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Mann und Frau liegen im Bett, Mann schnarcht und Frau hält sich mit dem Polster die Ohren zu

Schlafapnoe und ihre möglichen Folgeerkrankungen

Eine Schlafapnoe mitsamt ihrem lauten Schnarchen verleidet nicht nur dem Partner den Schlaf, sie ist zudem gesundheitsgefährdend und birgt das Risiko vieler Folgeerkrankungen. Studien belegen immer mehr Zusammenhänge zu körperlichen und auch psychischen Erkrankungen. 

Die obstruktive Schlafapnoe (in der Folge: Schlafapnoe, OSA) zählt zu den häufigsten Volkskrankheiten. Dabei kommt es im Schlaf zu immer wiederkehrenden Blockaden der oberen Atemwege, wobei jeweils mehrere Sekunden lang (maximal bis zu einer Minute) keine Luft in die Lunge gelangt. Damit man nicht erstickt, startet der Köper eine vom Gehirn ausgelöste Weckreaktion: Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt rasant, die Muskeln spannen sich an, sogar Arme und Beine beginnen sich zu bewegen. Schließlich wacht man mit einem lauten (oft explosionshaften) Schnarchgeräusch kurz auf, holt tief Luft und schläft weiter – bis zur nächsten Atemblockade.

Atemaussetzer in der Nacht haben fast alle Menschen. „Bis zu fünf Atemstörungen pro Stunde Schlaf sind aber unbedenklich. 5 bis 15 gelten als leichte Schlafapnoe. Ab fünfzehn Aussetzer pro Stunde handelt es sich um eine behandlungsbedürftige Schlafapnoe“, sagt Prim. Dr. Josef Bolitschek, Leiter der Lungenabteilung am Ordensklinikum Linz Elisabethinen. 

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Stress und wenig Sauerstoff 

Bei einer Schlafapnoe wird bei jeder Weckreaktion des Körpers der Schlaf unterbrochen. Jeder Atemstillstand löst eine körperliche Alarmreaktion aus, wobei Stresshormone ausgeschüttet werden. Der Körper wird also jede Nacht immer wieder in einen Alarmzustand versetzt – bis zu hundert Mal pro Nacht. Eine der Folgen: Dauerstress, keine nächtliche Erholung, hoher Blutdruck mitsamt seinen Folgeerkrankungen.

Neben der Stressreaktion erzeugt Schlafapnoe ein zweites großes Problem: Betroffene haben dadurch zu wenig Sauerstoff in Blut, Gehirn und Organen zur Verfügung. 

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Frauen und Männer 

Risikogruppen sind Menschen mit starkem Übergewicht, Bluthochdruck und Herzerkrankungen. Wie viele Menschen an einer behandlungsbedürftigen Schlafapnoe leiden, darüber gibt es keine verlässlichen Zahlen, aber ziemlich einheitliche Schätzungen: „Bei Männern haben gut vier Prozent eine behandlungsbedürftige Schlafapnoe, bei Frauen zwei Prozent. Die leidenden Ehefrauen der schnarchenden Männer sind das Hauptmotiv, dass die Männer endlich zum Arzt gehen“, sagt Bolitschek. Frauen dagegen gehen aus Verantwortung um die eigene Gesundheit von sich aus zum Arzt. 

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Mögliche Folgeerkrankungen 

Herz-Kreislauferkrankungen: Schlafapnoe erhöht den Blutdruck und schädigt durch die ständigen Stressreaktionen zudem die Blutgefäße. Zudem fällt bei Schlafapnoe ständig der Sauerstoff ab und erhöht dadurch im Laufe der Zeit die Gefahr von Herzrhythmusstörungen, Herzmuskelschwäche und Herzinfarkt.

Schlaganfall: Das Schlaganfall-Risiko steigt bei einer unbehandelten OSA und das 4-fache an.

Hirnschädigung: Es wird vermutet, dass es bei Schlafapnoe aufgrund einer chronischen Hypoxämie (Sauerstoffmangel) zu einer schleichenden Schädigung des Gehirns kommt.

Erektionsstörungen, sinkende Libido: Zum einen sinkt die Lust am Sex (die Libido lässt nach), zum anderen sinkt auch die Erektionsfähigkeit des Penis. Grund dafür ist wiederum der mangelnde Sauerstoff und die Stresssituation.

Niereninsuffizienz: Untersuchungen zeigen, dass sich sowohl durch die von Schlafapnoe ausgelösten Stressreaktionen, durch Entzündungen und auch durch Sauerstoffmangel das Risiko einer Niereninsuffizienz erhöht.

