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Ärztin steht am Fenster und stützt den Kopf in die Händen

„3 schöne Dinge“: Simple Methode gegen Burnout

Ärzte und andere Beschäftigte im Gesundheitssystem können ein einfaches Instrument gegen Burnout nutzen, berichtet die deutsche Ausgabe der Medizinplattform medscape.com. Bereits wenige Tage nach Beginn der Intervention führt es zu einem Rückgang der Symptomatik, der größtenteils auch nach einem Jahr noch feststellbar ist. Dies berichteten Wissenschaftler bei der American Conference on Physician Health [Amerikanische Konferenz zur ärztlichen Gesundheit] im Oktober 2017 in San Francisco. 

Die Intervention nennt sich „3 schöne Dinge“ und basiert auf der Stärkung der Fähigkeit, positive Emotionen zu erleben und auszukosten, so Dr. J. Bryan Sexton, Direktor des Duke University Health System Patient Safety Center an der amerikanischen Duke University School of Medicine in Durham, North Carolina. Es wird sich wohl auch auf andere Berufsgruppen anwenden lassen (Anm.)

Das Standard-Messinstrument bei Burnout ist der Maslach Burnout Inventory, der drei Dimensionen untersucht: Emotionale Erschöpfung, De-Personalisierung und reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit.

Interventionen, die bei Burnout erfolgreich zu sein scheinen, hätten offenbar alle etwas gemeinsam, sagte Sexton: „Sie alle steigern scheinbar die Fähigkeit einer Person, positive Emotionen zu erleben.“ 

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Der Blick für das Positive geht verloren 

„Die Realität eines Menschen wird durch seinen Fokus bestimmt“, sagte Sexton.

Um dies zu untermalen, griff er bei der Konferenz zu einem instruktiven Bild: Er präsentierte eine Lungen-CT-Aufnahme mit weißen Knoten. Die schwarzen Umrisse ließen die Form eines Gorillas erkennen.

„Zeigen Sie das Bild mal einem Raum voller Radiologen. 83 Prozent von ihnen werden den Gorilla nicht registrieren: Der Job eines Radiologen besteht darin, nach weißen Knoten im Lungen-CT zu suchen. Wenn man darauf trainiert wurde, nur das Weiße zu beurteilen, schenkt man dem Dunklen keine besondere Aufmerksamkeit mehr.“

„Ganz ähnlich ist es mit dem Gefühl, das Ihre Wahrnehmung beeinflusst“, fuhr er fort. „Ganz oft, wenn wir uns leer und ausgebrannt fühlen, vergessen wir, dass sich dadurch verändert, was wir wahrnehmen, und achten nicht mehr auf die übrige Welt um uns herum.“

So würden sich etwa Personen, die sich gestresst oder ausgebrannt fühlen, bei einer Reihe positiver, neutraler und negativer Bilder mit „erstaunlicher Detailtreue an das erinnern, was auf den negativen Bildern zu sehen ist, wo hingegen sie keine Fakten von den positiven oder neutralen Bildern zu berichten wissen“, sagte er. Bei Einsatz eines Blickverfolgungssystems unter den Freiwilligen zeigte sich, dass sie bei den Bildern die positiven oder neutralen Inhalte einfach nicht aufnehmen.

Aus evolutionsbiologischer Sicht möge das auch sinnvoll sein, erklärte Sexton weiter. „Wenn Sie auf der Flucht vor einem Säbelzahntiger sind, achten Sie vielleicht darauf, wer Sie noch gerne zum Mittagessen hätte oder was Ihnen bei er Flucht im Weg ist, aber Sie werden wohl nicht innehalten und einen schönen Regenbogen bewundern. Für das Überleben unserer Art ist das auch gut so, doch für das individuelle Wohlbefinden und Glück ist das verheerend.“ 

Ausgehend von diesem psychologischen Erklärungsansatz schlug Sexton eine einfachere Definition für Burnout vor: „Burnout ist im Grunde die gestörte Fähigkeit zur Empfindung positiver Emotionen.“ 

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„3 schöne Dinge“ gegen Burnout 

Um dem entgegenzuwirken und Burnout zu lindern, testeten Sexton und sein Team ein einfaches Programm mit dem Namen „3 schöne Dinge“. Für die Untersuchung baten die Forscher jeden Freiwilligen darum, täglich vor dem Zubettgehen drei schöne Dinge aufzuschreiben, die ihnen am Tage widerfahren waren, und ihnen eines von den zehn positiven Gefühlen zuzuordnen, die am ehesten bei einem Burnout beeinträchtigt sind:

  • Freude,

  • Dankbarkeit,

  • Gelassenheit,

  • Interesse,

  • Hoffnung,

  • Stolz,

  • Vergnügen,

  • Inspiration,

  • Erstaunen und

  • Liebe.

