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Junges Paar im Gespräch

Kommunikation: Besser durch NLP?

Neurolinguistisches Programmieren, kurz NLP genannt, ist für viele ein rotes Tuch. Nicht, dass sie genau wüssten, warum, aber man bringt es in Zusammenhang mit Politik, Manipulation und Macht. Wie böse ist NLP wirklich und was kann man für den Alltag für sich herausholen?

 

Wer über NLP recherchiert, kommt in Österreich an Roman Braun nicht vorbei. Der 55-Jährige hat – wenn man so will – NLP nach Österreich gebracht. Er war der erste zertifizierte Mastertrainer hierzulande. Mittlerweile hat er eine schier unzählige Reihe von Ausbildungen und Zertifikaten vorzuweisen, ist Bestsellerautor, Präsident der European Community for NLP. Er hat seine eigene NLP-Methode – Trinergy genannt – entwickelt, für die sich jährlich tausende Menschen interessieren. Wenn Roman Braun über NLP spricht, leuchten seine Augen; er ist sich seiner Worte und Ausstrahlung durchaus bewusst, aber man hat nicht den Eindruck, er manipuliere die Interviewerin. Oder doch? 

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Was ist NLP?

Was ist eigentlich NLP, dieses Schreckgespenst der 1990er-Jahre, diese angebliche Manipulationsmethode, die Politiker lernen und das Volk beeinflussen, diese heftig umkämpfte und enthusiastisch gefeierte Methode? Die Abkürzung NLP steht für neurolinguistisches Programmieren. Entwickelt wurde dieses Modell von Richard Bandler und John Grinder in den 1970er-Jahre in den USA. Sie nahmen an, dass wir die Welt nicht nur mit unseren Sinnen wahrnehmen (neuro), sondern diese Erfahrungen auch sprachlich zuordnen und bewerten (linguistisch) und unser Verhalten nach diesen Bewertungen ausrichten und verändern können. Am Anfang haben sich Menschen rund um Bandler und Grinder aus den verschiedenen Disziplinen gefragt, wie wir lernen, wissen und kommunizieren, wie wir uns verändern und wie wir den Veränderungsprozess beeinflussen können. Später, Mitte der 70er-Jahre, lag der Fokus der Beobachtung auf denen, die durch herausragende Leistungen aufgefallen waren. Wie gehen „Kommunikationswunder“ auf andere Menschen ein? Was machen sie automatisch und intuitiv richtig? Wie sieht ihr Denken aus, welche Werte vertreten sie, wie verhalten sie sich, wie bewegen sie sich? Daraus sind dann die Veränderungs- und Kommunikationsmodelle entstanden, für die NLP bekannt ist, also eine Sammlung aus verschiedenen Therapieformen. 

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Ist NLP manipulativ?

Die Sprache, die Begrifflichkeiten im NLP sind kompliziert, die Seminare versprechen Steigerung des Erfolgs, der Lebensfreude und der Gesundheit, mitunter ist sogar von „magischer Kurzzeittherapie“ die Rede – gepaart mit der nie enden wollenden Kritik, NLP sei manipulativ, hat diese Methode nach wie vor bei vielen ein Image-Problem. NLP-Trainer Roman Braun erklärt: „Es geht doch meistens um die Optimierung von interpersoneller (zwischenmenschlicher) und intrapersoneller (innerer) Kommunikation. NLP ist eine Sammlung von verschiedenen Methoden zur Verbesserung dieser Kommunikation, es vereint Mental- und Rhetoriktraining. Der zentrale Prozess bei NLP ist Modelling, also das Hinschauen, was wer gut macht, und das Daraus-Lernen.“ So einfach, so kompliziert. Mittlerweile, so Braun, habe NLP den Schrecken verloren, und es gäbe kaum eine Ausbildung, wo NLP-Inhalte nicht dabei seien, etwa beim Mentaltrainer, beim Lebens- und Sozialberater. Und auch viele Coachs oder Manager haben mittlerweile eine NLP-Ausbildung.

 

Roman Brauns Klienten sind unter anderem Studenten, Lehrer, Ärzte, Führungskräfte, Juristen, Sportler, Topmanager und Politiker. „Wenn zum Beispiel ein Arzt kommt, der möchte entweder ein besserer Mediziner oder eine bessere Führungskraft sein. Man weiß ja, dass Sprache den Gesundheitszustand von Patienten beeinflussen kann.“ Für beide Fragestellungen fühlt sich Roman Braun zuständig. „Es stellt sich immer die Frage: Schaue ich auf das Problem oder das Ziel?“ Der NLP-Trainer ist auch der offizielle Rhetorik-Trainer der österreichischen Olympia-Sportler und Mentalcoach von Weltcupsiegern und Weltmeistern. Er hat zum Beispiel Rainer Schönfelder in seiner letzten Saison begleitet, als dieser aus seinem verletzungsbedingten Tief herausgefunden und sich dann nochmals an die Spitze vorgekämpft hatte. Anderen hilft er, das Lampenfieber vor Interviews in den Griff zu bekommen und authentisch zu bleiben.

 

NLP und Politiker werden, spätestens seit Jörg Haider, in einem Atemzug genannt, und dann folgt auch gleich die Kritik, NLP sei manipulativ. Braun sagt dazu: „NLP per se kann nicht manipulativ sein, es ist nur ein Werkzeug. Aber, ja, Menschen manipulieren gerne!“ In der Kommunikation gibt es den so genannten Ja-Anschluss und den Nein-Anschluss, also Zustimmung und Ablehnung. Menschen haben ein inneres Bedürfnis, den „Ja-Anschluss“ wahrscheinlicher zu machen. Dazu bedienen sie sich verschiedener Werkzeuge. Und eben auch NLP. Brauns Credo lautet aber: NLP ist dazu da, die eigenen Verhaltens- und Kommunikationsmöglichkeiten zu erlernen, zu verbessern und zu erweitern. Politiker wollten – nicht einmal anonymisiert – zum Thema NLP leider nichts sagen. Dem Vernehmen nach stehen aber auch Psychotherapeuten oder Medien-Trainer dem NLP nicht mehr so ablehnend gegenüber wie noch vor einigen Jahren. Im Gegenteil, sie haben manchmal selbst eine NLP-Ausbildung oder nützen zumindest Teile davon. 

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Tipps für den Alltag

Roman Braun verrät drei Tipps für den Alltag:

  1. Selbstmodelling: Achten Sie nicht auf Bereiche in Ihrem Leben, wo es Probleme gibt, sondern wo es super läuft. Analysieren Sie, warum es dort super läuft.
  2. Dankbarkeit: Üben Sie sich in Dankbarkeit, es ist eines der heilsamsten Gefühle.
  3. Gutes tun: Wenn man sich selbst etwas Gutes tut, ist der Wohlfühleffekt nach einer Stunde verpufft. Tut man hingegen jemand anderem etwas Gutes, hält der Effekt bis zu sechs Stunden an.

 

Mag. Lisa Ahammer

Februar 2016

 

Foto: shutterstock, privat

  

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Kommentar

Kommentarbild von Roman Braun, NLP-Mastertrainer, Wien zum IFG-Printartikel "Kommunikation: Besser durch NLP?", Ausgabe 2/2015 „NLP ist in vielen Bereichen einsetzbar – und nicht mehr eine verpönte Methode, sondern durchaus akzeptiert.“
Roman Braun
NLP-Mastertrainer, Wien

‌ Zuletzt aktualisiert am 12. Februar 2016