Tinnitus: Tinnitus ist eine der möglichen Stressfolgen der gewaltsamen Weckreaktionen in der Nacht. Möglicherweise sind auch Hörsturz und Magengeschwüre solche Stressreaktionen, eindeutig wissenschaftlich erwiesen ist das aber noch nicht.

Diabetes Typ 2: OSA erhöht die Entzündungsparameter, die wiederum das Diabetesrisiko erhöhen.

Alzheimer: Mehrere Studienhaben haben Hinweise geliefert, dass Schlafstörungen im Fall von Alzheimer den kognitiven Abbau beschleunigen können.

Krebs: In Diskussion steht, ob Schlafapnoe Krebs auslösen kann. Manche Studien zeigen deutliche Zusammenhänge, andere wiederum verneinen diese. „Der Zusammenhang könnte über den geringen Sauerstoffanteil im Blut, der Hypoxämie, bestehen. Das könnte die Ausschüttung von Substanzen vorantreiben, die das Tumorwachstum fördern. Das klingt einigermaßen logisch, vieles ist aber noch unklar und muss erst weiter erforscht werden“, so Bolitschek.

Erschöpfung und psychische Probleme: Exzessive Tagesmüdigkeit und körperliche und psychische Erschöpfung sind Folgen von langfristiger Schlafapnoe. Häufig resultieren daraus chronische Erschöpfungszustände, auch psychische Störungen sind möglich.

Unfälle: Da Betroffene sich am Tag oft nicht mehr wachhalten können und bei monotonen Tätigkeiten einschlafen, verursachen sie häufig Unfälle, wie etwa Kraftfahrer, die am Steuer einschlafen.

Kinder: Auch Kinder sind nicht selten von Schlafapnoe betroffen. Auslöser sind meist vergrößerte Mandeln im Rachen oder am Gaumen. Werden sie operiert, ist auch das Problem der Schlafapnoe gelöst. Betroffene Kinder sind meist sehr müde, in der Schule können sie dem Unterricht kaum folgen. Manche fallen als hyperaktiv auf. Ob Schlafapnoe ADHS auslösen kann, ist umstritten. 

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Erkennen und Diagnose 

Das Hauptsymptom ist explosionsartiges Schnachen am Ende eines Atemstillstandes. Das zweite Merkmal ist die massive Tagesmüdigkeit mit ausgeprägtem Schlafzwang. Auffällig ist, dass diese Tagesmüdigkeit bereits am Morgen auftreten kann. „Man hat gar keine Chance, diese Müdigkeit zu überwinden. Sobald dann irgendeine monotone Tätigkeit hinzukommt, schläft man fast zwangsweise ein“, hält Bolitschek fest. 

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Im Schlaflabor 

Bei Verdacht auf ein Schlafapnoesyndrom sollte man den Hausarzt oder Lungenfacharzt aufsuchen oder einen Arzt, der mit schlafbezogenen Atemstörungen Erfahrung hat. Im Falle eines Kindes sollte der Kinderarzt oder auch ein HNO-Arzt befragt werden.

Manche Patienten werden in ein Schlaflabor überwiesen. Dort messen Schlafmediziner Gehirnströme, Augenbewegungen, Herzfunktion, Atmung, die Bewegung der Beine, Muskelspannung und Schlafpositionen. All das gibt Auskunft, ob eine Schlafstörung vorliegt. Die Wartezeit, bis ein Platz in einem Schlaflabor zur Verfügung steht, ist mitunter lang. „Bei uns im Krankenhaus ist die Situation nicht dramatisch, man muss mit drei Monaten Wartezeit rechnen. In dringenden Fällen werden Patienten auch akut eingeschoben“, so Bolitschek. 

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Therapie 

Eine Therapie ist ab 15 Atemaussetzer pro Stunde dringend angeraten. Wird eine OSA nicht behandelt, sinkt die Lebenserwartung um mehrere Jahre.

Therapiemöglichkeiten im Überblick:

  • Gewichtsreduktion

  • Reduktion von Alkohol, vor allem kein Alkohol nach 16 Uhr

  • Schlafposition ändern. Seitschlafposition trainieren, Rückenschlafen vermeiden

  • Nasen-OP falls medizinisch indiziert

  • Nasenmaske (n-CPAP) ist die Therapie der Wahl bei mittelschwerer und schwerer Schlafapnoe. Die Maske wird zuhause vor dem Einschlafen aufgesetzt. Primar Bolitschek: „Die meisten Patienten haben sich nach einer Woche an die Maske gewöhnt und haben dann keine Probleme, mit ihr zu schlafen. Manche Patienten jedoch reagieren auf die Maske klaustrophobisch und kommen damit nicht zurecht.“

 

Dr. Thomas Hartl

Februar 2018


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 14. Februar 2018