch vor der Pensionierung damit zu befassen, wie die Zeit im sogenannten Ruhestand aussehen soll. Fragen, die man sich stellen kann: Was will ich machen? Was sein lassen? Was an Neuem ausprobieren? Wie will ich mit der Tatsache umgehen, dass ich nicht mehr zu den Jungen gehöre? Kann ich das wohlwollend akzeptieren und mich neu orientieren? 

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Freude und Freunde 

Fölser: „Wichtig ist es, sich darum zu bemühen, mit seinen Freunden, Nachbarn und Familienmitgliedern in Kontakt zu bleiben und auch immer wieder neue Freundschaften zu knüpfen. Möglichst gute Beziehungen sind ein extrem wichtiges soziales Polster für das Alter. Beziehungspflege ist die beste Prophylaxe gegen Alterseinsamkeit.“

Einsamkeit geht oft mit Langeweile einher. Vorbeugen kann man beidem, indem man noch in seiner aktiven Berufszeit herausfindet, was Freude macht und sich nicht ausschließlich der Arbeit und der Kindererziehung widmet. Hobbies und Freizeitaktivitäten sollte man sein Leben lang kultivieren, um im Alter Interessen zu haben, wenn Arbeit und/oder Partner enden oder verloren gehen und die Kinder ihrem eigenen Leben nachgehen. Hat man solche Hobbies, kann man sich auch im Alter leichter überwinden, aktiv zu bleiben und ihnen nachzugehen. „Die Lebenslust bleibt am längsten bei denen aufrecht, die sich am Leben und den Dingen, die es bietet, begeistern können“, sagt die Psychotherapeutin. 

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Aktiv bleiben 

Ein aktiver Lebensstil hält lange fit und ermöglicht soziale Kontakte bis ins hohe Alter. Immer mehr Senioren sind Mitglied in Sportvereinen, gehen Tanzen oder engagieren sich in Sozialvereinen. All das ist gut und wichtig. Je mehr man sich einbringt, desto mehr Freude hat man am Leben und desto weniger Chancen hat die Einsamkeit im Alter. Ein aktiver Lebensstil trägt auch dazu bei, länger gesund zu bleiben und das wiederum wirkt der Einsamkeit entgegen.

Kontaktmöglichkeiten bieten vor allem Vereine (Sport, Kultur, Brauchtum etc.), Chor, Schachclub, Literaturkreis und Reisen. Auch das Internet wird zunehmend von den älteren Generationen genutzt. Soziale Foren und auch Dating-Seiten finden immer mehr Zuspruch. „Um sich diese Möglichkeiten zu erschließen, braucht es ein gewisses Maß an Neugierde. Neugierde ist eine entscheidende Ressource, wenn es darum geht, auch im Alter neue Interessen und Kontakte zu finden“, sagt Fölser. 

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Hilfe suchen 

„Einsamkeit macht krank und kränkt die Seele. Es braucht ein Netzwerk von angebotener Hilfe und professioneller Unterstützung. Senioren nutzen vermehrt das Angebot psychotherapeutischer Begleitung. Das Bewusstsein, sich helfen lassen zu können, steigt merklich. Die Klienten fühlen sich durch die Therapie wertgeschätzt und sie wollen belastende Konflikte, die ihnen das Leben schwer machen, klären. Gelingt das, kann das zu einem Anstieg von Lebenszufriedenheit führen“, hält Fölser fest.

 

Dr. Thomas Hartl

Dezember 2018


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 31. Dezember 2018