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Vorsorgemuffel Mann

Vorsorgemuffel Mann Lebe schnell und stirb jung. Für viele österreichische Männer gilt dieses Motto der 60er Jahre noch immer – wenn auch in anderer Form. Ein ungesunder Lebensstil gepaart mit mangelhafter Vorsorge trägt dazu bei, dass Mann in Sachen Gesundheit Frau weit hinterherhinkt.

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Burschen ohne Vorsorge

Lange vernachlässigt, rückt der Mann langsam ins Visier der Ärzte. Während junge Frauen mit dem regelmäßigen Besuch beim Frauenarzt aufwachsen, werden manche Burschen erstmals vor dem Bundesheer gründlich ärztlich untersucht. „Das ist einer der Gründe, warum Männer dann später oft an Krankheiten wie Prostata-Krebs sterben, die bei rechtzeitiger Früherkennung abgewendet werden hätten können“, sagt der Internist und Präsident der International Society for Men's Health and Gender, Prof. Dr. Siegfried Meryn. Meryn beklagt eine generell schlechte Gesundheit bei männlichen Jugendlichen und jungen Männern.

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Männer leben risikoreich

Laut IMCL (Institut für Medizinisch Chemische Labordiagnostik in Wien) trinken Männer mehr Alkohol, sind risikobereiter, sie rauchen zuviel, sind übergewichtig, setzten sich zuviel Stress aus, schlafen zu wenig und haben häufig hohen Blutdruck. Frauen sind dagegen einsichtiger. Sie gehen öfter zum Arzt, sie reden eher über ihre Krankheiten und tauschen sich aus. Männer fressen zu viel in sich hinein, sprechen selten über Schmerzen und körperliches Leid. Sie sind über die eigenen Gesundheitswerte schlecht informiert und nutzen die Angebote der Medizin zu wenig. Männer gehen oft erst zum Arzt, wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt - kaum aber zu Früherkennungsuntersuchungen.

In Zahlen ausgedrückt: Rund die Hälfte aller Frauen gehen regelmäßig zur Krebsvorsorge – aber nur etwa 15 Prozent der Männer. Einzig beim Rauchen gibt es eine Trendumkehr – eine negative. „Immer mehr Mädchen beginnen zu rauchen und holen mit der Zeit die Burschen ein“, sagt Meryn.

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Von der Werbung lernen

Viele Männer müssen erst von der Wichtigkeit regelmäßiger Gesundheitstest überzeugt werden. Meryn macht Vorschläge, auf welche Weise man diese Zielgruppe mit Gesundheitsthemen ansprechen sollte. Zielführend sei eine Sprache und Themen, die Männer verstünden. Botschaften an Männer müssten geschlechtsspezifisch an diese herangetragen werden. „Dabei könnte man viel von der Werbung lernen. Man sollte die Top-Leute der Werbebranche in Gesundheitsaktionen miteinbeziehen“, sagt Meryn.

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Pickerl für den Mann

Ansprechbar seien Männer etwa über das Thema Auto. Kein Wunder also, dass sich die laufende Aktion für Männervorsorge „Vorsorge-Pickerl“ nennt. „Pickerl“, da weiß jeder Mann, das muss sein, jedes Jahr einmal. Und wenn etwas für das Statussymbol Nummer eins wichtig ist, kann es auch für einen selbst nicht so falsch sein. 80.000 Österreicher haben inzwischen ihr Pickerl bekommen. „Die Aktion beginnt zu greifen“, so Meryn.

Die Österreichische Krebshilfe hat gemeinsam mit anderen Organisationen das Projekt Vorsorge-Pickerl für den Mann ins Leben gerufen. Ein Pickerl, das von Herz-Kreislauf- bis zur Krebs-Untersuchung wichtige Vorsorge-Checks enthält: vor allem Blutzucker, Blutdruck und ab dem 45. Lebensjahr die Prostata-Untersuchung.

