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Frau mit Ärztin im Gespräch

Früherkennungsuntersuchung: Was Sie wissen sollten

Das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erklärt welche Kriterien Vorsorgeuntersuchungen erfüllen müssen, damit deren Ergebnisse aussagekräftig sind.

Das Institut weist gleich vorweg darauf hin, dass Früherkennungsunter-suchungen in der Regel keine endgültige Sicherheit geben können. Sie können auch keine Krankheiten verhindern und sind aber auch kein Garant dafür, dass eine Krankheit entsteht.

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Aussagekraft

Oft liefern die medizinischen Tests einer Vorsorgeuntersuchung keine sichere Diagnose. Es wird zuerst nach Auffälligkeiten gesucht, die im Anschluss mit weiteren Untersuchungen abgeklärt werden müssen. Das ist zum Beispiel bei Hautkrebs-Screenings der Fall, bei denen in einer Ganzkörperuntersuchung verdächtige Hautstellen begutachtet werden, die daraufhin genauer untersucht werden müssen.
Bei manchen Früherkennungsuntersuchungen geht es vielmehr darum, Risikofaktoren für bestimmte Erkrankungen zu entdecken, so das Institut.

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Wann lohnt sich eine Früherkennungsuntersuchung?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Kriterien zur Beurteilung von bevölkerungsweiten Früherkennungsuntersuchungen festgelegt. Dazu gehören unter anderen:

  • Es soll nur auf Krankheiten mit ernsthaften Folgen gescreent werden, damit die Teilnehmer auch einen klaren gesundheitlichen Vorteil davon haben können.
  • Es muss eine ausreichend zuverlässige, selbst nicht schädliche Untersuchungsmethode geben.
  • Es muss eine wirksame Behandlung geben. Von ihr muss nachgewiesen sein, dass sie erfolgreicher ist, wenn sie bereits eingesetzt wird, bevor Beschwerden auftreten.
  • Bürger sollten neutral informiert werden, um für sich persönlich abwägen zu können, ob sie an einer Früherkennungsuntersuchung teilnehmen möchten oder nicht.

Die WHO betont, dass es nicht automatisch von Vorteil ist, eine Krankheit früh zu entdecken, so die deutschen Experten. Es muss nachgewiesen sein, dass eine frühe Diagnose und Behandlung zu besseren Ergebnissen führen. Wenn dies nicht der Fall ist, verlängert eine frühe Diagnose unnötig die Zeit, in der jemand in Sorge lebt und behandelt wird – ohne dass er davon profitieren würde.

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Wann kann eine Früherkennungsuntersuchung nützlich sein?

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler setzen unterschiedliche Forschungsmethoden ein, um Screenings zu bewerten. In Studien wird zum Beispiel überprüft,

  • wie zuverlässig die Untersuchungsmethode ist (Testgenauigkeit),
  • ob eine frühere Behandlung im Vergleich zu einer späteren für die Patienten vorteilhaft ist,
  • welche Gruppen von einer frühen Diagnose und Behandlung profitieren,
  • wie das Verhältnis von Nutzen und Schaden ausfällt.

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Testgenauigkeit

Eine detaillierte Darstellung, wie die Testgenauigkeit einer Früherkennungsuntersuchung festgestellt wird, finden Sie kommende Woche an dieser Stelle.

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Frühe oder späte Behandlung

Wenn eine Krankheit entdeckt wird, bevor sie Beschwerden verursacht, ist das für Betroffene nur dann von Vorteil, wenn der frühe Einsatz einer verfügbaren Behandlung wirksamer ist als ein späterer Beginn der Therapie – also bevor Symptome auftreten.
Ein anderer Grund warum eine frühzeitige Diagnose für die Betroffenen von Vorteil sein kann, wäre die Kenntnis einer genetischen Erkrankung, damit frühzeitig bestimmte Entscheidungen getroffen oder Maßnahmen ergriffen werden können.
Für die Beurteilung der Wirksamkeit von Behandlungen werden sogenannte randomisierte kontrollierte Vergleichsstudien eingesetzt. Dabei werden die freiwilligen Probanden in zwei oder mehr Gruppen eingeteilt, von denen eine die zu testende Behandlung erhält, die andere Gruppe keine oder nur eine Scheinbehandlung (Placebo). Dieses „Studiendesign“ wird auch dazu eingesetzt, um die Wirkung einer frühen mit einer späten Behandlung zu vergleichen. Zeigt die Studie, dass Patienten mit dem früheren Behandlungsbeginn bessere Ergebnisse haben, spricht das dafür, dass eine Früherkennung sinnvoll ist.

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Wer von einer frühen Behandlung profitieren könnte

Nicht alle Altersgruppen tragen das gleiche Risiko für eine Erkrankung. Wenn von 10.000 Menschen nur 20 eine symptomlose und unentdeckte Erkrankung haben, wird es nicht unbedingt sinnvoll sein, alle 10.000 zu untersuchen, um die 20 Erkrankten zu finden, so das IQWiG. Wenn jedoch von 10.000 Personen, die über 60 Jahre alt sind, 500 die fragliche Krankheit haben, könnte es sehr sinnvoll sein, alle über 60-Jährigen zu screenen. Für diese Entscheidung benötigt man sehr große statistische Erhebungen, um die Personengruppen mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Erkrankungen zu identifizieren.

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Verhältnis von Nutzen und Schaden

Eine Früherkennungsuntersuchung kann nützlich sein,

  • wenn es eine zuverlässige Untersuchungsmethode gibt,
  • wenn man weiß, wer ein hohes Risiko für die Erkrankung hat, und
  • wenn Studien gezeigt haben, dass eine frühere Behandlung erfolgreicher ist als eine spätere.

Um den Nutzen und Schaden einer Früherkennungsuntersuchung zu beurteilen, werden ebenfalls randomisierte kontrollierte Studien durchgeführt. In diesem Fall nimmt eine Gruppe regelmäßig an Früherkennungsuntersuchungen teil, während die andere Gruppe nicht teilnimmt. Hier wird nicht die Sensitivität (Treffsicherheit) einer Untersuchung erforscht, sondern ob das Screening auch gesundheitliche Vorteile für die Teilnehmer hat. Nutzen und Schaden einer Früherkennungsuntersuchung lassen sich gegeneinander nur durch Studien abwägen, in denen die Teilnehmenden über die gesamte Screening-Kette – also ab der ersten Untersuchung und während der Folgeuntersuchungen und -behandlungen – beobachtet werden. Sie sind dementsprechend aufwendig.

Unabhängig davon, ob eine Früherkennung in Anspruch genommen wird oder nicht: Wenn Sie Beschwerden haben, die Ihnen Sorgen machen, ist es wichtig, diese ernst zu nehmen. Ein Screening kann nicht verhindern, dass eine Erkrankung auftritt. Auch die beste Früherkennungsuntersuchung garantiert keine Gesundheit. Wir alle müssen damit leben, dass wir krank werden können: Wir sollten nicht überängstlich sein oder uns wegen Krankheiten den Kopf zerbrechen, die wir noch gar nicht haben und wahrscheinlich auch nie bekommen werden, so das IQWiG.

Mehr Informationen zum Thema finden Sie in den Links auf der rechten Seite und

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Mag. Christian Boukal
Dezember 2013

Foto: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 25. Juni 2015