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Paartherapie: Möglichkeiten und Grenzen

Paartherapie: Möglichkeiten und Grenzen Beziehungen können ein Quell der Stabilität, Freude und des Glücks sein. Müssen sie aber nicht. Wenn die Zweisamkeit mehr Leid als Freude bereitet, kann eine Paartherapie Abhilfe verschaffen. Dr. Maximilian Schallauer erklärt deren Möglichkeiten und Grenzen.

Es beginnt meist mit dem überwältigenden Gefühl der Verliebtheit, die Schmetterlinge tanzen wild im Bauch herum und man hält es keine Minute ohne den Auserwählten aus. Irgendwann wird Liebe daraus, man zieht zusammen, heiratet und bekommt womöglich auch Kinder. Und schließlich – wenn die Jahre vergehen – lässt der Alltag kaum noch Zeit für Zärtlichkeiten, nette Gesten oder liebe Worte. Einige Paare müssen dann eines Tages erkennen, dass sie vor den Trümmern ihrer Beziehung stehen. Sie finden kaum noch Gemeinsamkeiten, haben immer wieder Streit und vertrauen einander nur noch wenig.

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Wann hilft eine Paartherapie?

Aber auch die Zeit kann Partnerschaften verändern und dazu führen, dass man sich unverstanden fühlt. Zudem können unterschiedliche Lebenspläne, sexuelle Probleme oder Altlasten aus vorangegangenen Beziehungen das Glück trüben. Betroffene Paare stellen sich mitunter dann die Frage: Ist bereits alles zu spät oder können wir mit professioneller Hilfe die Beziehung noch retten? „Eine Paartherapie ist dann angebracht, wenn ein Paar selber nicht mehr weiterkommt, wenn Gespräche unbefriedigend verlaufen und sich im Kreis drehen oder wenn Frust über die Beziehung anhält. Krisen in einer Beziehung weisen meist darauf hin, dass ein nächster Entwicklungsschritt ansteht, zum Beispiel weil sich äußere Umstände verändert haben oder weil man in eine andere Lebensphase gekommen ist. In der so genannten Imago-Beziehungstherapie gehen wir auch davon aus, dass der eigentliche Sinn einer guten Beziehung gegenseitiges Wachstum einschließt. Dieses persönliche Wachstum wird aber erst durch Konflikte angestoßen“, erklärt Dr. Maximilian Schallauer, Klinischer Psychologe und Psychotherapeut sowie Mitglied des Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen, aus Walding.

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Die Konfliktdynamik verlangsamen

Die Gründe, warum Paare professionelle Hilfe aufsuchen, sind vielfältig. „Es dreht sich um alle möglichen Themen wie Familienorganisation, Kindererziehung, Beiträge zur Hausarbeit, Geld, Verantwortung, zu wenig Zeit für den Partner, Verschlossenheit eines Partners, Sexualität oder eine Krise nach einer Außenbeziehung“, hält der Psychotherapeut fest. Wie aber kann eine Paartherapie hier helfen? „Durch einen guten Paartherapeut beziehungsweise eine gute Paartherapeutin wird die Konfliktdynamik verlangsamt. Man kann sich die Themen genauer anschauen, ruhiger besprechen und wieder miteinander in Beziehung kommen“, so Schallauer. Festgefahrene Kommunikationsmuster können dadurch aufgebrochen werden.

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Der Beziehung eine Chance geben

Bei der Paartherapie gilt wie bei vielen anderen Problemen: Je früher damit begonnen wird, umso größer ist die Chance, das Gemeinsame in der Beziehung wieder zu stärken. Wie oft und wie lange man einen Therapeuten aufsuchen muss, lässt sich nur schwer beantworten und ist individuell verschieden. Während bei manchen Paaren bereits einige wenige Sitzungen reichen, ist bei anderen eine intensivere Auseinandersetzung notwendig. „Eine durchschnittliche Paartherapie dauert bei mir zirka zehn Doppelstunden. Länger kann es dauern, wenn beispielsweise im Zuge der Paartherapie komplexe Probleme auftauchen und das Paar den Wunsch hat, diese gemeinsam aufzulösen“, sagt Schallauer.

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Trennung oder neuer Versuch?

Sich für das Miteinander statt eine Trennung zu entscheiden, ist aber nicht immer das Ziel der Therapie: „Dieses bestimmt das Paar. Meist geht es darum, wieder zueinander zu finden, aber manche Paare wollen sich auch klar darüber werden, ob sie miteinander eine Chance haben oder ob es für sie Sinn macht, unter bestimmten Umständen beisammen zu bleiben“, sagt der Gesundheitspsychologe. Eine Paartherapie kann somit auch zur Trennung führen. Verletzungen sind dann nicht ausgeschlossen. Auch in diesen Fällen sollte man deshalb auf professionelle Hilfe setzen, um eine gute Basis für die Zukunft zu schaffen.

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Bereitschaft zur Therapie notwendig

Es gibt aber auch Situationen, in denen eine Paartherapie von vornherein keinen Sinn macht. Auf die Frage, wo die Grenzen liegen, antwortet Schallauer: „Wenn sich einer der Partner bereits innerlich von der Beziehung verabschiedet hat, wenn eine Außenbeziehung besteht, die nicht beendet wird, oder wenn die Bereitschaft eines Partners fehlt, dann macht eine Paartherapie wenig Sinn.“ Umgekehrt bedeutet das: Sind die Partner offen und interessiert, um sich mit den eigenen Themen auseinanderzusetzen, hat die Therapie gute Erfolgsaussichten. „Ideal sind die Voraussetzungen, wenn man spürt, dass die gegenseitige Zuneigung noch vorhanden ist, auch wenn sie durch aktuelle Konflikte überdeckt ist“, hält Schallauer fest.


MMag. Birgit Koxeder-Hessenberger
Dezember 2013


Foto: Bilderbox

‌ Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015