Dabei kann es sich auch um scheinbare Kleinigkeiten wie eine lustige Fernsehsendung oder die mit Freunden verbrachte Zeit handeln. 

„So verrückt es auch klingen mag, aber dadurch trainieren Sie Ihren ‚Muskel‘, der für die Wahrnehmung der guten Dinge in unserem Leben zuständig ist und Sie setzen damit den vielen anderen Dingen, die Ihr Gehirn immerzu drängen, sich auf die negativen Dinge zu konzentrieren, etwas entgegen.“ 

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Burnout-Symptomatik signifikant verringert 

In einer Studie mit 148 Assistenzärzten der Inneren Medizin an der Duke University School of Medicine stellten die Untersucher einen Rückgang der Burnout-Symptomatik um 15 Prozent nach nur zwei Wochen fest, d.h. einem Rückgang von einem Ausgangswert von 65 Prozent auf 50 Prozent im Maslach Burnout Inventory nach der Intervention. Ein Jahr nachdem die Intervention geendet hatte, waren 48 Prozent der Personen noch leistungsfähig, was den Schluss nahelegt, dass die Intervention hinsichtlich des Burnout-Risikos einen nachhaltigen Effekt hat, berichtete Sexton.

Die Assistenzärzte berichteten auch nach der Intervention über signifikant weniger Depressionen, Verspätungen, Konflikte und von einer bessere Work-Life-Balance.

Das Team kam bei Angehörigen anderer Gesundheitsberufe zu ganz ähnlichen Ergebnissen. Auch unter den Sicherheitsbediensteten (19 Prozent) der Klinik und dem Personal einer Neugeborenen-Intensivstation im Stanford University Hospital in Palo Alto (elf Prozent) zeigte sich ein Rückgang der Burnout-Symptomatik.

„Der Schlüssel ist hier die sorgfältige Evaluation der persönlichen Situation und das Loslassen alter Emotionen, die nicht länger relevant sind. Dafür muss man Zugang zu den positiven Emotionen erlangen“, sagte Sexton. Zusammen mit seinem Team testete er unterschiedlich lange Interventionszeiträume, doch meistens gingen sie über sieben bis 14 Tage, wobei zehn Tage der entscheidende Zeitraum zu sein schien.

„Der Ressourcen-Einsatz und der Zeitaufwand sind zwar wirklich nicht hoch. Doch muss ich das jetzt für den Rest meines Lebens jeden Tag machen? Nein! Ein oder zwei Wochen jährlich und in den übrigen 50 oder 51 Wochen machen Sie etwas anderes.“ 

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Positives bei der Arbeit hervorheben 

Sexton merkte an, dass es auch andere Wege zur Verinnerlichung dieser Form von positiver Aufmerksamkeit während der Arbeitszeit im Gesundheitssektor gibt. In manchen Umgebungen beispielsweise haben die Teilnehmer ihre drei schönen Dinge mit anderen Teammitgliedern geteilt, entweder online oder einfach auf ein Stück Papier geschrieben und an das Schwarze Brett der Abteilung gepinnt. Das Teilen scheint den positiven Effekt zu verstärken.

Auch wenn Personen nicht bereit sind, speziell am „3-schöne-Dinge“-Projekt mitzumachen, können die Abteilungsleiter die Vorteile des Ansatzes auf andere Weise kultivieren, indem es etwa feste Verabredungen gibt, darüber zu sprechen, was bei der Arbeit gut funktioniert und nicht nur zu schauen, was sich verbessern muss. Während der Sicherheits-Rundgänge an der Duke University School of Medicine sollten die Leiter sich erkundigen, was gut läuft und Wert darauf legen, diese Erfolge und die beteiligten Personen gezielt positiv hervorzuheben und zu „feiern“.

 

Der gesamte Artikel wurde am 2. November 2017 auf Medscape Deutschland veröffentlicht und ist (nach kostenloser Registrierung) in voller Länge hier  abrufbar.

 

Mag. Christian Boukal / medscapemedizin.de

Dezember 2017


Foto: shutterstock



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‌ Zuletzt aktualisiert am 06. Dezember 2017