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Prostata-Untersuchung kann Leben retten

Vor der Prostata-Untersuchung geht vielerorts die Angst um, wofür es aber keinen Grund gibt. Sie dauert nur ein paar Minuten, kann aber das Leben verlängern. Prostatakrebs ist vor Lungen- und Darmkrebs die häufigste Todesursache bei Männern und wird nur noch von den Herz-Kreislauferkrankungen übertroffen. Bis zu 90 Prozent der noch heilbaren Prostatakarzinome können mit dem einfachen Bluttest erkannt werden.

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Vorsorgemuffel Mann

Dennoch scheuen Männer nach wie vor den Besuch beim Arzt. Männer und Vorsorge, da müssen auch heute noch Schwellen überschritten werden. „Männer gehen mit ihrer Gesundheit um, als hätten sie noch eine zweite im Kofferraum“, sagt Meryn. Der Körper hat zu funktionieren. Das ist die Botschaft, die ein Mann an seinen eigenen Körper hat. Dass man ihn aber auch pflegen muss, dass man hineinhören muss, dass man zur Vorsorge gehen muss, dass man – wenn Symptome auftreten – sofort handeln muss, das haben viele Männer noch nicht umgesetzt – bis heute nicht.

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Medizin im Fußballstadion

Männer beklagen oft, einfach keine Zeit zu haben, um zum Arzt zu gehen. Die Anwesenheit am Arbeitsplatz gehe vor und nach der Arbeit habe kaum eine Arztpraxis geöffnet. Meryn schlägt vor, Praxen auch abends und an Wochenenden zu öffnen. Zudem gehöre Mann abgeholt, wo er sich befindet: etwa im Fußballstadion. Hier könnte man Mann erreichen. Wenn Sportler als Idole Aufklärungskampagnen unterstützen, dann seien solche Kampagnen sehr wirkungsvoll. Eine Alternative sei es, die Betriebliche Gesundheitsvorsorge auszubauen.

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Erheblicher Nachholbedarf

Die Beteiligung der Österreicher an den Vorsorge-Checks ist noch viel zu gering. Gerade einmal rund 350.000 Männer gehen jährlich zur Gesundenuntersuchung. Den Arzt suchen sie oft erst auf, wenn sie bereits schwere Krankheitssymptome haben. Laut wissenschaftlichen Untersuchungen benötigen sie bei Beschwerden doppelt so lange wie Frauen, bis sie den Arzt konsultieren. So ist es auch kein Wunder, wenn in Europa das Verhältnis der Todesfälle durch Herzkrankheiten bei 1:1,9 zu Lasten der Männer liegt.

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Krebsvorsorge lebensrettend

Lungen-, Dickdarm- und Prostatakrebs sind die gefährlichsten Krebserkrankungen für Männer. In Österreich erkranken jährlich rund 20.000 Männer an Krebs. Etwa 10.000 sterben jährlich. 6.000 von ihnen könnten durch Früherkennung gerettet werden, so eine Schätzung der Krebshilfe. Dabei könnten schon vergleichsweise einfache – aber regelmäßige – Tests eine deutliche Verbesserung bringen.

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Die wichtigsten Vorsorgeuntersuchungen

Hier die wichtigsten Früherkennungs-Empfehlungen für Männer, die dem Krebs den Kampf ansagen wollen:

  • Monatliche Selbstuntersuchung der Hoden (ab 18 Jahren)
  • Zwei mal im Jahr Haut-Selbstuntersuchung (ab 18 Jahren)
  • Ein Mal im Jahr zum Arzt, um eine Prostatauntersuchung durchführen zu lassen (ab dem 45. Lebensjahr).
  • Jährlich ein Test auf Blut im Stuhl (ab dem 40. Lebensjahr).
  • Eine erste Koloskopie („Darmspiegelung“) mit 50 und danach eine Wiederholung dieser Untersuchung alle fünf bis sieben Jahre.

Weiterführende Infos: www.krebshilfe.net


Dr. Thomas Hartl

April 2014


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015