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Die Angst vor weißen Kitteln

die angst vor weißen kitteln - 3 Ärzte im OP Sie müssen nur an Stethoskope, Krankenhäuser oder Spritzen denken und schon läuft es ihnen eiskalt den Rücken hinunter: Menschen, die an der so genannten Iatrophobie, der Angst vor Ärzten, leiden.

Kennen Sie auch dieses mulmige Gefühl vor Krankenhaus- und Arztbesuchen? Das macht sich besonders vor Zahnarztterminen breit. Doch keine Angst, das ist völlig normal. Krankhaft wird es erst dann, wenn aus dem mulmigen Gefühl eine panische Angst wird, mit weit reichenden Auswirkungen auf die Gesundheit.

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Erkrankung mit Folgen

Die Phobie bleibt oft jahrelang unentdeckt. Typisch für Betroffene ist nämlich, dass sie ihre Angsterkrankung nicht als solche erkennen und auch keinerlei Hilfe in Anspruch nehmen. Mit fatalen Folgen: Iatrophobiker verzichten nicht nur auf Arztbesuche, sondern auch auf Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen und Operationen, sie leiden quasi still vor sich hin. Aus harmlosen werden so mitunter schwere und schmerzvolle Erkrankungen und eine erfolgreiche Behandlung wird zunehmend schwieriger.

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Zahnarzt und Co.

In Österreich leiden mindestens zwei bis drei Prozent der österreichischen Bevölkerung an der Angst vor dem Arzt. Im Gegensatz zu Menschen mit Spinnen- oder Schlangenphobien fallen Menschen mit einer Arztphobie tatsächlich in Ohnmacht, wenn sie mit der gefürchteten Situation konfrontiert werden. Mit Abstand am weitesten verbreitet ist die Angst vor dem Zahnarzt – nach Angaben von Psychologen wahrscheinlich eine Langzeitfolge der mangelhaften Schmerzbekämpfung in früheren Jahren. Auch Neurologen, Orthopäden, Chirurgen, Internisten und Psychiater sind bisweilen „gefürchtet“.

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Vielfältige Ursachen

Die Ursachen für Iatrophobie sind vielfältig. „Gründe für die übersteigerte Angst können zum Beispiel sein: Angst vor einem negativen Befund und den damit verbundenen Therapien, Erfahrungen in der Familie oder schlechte, unreflektierte Erlebnisse aus der Kindheit. In jedem Fall trägt vor allem die Vermeidung der angstbesetzten Situationen zum Aufrechterhalten der Angst bei“, so Mag. Charlotte Dichtl, Klinische und Gesundheitspsychologin am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz. Häufig ist die Iatrophobie aber nur Teilaspekt einer umfassenderen Angststörung. Immerhin 15 Prozent aller Österreicher leiden an einer oder mehreren Phobien.

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Mögliche Heilung

Viele Betroffene suchen erst dann einen Arzt auf, wenn die Schmerzen so groß sind, dass sie sie nicht mehr aushalten können. Oder wenn die Zähne so faul sind, dass sie sich nicht mehr ausreichend ernähren können. Leider ist den wenigsten Betroffenen bewusst, dass Arztphobien behandelbare Krankheiten - und mit einer kombinierten Therapie auch in relativ kurzer Zeit heilbar - sind. Dabei lernen Betroffene zunächst, mit Muskelanspannung ihre Ohnmachtsanfälle unter Kontrolle zu bekommen. Anschließend werden in einer Psychotherapie schrittweise Ängste abgebaut. „Eine spezielle Verhaltens- oder Konfrontationstherapie bietet in den meisten Fällen einen Ausweg aus dem Dilemma. Sobald sich der Klient eingesteht, dass er an einer Angsterkrankung leidet und sich damit seiner Ängste bewusst geworden ist, können weitere Schritte unternommen werden“, so Mag. Dichtl.


Michael Leithinger
März 2007

Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015