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Rheumakranke auf Reisen

Rheumakranke auf Reisen Rheumatiker müssen in der Regel nicht auf Urlaubsreisen verzichten. Bei Reisen gibt es jedoch einige Dinge zu beachten, damit der Urlaub entspannt und sicher stattfinden kann.

Unter „Krankheiten des rheumatischen Formenkreises“, kurz Rheuma genannt, versteht man über 400 verschiedene Erkrankungen, die durch Entzündungen hervorgerufen werden. Die wichtigste Erkrankung ist die rheumatoide Arthritis. Das Leiden verläuft in der Regel schubweise.
Ein Erkrankungsschub kann Wochen bis Monate dauern und wird medikamentös behandelt. Medikamentös gut eingestellte Patienten sind in der Regel besser vor Schüben geschützt als nicht oder schlecht eingestellte. Generell gilt: Ein Schub ist kaum vorhersehbar, weil es keine Vorzeichen für sein Auftreten gibt. Da ein Erkrankungsschub natürlich auch während einer Urlaubsreise auftreten kann (z.B. wenn die Reise oder der Urlaub als sehr belastend empfunden wird), ist es wichtig, ausreichend Medikamente mit sich zu führen und über ihre Handhabung Bescheid zu wissen.

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Reiseziele

Wetterreize können die Beschwerden bei Rheuma durchaus beeinflussen. Bei der Planung des Urlaubszieles sollten daher die Klimabedingungen vor Ort beachtet werden. Zumeist gilt: Nasskalte Luft kann die Beschwerden verstärken, warmes trockenes Mittelmeerklima wirkt günstig, ebenso trockene Höhenlagen mit möglichst stabiler Wetterlage. Extreme Hitze sollte vermieden werden, Reisen ans Mittelmeer eignen sich daher im Frühling und Herbst besonders gut.
„In Mitteleuropa sind alle Reisziele in Ordnung, man muss nur aufpassen, dass man sich nicht der prallen Sonne aussetzt, sondern wenn möglich im Schatten bleibt“, so OÄ Dr. Maarit Konrad, Rheumatologin am LKH Gmunden. Der Grund dafür: Einige Rheuma-Medikamente erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut. Dazu zählen beispielsweise Methotrexat, NSAR oder Sulfasalazin. Direkte und starke Sonnenstrahlung kann die Symptome der Krankheit verstärken und erhöht die Gefahr von Sonnenbränden und zudem medikamentenbedingt (z.B. bei Wirkstoff Methotrexat) das Risiko für bösartige Hauterkrankungen.
Konrad über die Erfahrungen ihrer Patienten: „Die meisten von ihnen unternehmen Individualreisen und es treten bei guter Aufklärung und Vorbereitung fast nie Probleme oder Zwischenfälle auf. Auch mit den Medikamenten gibt es nicht mehr Probleme als zuhause. Verläuft ein Urlaub entspannt, tut das den Patienten sehr gut und manchmal benötigen sie in dieser Zeit sogar weniger Medikamente als daheim.“

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Achtung Fernreise

Fernreisen gestalten sich dagegen schwierig und können sich ungünstig auf die Erkrankung auswirken. Sind sie mit großen Strapazen verbunden, kann dies Krankheitsschübe auslösen. Bei Fernreisen sind zudem häufig Impfungen nötig. Diese werden am besten in einer stabilen Krankheitsphase gespritzt. Die Angst, dass eine Impfung Krankheitsschübe auslösen kann, ist unbegründet.
Rheumatiker haben jedoch das Problem, dass bei ihnen aufgrund der Therapie nicht alle Impfungen vorgenommen werden können. So sind Impfungen mit Lebendimpfstoffen (z.B. gegen Gelbfieber, Tuberkulose, Typhus, Masern, Mumps, Röteln, Windpocken) bei Menschen nicht möglich, die mit Basistherapeutika wie Methotrexat und Leflunomid behandelt werden. Konrad: „Am günstigsten ist es, wenn die Reise zwischen zwei Biologika-Gaben stattfindet. Dies ist jedoch nicht immer möglich, bzw. gibt es auch Spritzen, die man sich wöchentlich verabreichen muss. Falls man eine längere Reise plant, sollte man vom behandelnden Arzt einen Arztbrief mit Diagnosen und den derzeitigen Medikamenten, am besten mit Angabe der Substanznamen sowie der genauen Dosierung, bei sich haben. Da die Biologika über Spritzen oder Fertigpen verabreicht werden, ist es möglich, dass man am Flughafen oder beim Zoll Schwierigkeiten bekommt. Auch hier ist eine Bestätigung vom Arzt, mit einer Erklärung warum man die Spritzen für den persönlichen Bedarf benötigt, notwendig.“

