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Schulklasse 3d Unesco-Musikmittelschule Freistadt

"Es gibt auch ein Leben ohne Handy"

Ihre Handys nutzen die Schülerinnen und Schüler vor allem für WhatsApp, Instagram, Snapchat und Youtube – in der Fastenwoche wurde stattdessen mehr gespielt und viel geredet.

Fasten-Aktion: Die Schülerinnen und Schüler der 3d der UNESCO-Musikmittelschule Freistadt haben eine Woche lang aufs Handy verzichtet.

Sie sind zwischen zwölf und 13 Jahre alt, das Handy spielt eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Dennoch haben 24 Schülerinnen und Schüler der UNESCO Musik-NMS in Freistadt während der Fastenzeit eine ganze Woche auf ihre Smartphones verzichtet. Die Idee kam vom Klassenvorstand der 3d, Johanna Sturm: "Ich habe natürlich selbst auch handygefastet und wollte einfach wissen, was das mit uns macht. Die Schüler sollten angeregt werden, über ihr Handyverhalten nachzudenken", erklärt sie. Die Aktion fand im Rahmen des Projekts der OÖ. Gebietskrankenkasse "Gesundheit leben, Gesundheit lernen" statt.

"Zwei bis vier Stunden täglich nutzen wir das Handy", so die Selbsteinschätzung der Klasse. "Beim Abgeben haben wir zusammengeholfen", berichtet Valentina. Denn nicht alle waren sofort begeistert von der Fastenaktion, die eine ganze Woche dauern sollte. Schließlich hat aber jede und jeder das Handy in ein Kuvert gesteckt, das sogar versiegelt wurde. Sieben Tage lang blieben die Smartphones in der Schule. "Die Kinder haben in dieser Zeit Tagebuch geführt und auf einem Plakat mit Smileys dokumentiert, wie es ihnen geht", sagt Lehrerin Sturm. Beim Besuch der OÖNachrichten haben sie nochmals erzählt, wie es ihnen ergangen ist. Das Handy war da schon wieder in Griffweite.

"Ich wollte am Anfang eigentlich nicht, bin aber voll stolz, dass ich es geschafft habe", sagt Mia. Wie viele andere berichtet sie, dass sie in der Handy-Fastenwoche öfter draußen war als sonst und auch häufiger mit ihren Geschwistern gespielt hat.

Nicht nur zu Hause, auch in der Schule fehlte das Handy. Laut Schulordnung muss es während des Unterrichts im Spind sein. Nun war es ganz weggesperrt. In der Klasse haben wir deshalb öfter Karten gespielt. "Wir haben das Quartett wiederentdeckt und in der Pause oft gespielt", erzählt Leopold. Gemeinsam mit Clemens hat er das Fasten noch erweitert. "Wir haben auch auf Fernsehen, Tablet, Laptop und Computer verzichtet."

Beim Warten auf den Bus haben die Schulfreunde plötzlich mehr als sonst miteinander gesprochen. Und auch zu Hause stand echte Kommunikation auf dem Programm. "Ich habe sehr viel mit meiner Mama geredet", berichtet Shalin, und auch Theresa sagt, dass ihre Mama mehr aus der Schule erfahren habe als sonst. Manch eine gesteht auch, dass die Eltern genervt waren, weil der liebe Nachwuchs plötzlich so viel Zeit zum Reden fand.

Beim Lernen konnten sich viele besser konzentrieren, "weil es nicht dauernd gepiepst hat", so Theresa. Andere haben schlechter geschlafen, weil "ich mich ohne Handy nicht vollständig fühlte", sagt Valentina.

Nach einer Woche wurden die Handys wieder ausgeteilt und eingeschaltet. 800 WhatsApp war der Rekord an verpassten Nachrichten. "Bei mir waren es nur 34", sagt Klassenvorstand Johanna Sturm. Auf die Frage, wer nächstes Jahr wieder handyfasten möchte, hielten nur vier den Daumen nach unten. Die Klasse hat wohl festgestellt: "Es gibt auch ein Leben ohne Handy."

 


Logo OÖNachrichten Claudia Riedler

Gesundheitsmagazin der OÖNachrichten

28. März 2018

 

Bild: Alexander Schwarzl

 


 


‌ Zuletzt aktualisiert am 13. April 2018