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Kastanie oder Pfirsich?

Die langsame Vergrößerung der Prostata gehört bei Männern zum Altern. „60 Prozent der 60-jährigen Männer haben ein benignes Prostatasyndrom, aber nicht jeder leidet darunter“, sagt Univ.-Prof. Frens Steffen Krause, Chef-Urologe am Kepler Universitätsklinikum Linz. 

Die Vorsteherdrüse liegt im Becken am Übergang der Harnblase zur Harnröhre. Sie ähnelt in Form und Größe einer Kastanie, wiegt normalerweise etwa 20 Gramm und ist umschlossen von einer Kapsel aus Bindegewebe. Sie liefert den größten Anteil an Samenflüssigkeit. 

Die Prostata kann bis zum Fünffachen des Ausgangsgewichtes anwachsen. Aus der Kastanie wird ein Pfirsich. „Die Größe der Prostata korreliert nicht mit den Problemen. Vor allem, wenn die Prostata in Richtung Blasenhals hinaufwächst, kommt es zur Beeinträchtigung beim Wasserlassen“, erklärt Primar Krause.

Kardinalsymptome für die benigne Prostatahyperplasie (BPH) sind das mehrmalige nächtliche Aufstehen zum Urinieren und dass der Harnstrahl schwächer wird. Dazu können Anzeichen wie das Nachtröpfeln, häufige Harnwegsinfekte oder das Gefühl der unvollständigen Entleerung der Blase kommen.

„Wenn ein Mann durch den häufigen Harndrang, das Nachtröpfeln oder nächtliche Aufstehen in der Lebensqualität beeinträchtigt ist, muss man handeln“, sagt der Urologe. Blase und Prostata werden mittels Tast- und Ultraschalluntersuchung sowie Urinstrahlmessung abgeklärt. Beim Nachtröpfeln ohne pathologischen Befund muss man andere Ursachen ausschließen. Auch ohne Beschwerden ist ab 45 die Vorsorge-untersuchung beim Urologen angeraten. Denn tückischerweise kann das Prostata-Karzinom – im Gegensatz zur gutartigen Vergrößerung – lange Zeit symptomlos verlaufen.

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Therapieoptionen 

Meist entwickelt sich die BPH langsam und 70 Prozent der Patienten können medikamentös gut versorgt werden. 

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    Phytotherapie:

    Für milde Symptome ohne Restharn werden Rotklee-, Kürbiskernpräparate oder Stechpalmenextrakte beworben. Die Wirkung ist wissenschaftlich allerdings nicht gesichert.

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    Selektive Alpha-1a-Blocker:

    Sie bewirken eine Entspannung der Blasenhalsmuskulatur, damit eine bessere Entleerung der Blase möglich wird. Vorsicht: Da die gesamte Muskulatur entspannt wird, kann es zu Blutdruckabfall kommen.

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    5-alpha-Reduktasehemmer:

    Diese Mittel greifen in den Hormonstoffwechsel ein und werden in der Regel als Zusatzmedikament zum selektiven Alpha-1a-Blocker bei sehr großer Prostata verordnet, damit sie schrumpft. 

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    Operation:

    Zeigen Medikamente nicht die gewünschteWirkung, nach einer Harnsperre, bei Überlaufblase, Steinbildung und wiederkehrenden Harnwegsinfekten, ist die transurethrale Resektion, die Ausschabung der Prostata, angezeigt. Sie ist die häufigste urologische Operation. Mit einem Endoskop wird über die Harnröhre mit einer Stromschlinge Prostatagewebe entfernt. Üblicherweise nimmt man zwei Drittel der Prostata weg. Das Gewebe kann innerhalb von 10 bis 15 Jahren nachwachsen. Ist die Drüse sehr groß, kann man die Ausschälung mit Lasertechnik durchführen (=transurethrale Enukleation). Nach dem Eingriff bleibt der Mann normalerweise zeugungsunfähig. Eine vorübergehende Drangsymptomatik verschwindet meist wieder. Zu negativen Operationsfolgen wie Erektionsproblemen oder Inkontinenz kommt es äußerst selten.


Mag. Christine Radmayr

Dezember 2018


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Kommentar

Kastanie_oder_Pfirsich_Prim.Univ.Prof.Dr.Steffen_Krause_150x.png „Die Größe der Prostata sagt nicht unbedingt etwas über die Beschwerden aus. Bestimmend für die Symptome und das Auftreten von Restharn ist eher die Wuchsrichtung.“

Prim. Univ.-Prof. Dr. Frens Steffen Krause - Leiter der Klinik für Urologie und Andrologie am KeplerUniversitätsklinikum, Linz



Bilder: shutterstock, privat

Zuletzt aktualisiert am 07. Dezember 2018