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Reise mit Arzt besprechen

Vor der Reise sollte man sich mit dem Hausarzt oder einem Rheumatologen über die geplante Reise besprechen. Vor allem bei einer geplanten Fernreise sollte man sich vom behandelnden Arzt, einem Reisemediziner oder in einem Tropeninstitut beraten lassen. Neben der Klärung der Reisefähigkeit kann er auch bei der Zusammenstellung der Reiseapotheke helfen. Es gilt festzulegen, welche Medikamente mitgenommen werden, was im Fall eines Schubes zu unternehmen ist und wie sich eine Zeitverschiebung auf die Einnahme von Medikamenten auswirkt.

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Ausreichend Medikamente mitnehmen

Auf jede Reise sollte man seine üblichen Medikamente mitnehmen und sie wie gewohnt, also ohne Unterbrechungen einnehmen. Da es bei Reisen zu Verzögerungen (durch Streiks etc.) kommen kann, sollte man etwas mehr Medikamente mitnehmen, als für die geplante Reisezeit eigentlich erforderlich sind. Konrad: „Um auf einen Krankheitsschub vorbereitet zu sein, gilt es unbedingt Kortison und Schmerzmittel in ausreichender Dosis mitnehmen. Im Fall von täglich einzunehmenden Medikamenten muss sichergestellt sein, dass diese immer griffbereit sind.“

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Medikamente kühlen

Wichtig ist bei bestimmten Medikamenten eine kühle Lagerung. Besonders Biologika vertragen nur Temperaturen zwischen zwei und acht Grad Celsius. Biologika sind Eiweiße, die aus lebenden Zellen gewonnen werden und biochemisch verhindern, dass eine Entzündung auftritt, indem sie in das fehlgesteuerte Immunsystem eingreifen. Um die nötige Kühlung sicherzustellen, eignet sich eine Reisekühltasche oder eine Kühlbox (in Apotheken erhältlich). Man sollte bei einem längeren Transport die Temperatur mit einem Thermometer überprüfen und sich über Kühlmöglichkeiten (z.B. bei Langstreckenflügen) informieren.

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Tipps für Flugreisen

Medikamente gehören in das Handgepäck, bei Verlust des Koffers könnte es sonst zu unangenehmen Folgen kommen. Unbedingt sollte man Kortison und Schmerzmittel mit sich führen. Auch die ärztliche Bestätigung, dass man die Spritzen und den passenden Inhaltsstoff aus gesundheitlichen Gründen benötigt, sollte ins Handgepäck.
Medikamente, die in einer Kühltasche mitgeführt werden, gehören ebenfalls in das Handgepäck und nicht in den Koffer. Denn durch die Kälte im Laderaum (die Temperatur kann unter null Grad Celsius fallen) kann die Wirkung der im Koffer befindlichen Medikamente beeinträchtigt oder zerstört werden. Auch die empfindlichen Einwegspritzen sollte man im Handgepäck mit sich führen.
Sinnvoll kann das Mitführen einer Liste mit den rheuma-spezifischen Fachausdrücken in der Sprache des Reiselandes sein. Falls eine Behandlung im Urlaub notwendig wird, gelingt die Verständigung dadurch besser.

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Versichern schützt

Bei Reisen mit Rheuma sollte man darauf achten, dass die Krankenversicherung im Fall plötzlich auftretender schwerer Krankheitsschübe einen möglichen Rücktransport abdeckt (Rückholversicherung). Auch Versicherungen wie eine Reiserücktrittversicherung sind durchaus sinnvoll, weil die Gefahr, sich vor oder während der Reise einen Infekt einzufangen, bei Rheumatikern höher ist als bei gesunden Menschen.

Dr. Thomas Hartl
Mai 2013


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015